Olympia

Wer Olympia-Kandidat werden will, muss diese Kriterien erfüllen

Wer kandidiert für Olympia 2022? Das Wallis? St. Moritz? Die Ausarbeitung einer Kandidatur kostet die Region 30 Millionen Franken. Darüber hinaus blühen ihr im Falle einer Realisierung Sicherheitskosten in dreistelliger Millionenhöhe.

Swiss Olympic will eine Kandidatur für die Olympische Winterspiele 2022 prüfen. Das bekräftigt Jörg Schild CEO von Swiss Olympic gegenüber der az noch einmal mit Nachdruck. Zudem setzt sich Schild für eine «Kandidatur Schweiz» ein und ruft noch einmal zum Zusammenhalt auf. «Ich will nicht, dass Regionen, die sich bewerben, während dem Auswahlprozedere in den Medien gegenseitig bekämpfen».

Dies sieht Tourismus-Direktor Jürg Schmid genauso: «Experten empfehlen uns, den Ort mit den besten Gewinnchancen ins Rennen zu schicken, um abschliessend als Nation geeint hinter der Kandidatur zu stehen. Verfehlt wäre, zu früh in einen Kantönligeist zu verfallen».

Neben dieser strategischen Marschrichtung hat Swiss Olympic kommuniziert, welche Kriterien die interessierten Regionen für eine allfällige Kandidatur erfüllen müssen:

1 Kostengarantie

Swiss Olympic verlangt, dass die Regionen für die Sicherheit der Athleten und Funktionäre garantieren. Dies beinhaltet auch Garantien für die Übernahme der Kosten.

Wie hoch diese Kosten sein werden und wie viel der Kosten der Bund, die Kantone und Gemeinden übernehmen müssen, konnte Swiss Olympic auf Anfrage nicht beantworten. «Wenn wir für die Sicherheit am WEF garantieren können, dann liegt das auch für Olympia drin. Niemand kann sagen, wie die internationale Bedrohungslage in 12 bis 16 Jahren aussehen wird», sagt Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild.

Recherchen der az zeigen jedoch, dass Sicherheitskosten in dreistelliger Millionenhöhe auf die Schweiz zukommen könnten. So wendete das Organisationskomitee für die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver insgesamt 987 Millionen Franken für die Sicherheit auf.

2 IOC verlangt 23300 freie Hotelbetten

Das Internationale Olympische Komitee erwartet, dass der Veranstalter für 23300 freie Hotelbetten in sämtlichen Sternekategorien garantieren kann. In die Berechnungen können Para-Hotellerie miteinbezogen werden. Diese Anforderung bedingt laut Swiss Olympic eine Zusammenlegung mehrerer Destinationen.

Eine weitere Hürde dieser Auflage ist, dass die Spiele im Februar stattfinden und damit auf die Hochsaison der Wintersportorte fallen. Für den Hoteldachverband hotelleriesuisse kein Problem: «Die Destination Schweiz ist als Austragungsort für Olympische Spiele geradezu prädestiniert. Sie geniesst weltweit einen guten Ruf und kann eine lange Wintersporttradition vorweisen», sagt hotelleriesuisse-Sprecherin Susanne Daxelhoffer.

Weiter verfüge die Schweiz über eine bewährte touristische Infrastruktur und könne auf ein ausgezeichnetes Verkehrsnetz, insbesondere im Bereich des öffentlichen Verkehrs, zurückgreifen. In diesem Zusammenhang seien die geforderten Zimmerkapazitäten laut hotelleriesuisse durchaus realistisch, dürften aber eine Zusammenlegung einzelner Destinationen und Regionen - beispielsweise Graubünden, Ostschweiz und Region Zürich oder Bern und Wallis - bedingen. «Gerade hier ist die gute Erreichbarkeit entscheidend. Renommierte internationale Grossanlässe wie die Olympischen Spiele stellen für die gesamte Branche eine einzigartige Chance dar, sich auf einer Weltbühne zu präsentieren und neue Gäste für das eigene Land zu begeistern», sagt Daxelhoffer.

