Wenn im nächsten Jahr die Fussball-Weltmeisterschaften in Brasilien steigen, werden, wie in den letzten Jahren gewohnt, über die Hälfte der teilnehmenden Nationen aus Europa und Südamerika kommen. Dies will FIFA-Boss Joseph Blatter in den kommenden Jahren ändern.

«Ich möchte endlich sehen, dass die Globalisierung im Fussball ernst genommen wird», sagt der Schweizer im Magazin des Fussballverbandes «FIFA Weekly», «die Kontinentalverbände aus Afrika und Asien sollten endlich den Status erhalten, den sie auch verdienen.»

Es könne nicht sein, dass die Verbände aus Europa und Südamerika 19 Teilnehmer an den Weltmeisterschaften stellen, obwohl die Zahl der Nationalmannschaften in diesen Kontinenten (63) deutlich kleiner ist, als jene in Afrika und Asien (100).

Doch nicht nur bei der Grösse der Kontinentalverbänden sind Afrika und Asien deutlich überlegen, auch was die Anzahl Länder und die Bevölkerungszahl angeht, stehen beide Kontinente vor Europa und Südamerika. So leben beispielsweise in Asien doppelt so viele Menschen als in Südamerika und Europa zusammen.

Afrikas Fussball kann sich nicht entwickeln

Blatter nervt sich vor allem daran, dass der Kontinentalverband Afrika mit 54 Mitgliedern «deutlich untervertreten» sei. Nur gerade fünf dieser Mannschaften dürfen an der WM teilnehmen.

«Dieser fehlerhafte Stand der Dinge muss behoben werden», so der FIFA-Präsident, ansonsten drohe die fussballerische Entwicklung in den afrikanischen Ländern gestoppt zu werden.

Geradezu bizarr erscheint da die Teilnehmerzahl aus Südafrika: Der Kontinentalverband darf seit nächstes Jahr 4 oder 5 Teilnehmer ans fussballerische Grossereignis schicken, fast 50 Prozent seiner Mitglieder.

Die Kontinentalverbände aus Afrika und Asien forderten schon mehrmals eine stärkere Beteiligung. So protestierten die afrikanischen Länder bereits 1966 mit einem Boykott dagegen, dass ihnen gemeinsam mit Asien und Ozeanien nur ein einziger WM-Platz zustand.

Ausschlaggebend ist die Weltrangliste

Dies war nicht immer so. Die Teilnehmerzahl an Weltmeisterschaften hat sich im letzten Jahrhundert stark verändert: Am ersten Turnier 1930 in Uruguay nahmen nur gerade 13 Länder teil, darunter nur vier europäische Mannschaften.

Bereits 1934 waren es 16 Teilnehmer, 1982 wurde die Anzahl aufgrund der steigenden Zahl an Fussball-Nationalmannschaften von der FIFA auf 24 festgelegt. Seit der WM 1998 in Frankreich nehmen 32 Teams beim Endrundenturnier teil. Durch diese Aufstockung reagierte der Weltfussballverband auf das steigende Interesse am Grossereignis.

Wie viele Teilnehmer heute pro Kontinent an den Weltmeisterschaften teilnehmen, hängt von der Platzierung der Länder des jeweiligen Kontinentalverbands in der FIFA-Weltrangliste ab.

Ein Blick darauf spiegelt die derzeitigen Machtverhältnisse wieder: In den Top 15 befinden sich nur Teams aus Europa und Südamerika - der stärkste afrikanische Vertreter, die Elfenbeinküste, steht auf Rang 17. Von einer solchen Klassierung können die Asiaten nur träumen: Japan belegt als stärkste Nation den 44. Rang, hinter fussballerischen Leichtgewichten wie Kap Verde, Panama oder Honduras. Dass sich daran in nächster Zeit etwas ändern wird, ist nicht zu erwarten. Trotz der Kritik vom FIFA-Boss.