Eishockey
Wenn Eishockeyspieler wie Fussball-Bildli getauscht werden

In den USA ist es gang und gäbe, dass Spieler untereinander getauscht werden. Auch wenn dieses Verhalten schon ein paar Mal in der Schweiz gesichtet worden ist, hält man es hierzulande nicht für eine neue Eishockey-Sitte, die im Kommen ist.

Marcel Kuchta
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Die meisten Spieler in der Schweizer Liga werden nicht wie Papierkleber hin- und hergeschoben.

Die meisten Spieler in der Schweizer Liga werden nicht wie Papierkleber hin- und hergeschoben.

Keystone

In Nordamerika gehören die «Trades» zur Tagesordnung. Spieler X vom Verein A wird gegen Spieler Y vom Verein B eingetauscht. Die NHL-Profis müssen, sofern sie keine entsprechenden Verhinderungs- oder Einschränkungsklauseln in ihren Verträgen haben, jederzeit damit rechnen, von einem Tag auf den anderen Tausende von Kilometern entfernt einen neuen Arbeitgeber zu bekommen.

In der Schweiz spielt die dritte Gewalt mit

In der Schweiz sind solche Rochaden aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht ohne die Einwilligung der Spieler durchführbar. Für Schlagzeilen sorgte diesbezüglich Servette-General Chris McSorley, der im Januar 2014 seinen Verteidiger Jerémy Kamerzin – ohne dessen Wissen – in einem Tauschgeschäft kurzerhand nach Fribourg transferierte.

Kamerzins Agent Georges Müller ging auf die Barrikaden und sorgte dafür, dass sein Klient, der sich nach anfänglichem Zögern doch noch in sein Schicksal ergab, zumindest finanziell entsprechend entschädigt wurde. Müller sagt, dass ohne Einverständnis eines Spielers in der Schweiz gar nichts geht: «Wir haben hier ein ganz anderes Arbeitsrecht als in Nordamerika.»

Auch deshalb glaubt der Zürcher, dass der Trend zum Spielertausch in der Schweiz nicht allzu markant sein wird. Er spürt jedoch Tendenzen, dass gewisse Sportchefs das Gefühl haben, man könne auch hierzulande ähnlich operieren wie in der NHL. «Aber da machen es sich die Klubs zu einfach.» Müller betont aber auch, dass ein Spielertausch durchaus auch Sinn machen kann. «Letztlich muss es sportlich für den Spieler stimmen.»

«Trades» entlarven nicht nur Negatives

Dass solche «Trades» auch in der Schweiz funktionieren können, dafür gibt es mehrere Beispiele. Zug-Sportchef Reto Kläy fädelte im vergangenen November einen Tauschhandel mit Lugano ein, bei welchem letztlich alle Beteiligten profitierten. Die Tessiner erhielten mit Alessio Bertaggia und Calle Andersson zwei eigene Junioren zurück, der EVZ mit Dominik Schlumpf dafür einen Verteidiger, der an der Schwelle zum Nationalteam steht.

Kläy sagt, dass man als Sportchef heutzutage immer alle Optionen in Betracht ziehen muss: «Im Eishockey wird das Geschäft umfangreicher. Nicht nur die Klubs, sondern auch die Spieler müssen flexibel sein.» Wobei der Emmentaler betont, dass letztlich immer der Spieler im Recht ist. «Aber jeder muss sich am Ende überlegen, was für seine Karriere das Beste ist.» Für Kläy werden die Spieler-Trades trotzdem eine Ausnahme bleiben. «Solche Wechsel können nicht das Ziel sein. Ich bin ein Freund der Kontinuität.»

Timo Helbling wurde im April ebenfalls Teil eines Spielertauschs. Der Hägendorfer wurde kurzerhand gegen Ryan Gardner eingetauscht und spielt künftig statt für Fribourg für den Rivalen SC Bern. Helbling wurde von seinem Arbeitgeber allerdings vorher informiert, dass man für ihn aus finanziellen Gründen einen neuen Arbeitgeber sucht, weshalb er nicht aus allen Wolken fiel. Im Gegenteil: Der Nationalverteidiger ist glücklich mit dem Lauf der Dinge.

Freud und Leid sind manchmal nah beisammen

Einerseits bedauert er, dass er in Fribourg nicht mehr die Chance hat, sich gemeinsam mit seinen Teamkollegen für die verkorkste letzte Saison zu revanchieren, andererseits sieht er für sich beim SC Bern sehr gute Perspektiven. «Es ist eine Ehre für mich, für diesen Klub zu spielen. Ich denke auch, dass ich mit Trainer Guy Boucher sehr gut klarkomme. Ich freue mich auf meine Zeit in Bern.»

Für Ryan Gardner war der plötzliche Wechsel schon eher ein Schock. Der 37-Jährige hat jedoch in Fribourg die wesentlich besseren sportlichen Aussichten als in Bern, wo er in der Hierarchie nach hinten gerutscht ist. Wenn am Ende bei allen die Rechnung aufgeht, ist so ein «Trade» ein cleverer Schachzug.

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