Pão de Açúcar
Wenn die starke Führung fehlt

Im Pão-de-Açúcar-Blog schildern unsere Rio-Reporter besondere Erlebnisse und Geschichten, die sie rund um die Olympischen Spiele in Rio erfahren. Heute schreibt Klaus Zaugg über die Ignoranz der Schweizer Politik im Bezug auf unseren Spitzensport - und was dies in Rio für Auswirkungen hat.

Klaus Zaugg
Klaus Zaugg
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Der Fechter Fabian Kauter wird am Ipanema Beach interviewt.

Der Fechter Fabian Kauter wird am Ipanema Beach interviewt.

Keystone

Jahrelang hat mich die Frage umgetrieben, wie es sein kann, dass «Swiss Olympic», unsere oberste Sportbehörde, aus der Bundeskasse nicht mehr Geld für Spitzensport bekommt. Und jetzt wagt es der Bundesrat gar, dem Parlament ein Sportkonzept vorzulegen, das für die nächsten Jahre kein Geld für den Spitzensport vorsieht.

Wir finden die Antwort in Rio. «Swiss Olympic» führt die meisten Medientreffs im TV-Studio am Strand von Ipanema durch. Das Schimpfen hinter vorgehaltener Hand ist gross, heimlich fluchen sogar jene von Radio Beromünster.

Die Chronistinnen und Chronisten und teilweise die Athleten müssen Anreisen von bis zu zweieinhalb Stunden quer durch die Stadt in Kauf nehmen. Ein Aufwand von manchmal fünf Stunden für ein paar Minuten Interview. Dabei wäre alles so einfach. Die Medientreffs könnten im Hauptpressezentrum gemacht werden. Ein paar Minuten neben dem Athletendorf, ein paar Minuten Anreise.

Warum diese Eselei? Weil es unser Staats-TV so will. Nun würde ein starker Präsident von «Swiss Olympic» die Sache in einer Minute erledigen. Indem er sagt, das Ganze sei eine tolle Idee, aber undurchführbar und unzumutbar. Fertig. Aber diese starke Führung gibt es nicht. Ist das ein Scharwenzeln und Höbelen und Höselen dieser Opportunisten, wenn das Fernsehen etwas wünscht!

Die Chefs von «Swiss Olympic» lassen sich von den staatlichen und halbstaatlichen Stellen alles gefallen. Deshalb gibt es keinen Grund, ihnen politisch Zugeständnisse zu machen oder gar Geld zu überweisen. Unsere Politik kann es sich leisten, den Spitzensport zu ignorieren.

Es hätte hier eine wunderbare Gelegenheit gegeben, den spitzensportunfreundlichen Bundesrat aufzurütteln. Statt unsere Bundesräte zu hofieren, hätte «Swiss Olympic»-Präsident Jörg Schild, sagen müssen: «Wir sind stolz, dass unsere Landesregierung uns besucht. Aber wir haben leider nicht die Mittel, um uns um Herrn Bundesrat Schneider-Ammann zu kümmern. Er möge sich ans IOC wenden.»

Das hätte gerockt! Das hätte eine Diskussion um die fehlende Unterstützung des Spitzensportes durch den Bundesrat entfacht!

* Pão de Açúcar heisst Rios Zuckerhut auf Portugiesisch