Weltcup Adelboden
Isolation statt Verabschiedung: Rennleiter Hans Pieren positiv auf Corona getestet

Während 28 Jahren war Hans Pieren der Rennleiter der Weltcuprennen von Adelboden. Nun wäre an diesem Wochenende die Verabschiedung des 60-Jährigen vorgesehen gewesen. Doch am Freitagabend teilen die Veranstalter mit, dass sich Pieren mit Corona infiziert hat.

Claudio Zanini, Adelboden
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Immer mit dem grünen Helm unterwegs: Hans Pieren.

Immer mit dem grünen Helm unterwegs: Hans Pieren.

Anthony Anex/Keystone

Es liegt vor allem an Hans Pieren, dass meteorologische Situationen in Adelboden nie aussichtslos sind. Er hat den Ruf, schon so manches Rennen trotz widerlicher Bedingungen gerettet zu haben. Wenige Meter von der Weltcup-Piste entfernt ist er aufgewachsen. Noch heute wohnt er mit seiner Familie dort. Seit 28 Jahren ist er Rennleiter in Adelboden. An diesem Wochenende wäre er zum letzten Mal im Einsatz gewesen. Geplant war eine feierliche Verabschiedung am Samstagnachmittag im Anschluss an den Riesenslalom. Doch jetzt kommt alles anders.

Am Freitagabend teilen die Veranstalter mit, dass Hans Pieren positiv auf Corona getestet wurde. «Der PCR-Test von Hans Pieren fiel dabei heute Nachmittag positiv aus», steht in einer Mitteilung. Pieren sei geboostert und habe keine Symptome, heisst es. Sein nahes Weltcup-Umfeld sei negativ getestet worden. Die Verabschiedung werde somit um ein Jahr verschoben. Pieren wird in der Mitteilung so zitiert: «Die Piste ist in einem hervorragenden Zustand und mein Nachfolger sorgt gemeinsam mit Pistenchef Toni Hari, Stefan von Känel und dem gesamten Pistenteam für ein super spektakuläres Rennen.»

In dieser Woche wurde Pieren nochmals viel abverlangt

Bis die Piste in den hervorragenden Zustand kam, war der Rennleiter nochmals richtig gefordert. Die Wetterbedingungen waren chaotisch. Wegen den warmen Festtagen bestand die Piste fast nur noch aus Sulzschnee, sagt Pieren. Auch zu Beginn dieser Woche war es noch viel zu warm. Pieren und sein Team von 80 Helfern hätten wohl auch unter diesen Bedingungen mit dem Einsatz von Salz eine wettkampftaugliche Unterlage angefertigt. Doch die Spielregeln änderten sich nochmals. Am Mittwoch kam ein Kälteeinbruch und Neuschnee.

Die Kälte war willkommen, der Neuschnee musste weg. Mithilfe der Kälte konnte zuerst der obere Streckenteil mit dem Injektionssprühbalken gewässert werden. Der Balken pumpt Wasser tief in die Piste. Das Wasser dehnt sich dann gegen oben gleichmässig aus und lässt die Piste erhärten. Am Donnerstag konnte schliesslich der untere Teil gewässert werden.

1992 vor seiner Haustüre auf dem Podest

Pieren kennt aber nicht nur jedes Detail des Berges, er kennt auch den Skisport und all seine Facetten. Selbst gehörte er einmal zu den weltbesten Riesenslalom-Fahrern. Auf den beiden schwierigsten Pisten dieser Disziplin schaffte er es aufs Podest. Er wurde Dritter in Alta Badia 1987. Und er wurde Zweiter bei seinem Heimrennen in Adelboden, am 22. Januar 1992. Schon während seiner Aktivkarriere gründete er einen Onlineversand für Skibedarf. Später fungierte er unter anderem als Schweizer Frauen-Cheftrainer und hatte verschiedene Mandate bei der FIS.

In den Ruhestand geht Pieren nach diesem Wochenende nicht. Am 24. Januar, einen Tag nach seinem 60. Geburtstag, will er nach Peking fliegen, wo er als Berater bei den olympischen Skirennen im Einsatz stehen wird. Doch zuerst stehen die beiden Rennen an seinem Hausberg an. Pieren wird sie via Fernsehen verfolgen müssen.

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