3 Olympisches Dorf: Vancouver zahlte 888 Millionen

Eine Schweizer Olympia-Kandidatur muss laut Vorgabe des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein Athletendorf errichten, welches 4500 Athleten und Funktionären Unterschlupf gewähren kann. Dieses muss aus Sicherheitsgründen komplett abgeriegelt sein und einen separaten Anfahrt- und Abfahrtort aufweisen. Andererseits erlaubt das IOC auch zwei Sub-Dörfer in den Aussenregionen der Spiele, wenn die Fahrzeit von der Host-City zu den Wettkampforten eine Stunde Fahrzeit beträgt. Auch in diesem Bereich zeichnen sich für eine Kandidatur Millionenkosten ab. Vancouver kostete den Bau des Olympischen Dorfes in der Stadt 888 Millionen Franken.

4 Distanzen nicht länger als 100 Kilometer

Weiter fordert das IOC, dass die Reisedistanzen zwischen dem Dorf und den Wettkampfstätten nicht länger als 100 Kilometer oder eine Stunde betragen dürfen. Selbst Swiss Olympic räumt ein, dass diese Vorgabe schwer zu erfüllen sein wird. «Wir nehmen diese Vorgabe des IOC zur Kenntnis. Allerdings wurde diese Bedingung in der Vergangenheit nicht immer buchstabengetreu umgesetzt», sagt Schild.

Klar scheint einzig, dass die Schweiz im Falle des Zuschlages den bestehenden öffentlichen Verkehr nutzen will und nicht nach Neubauten rufen wird. «Wir wollen solche Investitionen, von denen man auch nach den Spielen profitieren kann», sagt Swiss Olympic-CEO Jörg Schild.

5 Bestehende Infrastruktur nutzen

In diesem Zusammenhang will sich der Bund an Olympischen Spielen nur beteiligen, wenn die bisherigen Sportanlagen als Austragungsorte genutzt werden. Der Grund: Sportminister Ueli Maurer will neugebaute «Sportruinen» vermeiden. Ausserdem will der Bund einerseits neue Anlagen in die alpine Landschaft einbetten. Andererseits sollen diese nicht überdimensioniert gebaut werden. Das Problem: Wie Swiss Olympic einräumt, verfügt die Schweiz zwar über Stadien und Anlagen. Diese genügen jedoch primär den Bedürfnissen des Breitensports und den nationalen Meisterschaften. Damit scheint klar, dass hier ein Ausbau der bestehenden Anlagen von Nöten sein wird.

6 TV-Zuschauer sollen Schweizer Berge sehen

Eine weitere Bedingung an eine finanzielle Beteiligung des Bundes ist, dass die Schweiz «weisse Spiele» durchführt. Will heissen: Fernsehzuschauer sollen Bilder von schneebedeckten Schweizer Bergen empfangen. Dies soll die Aussendarstellung der Schweiz als Wintersportland fördern und zementieren.

Kandidatur kostet 30 Millionen

Nun haben die interessierten Regionen bis am 31. März Zeit die Anforderungen zu studieren und entsprechende Unterlagen einzureichen. Danach wird Swiss Olympic mit dem Bund eine «Kandidatur Schweiz» vorbereiten. Diese wird am 18. November 2011 den Schweizer Sportverbänden am Sportparlament vorgelegt. Einziger Vorbehalt: Erhält München am 6. Juli dieses Jahres den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2018, dann ist es unwahrscheinlich, dass mit der Schweiz vier Jahre später wieder ein europäisches Land die Spiele ausrichten darf.   

Derweil bekräftigt das Wallis gegenüber der az den Willen für eine Kandidatur - obwohl die Ausarbeitung gegen 30 Millionen Franken kosten würde. Allerdings könne das Wallis nicht alleine kandidieren. Vielmehr sprach sich Tourismus-Direktor Urs Zehnhäusern für eine Kandidatur mit einer Grossstadt aus. «Bern oder Lausanne bietet sich hierbei an».

Duell Wallis gegen Graubünden

Darüber hinaus scheint die Kandidatur aus dem Bündnerland weit fortgeschritten zu sein. Wie die Verantwortlichen mitteilten, hätten bereits erste Gespräche mit den interessierten Regionen stattgefunden und es beständen klare Vorstellungen wie eine Kandidatur aussehen müsse.

Damit zeichnet sich ein Duell zwischen dem Wallis und dem Kanton Graubünden - konkret St. Moritz oder/und Davos ab. Dabei scheint Bundesrat Ueli Maurer das Bündnerland zu favorisieren.

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