Die Schuhsohlen quietschen, während der Gummiball abermals in hohem Tempo an die Frontwand geknallt wird. Sprints nach vorne, Ausfallschritte bis in den Spagat in die Breite – und das über eine Spielzeit von oftmals mehr als einer Stunde. Auf einem temporären Glas-Court vor einer steilen Zuschauerrampe spielt sich in dieser Woche in Zürich die absolute Squash-Weltelite um den GC-Cup schwindlig.

Die Highlights des Spiels zwischen Nicolas Müller und Mohammed Elshorbagy:

Squash: Mo. ElShorbagy v Müller - Grasshopper Cup 2017 Rd 1 Highlights

Squash ist jene intensive Sportart, die Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer mit ausserordentlicher Virtuosität im technischen Spiel kombiniert. Regelmässig schnellt der Puls der Athleten über die Zweihundertermarke, manche Ballwechsel dauern drei bis vier Minuten. Bis zu 2000 Kalorien verbrennt ein Profiathlet während einer Best-of-5-Partie auf dem von vier Glaswänden umgebenen 9,75 auf 6,4 Meter grossen Court.

Also die perfekte Sportart, welche die Massen in den Bann zieht? Weit gefehlt: Während in der Giessereihalle im Puls 5 in Zürich rund 400 Zuschauer die austrainierten Spitzensquasher in fesselnder Stimmung anfeuern, merkt man vor dem Eingang zum Einkaufszentrum und Bürokomplex kaum, dass drinnen Spitzensport auf Weltklasse-Niveau geboten wird.

Squash ist vor allem in Ägypten sehr beliebt. Im Bild: Die ägyptischen Squash-Spieler Omar Abdel Meguid (Weiss) und Omar Mosaad.

Squash ist vor allem in Ägypten sehr beliebt. Im Bild: Die ägyptischen Squash-Spieler Omar Abdel Meguid (Weiss) und Omar Mosaad.

Doch warum fristet Squash ein Schattendasein? Böse Zungen behaupten, der Glaskasten verleihe dem Sport etwas Intimes, die Athleten seien nicht greifbar, was eine ideale Vermarktung schwierig mache. Viel eher dürften jedoch politische Gründe dafür stehen, warum Squash kein Bein vor das andere setzen kann. Spricht man mit den Topstars über die stockenden Entwicklungen, äussern viele ihren Unmut. Insbesondere nervt man sich daran, dass man beim Olympischen Komitee IOC mit der Aufnahme ins olympische Programm abermals abgeblitzt ist.

Dass der Sport grosses Potenzial hat, beweist man in Nordafrika, was bereits die nackten Zahlen offenbaren: Sechs Spieler der heutigen Top Ten stammen aus Ägypten. In den 90er-Jahren gelang den Ägyptern der grosse Durchbruch, nachdem der damalige Staatspräsident Hosni Mubarak ein bedeutendes Turnier in die Heimat lotste.

Sechs Spieler der heutigen Top Ten stammen aus Ägypten.

Sechs Spieler der heutigen Top Ten stammen aus Ägypten.

In den Leistungszentren in Kairo und Alexandria eiferten die Kinder fortan ihren Idolen nach. Heute schrauben die Ägypter im alltäglichen Training untereinander das Niveau in die Höhe. Beinahe nur Grégory Gaultier kann den Nordafrikanern noch regelmässig das Wasser reichen: «Es macht es schwierig, sie zu schlagen, weil sie untereinander sehr viel profitieren und auf fantastische Trainingsbedingungen zurückgreifen können», sagt die Weltnummer 1 aus Frankreich dieser Zeitung.

Ein Schweizer in der Weltelite

Mittendrin unter den besten Squash-Spielern der Welt ist auch ein Schweizer: Nicolas Müller aus dem zürcherischen Hirzel machte nach seinem Abschluss des Gymnasiums 2009 Squash zum Beruf und reist seither mit äusserst bescheidenen Mitteln um den Globus. Reich wird der 28-Jährige als etablierter Squash-Profi aber nicht.

Nur dank Sponsoren hält sich die derzeitige Weltnummer 34 über Wasser. «Ich will mich nicht beklagen. Der Lifestyle ist genial. Ich bin oft im Ausland unterwegs und lerne viele Leute kennen. Ich schätze mein Leben so, wie es ist», sagt er. Trotzdem: Turniersieger, die oftmals unter den Top Ten ermittelt werden, erhalten rund 30 000 Dollar Preisgeld. Mit einer Startniederlage spielt sich Müller lediglich rund 2000 Dollar ein.

«Ich will mich nicht beklagen. Der Lifestyle ist genial. Ich bin oft im Ausland unterwegs und lerne viele Leute kennen. Ich schätze mein Leben so, wie es ist.»

Nicolas Müller:

«Ich will mich nicht beklagen. Der Lifestyle ist genial. Ich bin oft im Ausland unterwegs und lerne viele Leute kennen. Ich schätze mein Leben so, wie es ist.»

Es ist nicht mehr als ein Zustupf, zieht man in Betracht, dass die Spieler oftmals Flugkosten und Unterkünfte selber berappen müssen. Ausserdem sind bereits Erstrundenpleiten auf PSA-Stufe gewiss nichts Allwöchentliches. Nur dank einer Wildcard ist Lokalmatador Müller in Zürich im Haupttableau, ein 16er-Feld, vertreten. In seinem Startspiel vermochte der Zürcher die Weltnummer 3, Mohammed Elshorbagy, an den Rand einer Niederlage zu drängen.

Nach einer 2:1-Satzführung ging Müller jedoch die Luft aus, weshalb er mit 8:11, 11:7, 11:7, 7:11, 4:11 verlor. Es wäre sein erster Sieg überhaupt gewesen gegen den ehemaligen Szenendominator. Selbstvertrauen hat Müller dennoch getankt: «Ich weiss, dass ich mit den Besten nicht nur mithalten, sondern sie auch schlagen kann.»

Auch die Turnierorganisatoren dürfen zufrieden sein: Der GC-Cup, nach zehn Jahren Unterbruch seit 2012 wieder alljährlich durchgeführt, boomt, sodass man das Preisgeld seit der Wiedereinführung um satte 80 000 Franken auf 100 000 Franken steigern konnte. Das bestbesetzte Turnier in Kontinentaleuropa wird von den Spielern allseits geschätzt. Eine gute Grundlage, den Sport in der Schweiz einen Schritt vorwärtszubringen.