Eishockey

Wer in Lugano Erfolg haben will, muss sich mit Damien Brunner verstehen

Damien Brunner in seinem Heimstadion, der Resega.

Damien Brunner in seinem Heimstadion, der Resega.

Grosse Spieler haben immer auch ein grosses Ego. Nur ein Trainer mit einem noch grösseren Ego kann grosse Spieler führen. Und ein solcher ist Luganos neuer Chef Doug Shedden. Einen Star wie Damien Brunner weiss er bei Laune zu halten.

Einen Grossen erwischt es fast immer. Mit Lugano (2008, 2011), dem SCB (2014), den ZSC Lions (2006), Zug (2014), Fribourg (2015) oder Kloten (2013, 2015) haben vermeintliche Spitzenteams die Playoffs verpasst. Nur der HC Davos hat seit dem Aufstieg (1993) die Playoffs immer erreicht.

Trifft es nun erneut Lugano? Es schien so. Nach dem 1:5 in Biel rutschte die teuerste Mannschaft der Liga am 13. Oktober nach 16 Runden auf den letzten Platz. Trainer Patrick Fischer (40) musste gehen. Trotz Vertrag bis 2018. Hilft für einmal ein Trainerwechsel? Es scheint so. Sein Nachfolger Doug Shedden (54) hat zwei der ersten drei Partien gewonnen. Zuletzt 6:2 in Lausanne. Warum ist Patrick Fischer gescheitert? Wenn wir uns noch einmal mit dieser Frage befassen, dann sehen wir, warum Lugano wahrscheinlich die Playoffs erreichen wird. Natürlich geht es immer auch um Taktik und Trainingsgestaltung. Aber am Ende des Tages entscheidet die Beziehung zwischen dem Trainer und seinen wichtigsten Spieler.

Damien Brunner (29) ist der bestbezahlte NLA-Schweizer aller Zeiten und hat einen Vertrag bis 2019 im Wert von rund drei Millionen Franken. Ein Trainer, der mit ihm nicht auskommt, verliert in Lugano den Job. Patrick Fischer hat Damien Brunner nicht verstanden und ihn schliesslich unter die Wolldecke gesteckt. Es war der Anfang vom Ende. So vernünftig es tönt, dass sich jeder dem Kollektiv unterzuordnen habe, dass die Mannschaft wichtiger sei als der einzelne Spieler – so falsch ist dieser sportliche Sozialismus im Falle von Damien Brunner.

Nur ein Trainer, der ihm Freiheiten zugesteht und Fehler verzeiht, bekommt von ihm Tore, Tore, Tore. Ein Trainer braucht viel Selbstvertrauen, um einen Spieler wie Damien Brunner an der langen Leine zu führen. Nicht einmal Patrick Fischer hatte dieses Selbstvertrauen. Übrigens auch Peter DeBoer nicht, Damien Brunners letzter NHL-Coach in New Jersey. Auch er musste gehen – aber erst nach dem Schweizer.

Brunners Ferien sind zu Ende

Doug Shedden hat das Spiel Luganos mit ein paar taktischen Handgriffen vereinfacht und so die Fehlerquote gesenkt. Aber das ist nicht der zentrale Punkt. Etwas anderes ist viel wichtiger: Er hat Damien Brunner Beine gemacht. «Wir hatten bereits in Zug eine besondere Beziehung», sagt Doug Shedden über Damien Brunner. «Ich bin mit ihm oft sehr hart. Weil ich will, dass er etwas aus seinem Talent macht.» Eine Beziehung mit Krach und Zuneigung – und einer Vergangenheit. Damien Brunner kommt im Herbst 2008 von den Kloten Flyers nach Zug. Doug Shedden macht aus dem verkannten Talent und Viertlinienspieler einen NLA-Topskorer und NHL-Stürmer. Und nun kreuzen sich die Wege in Lugano wieder. Ein Glücksfall für Damien Brunner, für Doug Shedden – und am Ende vielleicht auch für Lugano.

Doug Shedden hat nach seiner Amtsübernahme in Lugano Damien Brunner erst einmal den Tarif angegeben. «Ich habe ihm gesagt, dass die Ferien nun zu Ende sind.» Die Botschaft ist angekommen. Der NLA-Topskorer der Saison 2011/12 hat am Dienstag beim 6:2 gegen Lausanne zum ersten Mal seit seinem Transfer nach Lugano im Dezember 2014 sein bestes Hockey gespielt und zwei Tore und ein Assist gebucht.

Grosse Spieler haben immer auch ein grosses Ego. Nur ein Trainer mit einem noch grösseren Ego kann grosse Spieler führen. Woran erkennen wir, dass Doug Sheddens Ego gross genug ist, um Damien Brunners Chef zu sein? Daran, dass er in Lugano einen Vertrag bis Saisonende akzeptiert hat. In der Regel verlangen Coaches für solche Feuerwehrjobs Mehrjahresverträge. Oder zumindest eine leistungsabhängige Verlängerungsoption.

Autorität wird auf dem Eis gelebt

Doug Shedden sagt: «Mein Vertrag läuft im Frühjahr aus. Ohne Option für irgendetwas. Im Sport geht es darum, sich jeden Tag zu behaupten und Leistung zu bringen. Wenn ich meinen Job hier gut mache, dann habe ich eine Chance auf einen neuen Vertrag. Wenn nicht, muss ich wieder gehen. Das ist okay für mich.» Man mag es Arroganz nennen. Aber es ist ganz einfach gesundes Selbstvertrauen. Patrick Fischer war nicht arrogant, nicht selbstischer genug, um mit Damien Brunner umgehen zu können. Er brauchte zur Stützung seiner Autorität die vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2018. Aber im Eishockey wird Autorität nicht auf Papier geschrieben. Sie muss gelebt werden.

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