Es war ein Moment für die Geschichtsbücher, als Emma Pooley gestern beim Powerman Zofingen als Langdistanz-Siegerin die Ziellinie überquerte. Mit ihrer Schlusszeit von 6:47:27 Stunden unterbot die 31-jährige Britin den Streckenrekord von Karin Thürig aus dem Jahr 2002 um mehr als 16 Minuten und krönte sich damit zur neuen Duathlon-Weltmeisterin. «Das ist traumhaft», sagte Emma Pooley strahlend über ihren Triumph bei der Premiere in Zofingen. «Die Bedingungen waren perfekt, zudem kam mir die hügelige Strecke entgegen», erzählte Pooley weiter.

Die gebürtige Londonerin, die seit 2005 in Hausen am Albis lebt und nach ihrem abgeschlossenen Geotechnik-Studium an der ETH in Zürich an selber Stelle arbeitet, legte mit einer fantastischen Leistung auf der Radstrecke den Grundstein für den Erfolg. Auf der zweiten von drei Runden übernahm Pooley, die bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking die Silbermedaille im Zeitfahren gewann, die Führung von Laura Hrebec und fuhr bis zum Wechsel auf die letzte Laufstrecke einen Vorsprung von zwölf Minuten heraus.

Bis zuletzt fokussiert

«Auf der ersten Radrunde war sie sehr schnell unterwegs», zeigte sich Emma Pooley von Hrebecs Leistung beeindruckt, «deshalb attackierte ich am Bodenberg, um raschest möglich viel Abstand zu gewinnen.» Diesen gab sie anschliessend nicht mehr aus der Hand. Pooley vergrösserte gar ihren Vorsprung auf der Laufstrecke und lief letztlich einem ungefährdeten Sieg entgegen.

«Der Begleiter auf dem Mountainbike meinte bei Kilometer 14 auf der zweiten Laufrunde, dass ich jetzt gewonnen hätte. Ich sagte ihm, dass das erst der Fall ist, wenn man im Ziel steht», erzählte Pooley. Schliesslich könne auf den letzten Metern einiges passieren, zumal sie dem Abstieg vom Heitern ins Zielgelände viel Respekt entgegenbrachte.

Pooley: «Jedes Rennen ist anders»

Ob sie den WM-Titel auf gleicher Höhe einstuft wie die Silbermedaille aus Peking, konnte Emma Pooley, die diesen Sommer ihren Rücktritt vom Radsport bekannt gab, nicht beantworten. «Jedes Rennen ist anders. Weil ich nicht wusste, was bei meinem ersten Start in Zofingen möglich ist, kam der Sieg für mich überraschend», sagte sie, «trotzdem ist er sehr schön.» Mit über 33 Minuten Rückstand erreichte Laura Hrebec völlig ausgepumpt das Ziel.

Die Westschweizerin, die nach ihrem starken Beginn die Führung auf der Radstrecke eingebüsst hat, musste auf dem letzten Laufstück auch Vorjahressiegerin Eva Nystrom vorbeiziehen lassen. «Mir war extrem warm, ich war dehydriert und bekundete Probleme mit dem Essen», erklärte die 37-Jährige aus Illarsaz. Mit ihrem dritten Platz zeigte sich Laura Hrebec aber mehr als zufrieden. «Ich wollte eine Medaille gewinnen, damit ging für mich ein Traum in Erfüllung», sagte sie.

Auch Le Bellec gewinnt gleich beim ersten Mal

Wie Emma Pooley feierte auch bei den Männern ein Athlet bei seiner Premiere in Zofingen den Gewinn des WM-Titels. Der Franzose Gaël Le Bellec entschied ein enges Rennen vor seinem Landsmann Yannick Cadalen zu seinen Gunsten und entthronte damit Vorjahressieger Rob Woestenborghs.

Der Belgier fiel als Führender wie Joerie Vansteelant auf der letzten Laufrunde wegen Beinkrämpfen aus der Entscheidung. «Es ist eine Ehre für mich, vor den beiden Duathlon-Legenden zu stehen», freute sich Le Bellec. Der 26-Jährige liess sich trotz technischer Probleme und einem Fahrfehler nicht aus der Ruhe bringen. «Ich habe mein Rennen gut eingeteilt und mit viel Mut den Sprung auf das Podest geschafft», erklärte Le Bellec.