Eishockey

Wenn sich die Kabel-Titanen streiten, dann zahlt der Fan

Die nächste Saison wird für TV-Zuschauer teurer.

Die nächste Saison wird für TV-Zuschauer teurer.

Ist unser Hockey im nationalen TV-Business tatsächlich 35 Millionen pro Saison wert? Ein bizarrer Rechtsstreit zeigt: Nein. Es geht gar nicht um Sport. Es geht um Kabelanschlüsse.

Im letzten Sommer hat die Kabelnetzbetreiberin UPC die Rechte an der nationalen Eishockey-Meisterschaft bis 2022 für durchschnittlich 35 Millionen Franken pro Saison erworben. Das ist eine absolute Rekordsumme. Um die TV-Bilder aufzuarbeiten ist der Sportsender «MySports» mit Programmleiterin Steffi Buchli gegründet worden. Die Swisscom (mit Teleclub) ging leer aus und hat jetzt «nur» noch die Möglichkeit, ihren Kunden die nationale Fussballmeisterschaft anzubieten.

Wie kommt die UPC, ein Verbund von Kabelnetzbetreibern dazu, solche Summen in unser Hockey zu investieren? Der Hockey-Fan denkt: unser Hockey ist eben super. Doch dieses euphorische Urteil hält einer näheren Überprüfung nicht stand. Eine Refinanzierung dieser Summe ist nämlich im Schweizer Markt mit Werbung und einem Pay-TV-System nicht möglich. Unser TV-Markt hat höchstens das Volumen der Stadt München.

Es geht um etwas ganz Anderes: darum, durch das Sport-Angebot die zahlenden Kunden auf das eigene Kabelsystem zu verführen. Unser Hockey profitiert genauso wie der Fussball vom «Titanenkampf» zwischen Swisscom und UPC.

Eine absurdes Begehren

Soeben hat die Swisscom bei der Wettbewerbskommission (WEKO), der Gralshüterin der freien Marktwirtschaft, gegen UPC Klage eingereicht (vergl. Faksimile). Sie sieht Anhaltspunkte eines Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung. UPC sei zu verpflichten, allen TV-Plattformen in der Schweiz (einschliesslich der Swisscom-TV-Plattformen) Zugang zum gesamten Angebot von «MySports» zu gewähren. So könnte Swisscom im Verbund mit Teleclub doch wieder Hockey übertragen.

Dieses Rechtsbegehren ist eigentlich absurd. Denn zurzeit wehrt sich die Swisscom gegen eine Busse der WEKO in der Höhe von 71,8 Millionen Franken. Weil sie in der Vergangenheit ihrerseits ihre marktbeherrschende Stellung im Bereich der TV-Rechte für die nationale Fussball- und Hockey-Meisterschaft missbraucht und die TV-Bilder UPC vorenthalten und diese geklagt hatte. Swisscom hält UPC also jetzt die gleichen Sünden vor, die sie selber begangen hat. Zyniker, die sagen, Swisscom und UPC würden Bussen der WEKO notfalls zahlen und weitermachen wie zuvor (weil der Profit langfristig höher ist als die Busse) könnten durchaus Recht bekommen.

Die Auseinandersetzung zeigt, wie wichtig für Swisscom und UPC die Sportübertragungen zur Kundenbindung geworden sind und wie unerbittlich die Konkurrenz ist. Ein Kompromiss – Swisscom überlässt UPC Fussball-TV-Bilder, UPC ermöglicht im Gegenzug der Swisscom, weiterhin Hockey-Spieler auf ihren TV-Plattformen zu übertragen – kann inzwischen ausgeschlossen werden.

Das bedeutet für den Sportfan, der nächste Saison weiterhin die nationale Eishockey- und Fussballmeisterschaft vollumfänglich live sehen will, dass er nun Kunden von beiden Kabelnetzbetreibern – also von Swisscom und UPC – werden muss. Das Vergnügen, ein Schweizer Fussball- und Hockey-Fan zu sein, wird also doppelt so teuer. Im Mittelalter hiess es: «Wenn Könige kämpfen, bluten die Knechte». Im TV-Business heisst es: «Wenn Kabel-Giganten streiten, zahlen die Fans die Rechnung.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1