Spengler Cup
Wenn selbst die Tore nicht für die Olympischen Spiele reichen

Zwei Spiele, zwei Siege. Erst ein Triumph mit Spektakelhockey gegen Riga (6:1) und dann ein «Arbeitssieg» gegen das defensiv gut strukturierte Hämeenlinna (4:0). Die Schweizer können beides: offensives Powerhockey und kluges taktisches Schachspiel und stehen vorzeitig im Halbfinale. Alles klar? Nein.

Klaus Zaugg, Davos
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Reto Schläppi kann zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung einschieben

Reto Schläppi kann zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung einschieben

Freshfocus

Die Ungewissheit, wer zum olympischen Turnier fährt, ist nicht kleiner, sondern grösser geworden. Eine Besonderheit der beiden Siege gegen Riga und Hämeenlinna ist nämlich eine selten gesehene offensive Ausgeglichenheit. Zehn Treffer, zehn verschiedene Spieler. Und so sagt Patrick Fischer: «Zehn verschiedene Torschützen machen es nicht einfacher. Wir haben die Qual der Wahl. Insgesamt haben wir nun zehn Spieler, die um vier, fünf noch offene Plätze kämpfen.»

Einst war ein Held und unbestrittener Stammspieler, wer im Nationaldress ein Tor zustande brachte. Inzwischen müssen wir sagen: Ein Tor – na und? Ein Treffer genügt also noch lange nicht für das olympische Ticket nach Südkorea.

Wenn wir diese zehn Spengler-Cup-Torschützen durchgehen, dann sehen wir, dass höchstens drei ihre olympische Nomination bereits auf sicher haben: Die Verteidiger Raphael Diaz (Zug) und Berns Eric Blum (als Standardpartner von Roman Untersander) sowie der Kraftstürmer Reto Schäppi (ZSC Lions). Dann aber wird die Unsicherheit, die Qual der Wahl gross. Wir erkennen drei Kategorien:

Tor hat ...

... Olympia-Chancen stark erhöht
Dominik Schlumpf (Zug) hat gegen Riga getroffen und zu Tristan Scherweys 1:0 gegen Hämeenlinna assistiert. Der verlässliche Defensivarbeiter war schon bei der letzten WM der perfekte «Ergänzungsverteidiger» und hat sich mit der Leistung hier am Spengler Cup mit ziemlicher Sicherheit das Olympia-Ticket gesichert. Es wäre nach der WM 2014 und 2017 sein drittes Titelturnier.

... Olympiachancen leicht erhöht

Tristan Scherwey (Bern, nur gegen Hämeenlinna eingesetzt) hat unter SCB-Trainer Kari Jalonen immense Fortschritte gemacht. Er ist vom Energie-Rumpelstürmer zum Energie-Skorer geworden. Sein Treffer zum 1:0 war grosse Klasse. 2016 ist er zum einzigen Mal für ein Titelturnier aufgeboten worden, sass aber bei der WM in Prag nur auf der Tribüne. Er wüsste wenigstens, wie es ist, wenn man nicht zum Einsatz kommt.

Das Schweizer Nationalteam gewinnt auch das zweite Gruppenspiel am 91. Spengler Cup und schliesst somit die Gruppenphase als Erster ab.

Das Schweizer Nationalteam gewinnt auch das zweite Gruppenspiel am 91. Spengler Cup und schliesst somit die Gruppenphase als Erster ab.

KEYSTONE

Damien Brunner (Lugano) hat gegen Riga getroffen und gegen Hämeenlinna zum 3:0 für Noah Rod aufgelegt. Da er bei der letzten WM in Paris ohne zu murren auch die Rolle eines offensiven Jokers akzeptierte, hat er seine Olympia-Chancen mit seinem Tor erhöht. Zudem bringt er grosse internationale Erfahrung (fünf WM-Turniere, eine Olympiateilnahme) mit.

Luca Fazzini (Lugano) hat beide Spiele bestritten. Der beste Schweizer Skorer der Liga traf gegen Riga, vermochte sich aber gegen das defensiv besser strukturierte Hämeenlinna nicht durchzusetzen. Der einstige Schillerfalter ist robuster geworden, spielt aber auf der gleichen Position wie der ungleich erfahrenere Damien Brunner. Reicht es zum ersten Titelturnier, wenn es auf die Frage hinausläuft Brunner oder Fazzini?

... wohl keine Auswirkung mehr
Lino Martschini (Zug, nur gegen Riga eingesetzt) ist ein offensiver Zauberzwerg. Aber 2016 war der Zuger bei der WM nicht gut genug (4 Spiele/1 Assist). Es reicht wohl nicht.

Noah Rod (Servette) erstmals zu einem Titelturnier? Der kräftige Genfer blieb in der ersten Partie ohne offensiven Ertrag, hat aber gegen Hämeenlinna getroffen. Durch diesen Treffer hat er erst auf sich aufmerksam gemacht – aber wohl zu spät.

Joël Vermin (Lausanne) ist zwar Torschütze – aber es war «nur» ein Treffer ins leere Tor im zweiten Spiel gegen Hämeenlinna zum 4:0. Das reicht nicht für ein Olympia-Ticket.