Zwei Trainer auf dem Schleudersitz

Zwei Trainer auf dem Schleudersitz

Der FC Aarau und Bellinzona kommen nicht vom Fleck und die Trainerstühle geraten ins Wanken. Die Trainer im Interview.

Ganz so überraschend ist es nicht, dass sich Aarau und Bellinzona am Tabellenende um die rote Laterne «streiten». Aber eine solch klare Zäsur zu einem solch frühen Zeitpunkt der Meisterschaft ist doch überraschend. Bereits jetzt stellt sich die Frage: Wer steigt direkt ab und wer schafft es in die Barrage? Und die Gesetzmässigkeiten des Geschäfts sind klar: Jeff Saibene und Marco Schällibaum stehen in der Kritik und unter Druck. Wie lebt es sich auf einem Schleudersitz

Interview: Ruedi Kuhn

Wie lebt es sich auf einem Schleudersitz?

Marco Schällibaum: Nicht optimal. Die Lebensqualität ist momentan eingeschränkt. Ich liebe meinen Job, aber die Giftpfeile der Boulevardpresse gegen meine Person sind respektlos. Das tut weh. Sehr weh.

Wie kämpfen Sie in dieser Woche gegen die Krise an?

Schällibaum: Ich versuche, ruhig zu bleiben und weiterhin offen und ehrlich zu kommunizieren. Vor dem Heimspiel gegen den FC Zürich werde ich mit den Spielern etwas Spezielles unternehmen. Vielleicht organisieren wir einen Grillplausch oder gehen in die Berge.

Was haben Sie persönlich in den letzten Wochen falsch gemacht?

Schällibaum: Ich habe zu viele Spiele verloren und deshalb sicherlich nicht immer alles richtig gemacht. Momentan fehlt es vor allem am nötigen Glück. Wenn ich an den späten Gegentreffer zum 2:3 gegen Basel denke oder an den Pfosten- und Lattenschuss beim 0:2 gegen Luzern. Ich frage mich schon, was der Fussballgott gegen uns hat.

Verliert man in diesen schwierigen Zeiten die Freude am Fussball?

Schällibaum: Weil ich ein emotionaler Mensch bin und der Druck von Spiel zu Spiel steigt, geht die ganze Sache nicht spurlos an mir vorbei. Den nötigen Halt finde ich bei meiner Familie.

Wo steht Ihr Verein am Ende dieser Saison?

Schällibaum: Auf dem neunten oder zehnten Platz. Uns fehlt ein Erfolgserlebnis. Wir müssen das Glück provozieren und werden gegen den FCZ bis zum Umfallen kämpfen.

Interview: Felix Bingesser

Wie lebt es sich auf einem Schleudersitz?

Jeff Saibene: Ich spüre keinen Unterschied zur Startphase der Meisterschaft. Ich bin weiter sehr motiviert, ich gebe tagtäglich mein Bestes. Mehr kann ich nicht tun und alles andere kann ich nicht beeinflussen.

Wie kämpfen Sie in dieser Woche gegen die Krise an?

Saibene: Ich schaue mit meiner Mannschaft nochmals Sequenzen der Partie gegen Basel auf Video an. Es war nicht alles schlecht, wir hatten auch unsere Möglichkeiten. Ich will die Spieler aufbauen und ihnen auch gelungene Aktionen zeigen. Und dann fahren wir am Mittwoch nach München und schauen uns die Partie Bayern - Juventus an. Da können wir einmal die Köpfe lüften.

Was haben Sie persönlich in den letzten Wochen falsch gemacht?

Saibene: Es mag überheblich tönen, aber ich würde alles wieder gleich machen. Ich bin überzeugt von meiner Arbeit. Mich plagen keine Selbstzweifel.

Verliert man in diesen schwierigen Zeiten die Freude am Fussball?

Saibene: Unmittelbar nach einer Niederlage ist es schwierig und die Nacht danach ist meist schlimm. Aber sobald ich wieder mit der Mannschaft zusammen bin, dann ist die Freude wieder da. Es gibt keinerlei Intrigen, ich spüre, dass nach wie vor alle mitziehen. Und das gibt Mut und Kraft. Und macht Freude.

Wo steht Ihr Verein am Ende dieser Saison?

Saibene: Für mich persönlich war die Zielsetzung immer klar der Ligaerhalt. Das ändert sich nicht und dieses Ziel werden wir auch erreichen.

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