Ligaqualifikation
Wenn der neue dem alten «Hockey-Gott» hilft – Was Rötheli Schläpfer bescheren könnte

André Rötheli kann seinem Vorgänger Kevin Schläpfer mindestens eine halbe Million bescheren. Unterschiedlicher könnten die beiden Trainer nicht sein. Erst nach dem letzten Sieg hat André Rötheli zum ersten Mal Emotionen gezeigt.

Klaus Zaugg
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Rettet André Rötheli den EHC Kloten vor dem Abstieg, wird er zum «Hockey-Gott».

Rettet André Rötheli den EHC Kloten vor dem Abstieg, wird er zum «Hockey-Gott».

Keystone

«Hockey-Gott» – diese Verehrung verdient sich ein Trainer nicht mit Meistertiteln. Meister werden ist vergleichsweise einfach. «Hockey-Gott» wird einer erst, wenn er eine Mannschaft in einer hoffnungslosen Situation noch rettet. Erst solche Wundertaten wühlen die Fans so auf, dass sie den Retter fortan als «Hockey-Gott» verehren. «Hockey-Gott» kann man eigentlich nur im Existenzkampf der Liga-Qualifikation werden.

Kevin Schläpfer (48) hat den EHC Biel im Frühjahr 2009 in der Liga-Qualifikation nach einem 0:2-Rückstand gegen Lausanne übernommen und im 7. Spiel gerettet. Seither gilt er als «Hockey-Gott». André Rötheli (47) hat Kloten nach dem Sturz in die Liga-Qualifikation von – genau – Kevin Schläpfer übernommen. Und Rötheli hat auch nach einem 0:2-Rückstand die Nerven nicht verloren und ist nun drauf und dran, den Klassenerhalt zu sichern.

Beide Trainer haben einst beim EHC Olten gespielt. Doch das ist so ziemlich die einzige Gemeinsamkeit. Kevin Schläpfer hat Biel einst mit seiner emotionalen Art gerettet. Wer ihn damals nach den Spielen vor der Kabine erlebt hat, vergisst seine Auftritte nicht mehr: ausgepumpt, bebend und charismatisch wie Christian Stucki nach dem siegreichen Schlussgang am Unspunnen.

Was Schläpfer damals in der Kabine aufgeführt hat, als er das sechste Spiel 1:6 verloren hatte und das 7. Spiel der Liga-Qualifikation gewinnen musste, haben weder er noch die Spieler erzählt. Es gibt nur Legenden.

Normalfall gegen Notfall

Und nun also André Rötheli. Ein grösserer Gegensatz zu seinem Vorgänger Schläpfer ist gar nicht denkbar. Ein Chronist hat geschrieben, es sei eine Differenz wie zwischen Roman Kilchsperger und dem Dalai Lama. So wie Kevin Schläpfer den Notfall zelebriert hatte, so personifiziert André Rötheli den Normalfall.

Er hat nach dem verheerenden Start zur Liga-Qualifikation (1:4-Heimniederlage gegen die Rapperswil-Jona Lakers) nicht den Hauch von Emotionen gezeigt. Er analysierte ruhig und gelassen das Spiel und liess sich auch durch polemische Fragen nie aus der Reserve locken. Dabei wirkte er entspannt, durch und durch cool, und wer ihn so erlebt, denkt: Wenn die Welt untergeht, möchte ich mit ihm Kaffee trinken und verpasse so den Weltuntergang.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass André Röthelis Welt nicht untergeht. Mit dem Sieg im vierten Spiel hat Kloten die Serie ausgeglichen (2:2). Und nach diesem zweiten Sieg hat André Rötheli zum ersten Mal Emotionen gezeigt und «den Heinz gemacht»: Langnaus Trainer Heinz Ehlers ist berühmt dafür, dass er nach einem Spiel stets antizyklisch auftritt: Er ist freundlich und findet lobende Worte, wenn Langnau verliert, und er ist nach einem Sieg grantig und kritisiert viel.

Laut geworden

Nun war André Rötheli nach dem 4:0 in Rapperswil-Jona zum ersten Mal ein wenig grantig und sagte, er sei auf der Bank laut (!) geworden. Man sei nach dem 2:0 nachlässig geworden und habe Fehler gemacht, die er nicht toleriere. Querpässe in der eigenen Zone – das gehe einfach nicht.

Es ist offensichtlich: Nur jetzt, da die Rettung naht, ja nicht abheben. Aber so richtig hässig kann man Klotens Nottrainer nur machen, wenn man sagt, nun könnte auch er, wie Kevin Schläpfer, ein «Hockey-Gott» werden. Davon will Rötheli nichts wissen.

Trotzdem gilt: Der neue «Hockey-Gott» kann dem altem «Hockey-Gott» helfen. Wenn André Rötheli mit Kloten in der NLA bleibt, läuft der Vertrag seines Vorgängers zwei Jahre weiter. «Davon gehe ich aus», sagt Kevin Schläpfer. Und hütet sich vor weiteren Kommentaren wie der Teufel vor dem geweihten Wasser. Wohl wissend, dass ihn ein verbaler Querpass um zwei Jahreslöhne und um mindestens eine halbe Million bringen kann.