Zwei stehen, zwei sitzen. Die vier Männer auf dem Podest tragen eine Videobrille und halten eine Fernbedienung in den Händen. Vor ihnen versammeln sich die Zuschauer, hinter ihnen sind vier Bildschirme aufgerichtet, die Bilder der eingebauten Drohnenkameras live übertragen.

Am unteren Rand des Bildschirms sind die Szenenamen der Teilnehmer zu lesen: «Flow», «Mike Myer’s», «Samsi» und «Käpten Balu» sind die Finalisten des ersten Rennens der neu gegründeten Swiss Drone League.

Der Start der Rennstrecke: Die Drohnen brausen los.

  

Das Garagentor, in dem die Drohnen auf ihren Startpodesten platziert sind, öffnet sich. Der Countdown ertönt. Die Drohnen brausen los auf den mit LED-Leuchten ausgesteckten Parcours.

Was aussieht wie ein Set für einen Science-Fiction-Film, ist in Wirklichkeit eine Rennstrecke. Für Drohnen, für die Flugobjekte, die in den vergangenen Jahren aufkamen und nicht immer nur positive Schlagzeilen generierten. Aber dazu kommen wir noch.

Spektakuläre Bilder: Der Trailer zur Swiss Drone League

In Lausanne, an der «Comptoir Suisse», einer Verbrauchermesse, fand am vergangenen Wochenende die Premiere der Swiss Drone League statt. 32 Teilnehmer duellierten sich drei Tage lang um den ersten Titel. Einer davon ist Friedrich Haller aus Villmergen, auch bekannt unter dem eben erwähnten Pseudonym «Käpten Balu». Der 35-Jährige beschäftigt sich seit zwei Jahren intensiv mit dem Drohnenfliegen.

«Ich habe damals auf YouTube ein Video gesehen und mir daraufhin eine gebrauchte Drohne im Internet bestellt. Vom ersten Flug an hat mir das extrem gefallen», erinnert er sich. Nun will er sich in der neu gegründeten Schweizer Liga beweisen. Diese beinhaltet in ihrem Lancierungsjahr drei Rennen. Das erste in Lausanne ist auch für ihn etwas Spezielles: «Wir haben hier einen tollen Parcours und sogar etwas Publikum. Das gibt dieses Kribbeln. Das ist schon was anderes, als wenn man sich irgendwo auf einem Feld trifft», sagt Haller.

Ein negativ behafteter Begriff

Die diesjährigen Rennen der Swiss Drone League werden alle an Messen ausgetragen. Nach dem Rennen in Lausanne folgt im Oktober die nächste Veranstaltung am HeroFest in Bern und im November an einer Automesse in St. Gallen. «Die Rennen finden alle an Messen statt, weil wir dort ein grosses Publikum erreichen und ihnen den Sport näher bringen können», sagt Joris Zahnd, Gründer und CEO der WhiteCarpet GmbH, die die Rennen zusammen mit der MYI Entertainment GmbH veranstaltet.

Es geht auch darum, Akzeptanz zu schaffen. Das Wort Drohne löse bei vielen Menschen Unmut aus, sagt Sandro Geissmann, Präsident von FPV Racer Schweiz, dem grössten Schweizer Verein für das Drohnenfliegen: «Den Begriff ‹Drohne› mögen wir eigentlich nicht, denn dieser ist negativ behaftet. Wenn Leute dieses Wort hören, denken sie an Krieg oder an ein Spielzeug, um den Nachbar zu beobachten. Wir nennen sie Racecopter oder Quadcopter. Aber das Wort Drohne lässt sich trotzdem nicht ganz vermeiden.»

Die Piloten sehen sich häufig mit Vorurteilen konfrontiert. Mit Verletzung der Privatsphäre oder Flugraumgefährdung habe der Sport allerdings ganz und gar nichts zu tun, Geissmann kann die Bedenken aber verstehen: «Die Medien berichten häufig nur über Drohnen, wenn irgendein Trottel so ein Ding im Mediamarkt kauft und dann irgendwo reinfliegt oder andere Dummheiten anstellt. Das generiert mehr Aufmerksamkeit. Wieso sollten sie schreiben, dass irgendwo Leute mit Drohnen geflogen sind und alles super war?»

Die negativen Vorurteile sollen auch mithilfe der Swiss Drone League aus dem Weg geschafft werden. «Wir möchten mit dieser Plattform die Drohnen in ein positiveres Licht rücken. Hier haben wir ein gesichertes Rennen, in dem nichts passieren kann», sagt Joris Zahnd.

«Wenn die Leute sehen, was wir hier machen, sind die Reaktionen meistens positiv. Wir machen das professionell und nehmen es ernst. Wir sind keinesfalls daran interessiert, irgendwelche Gesetze zu brechen oder Leute zu nerven», sagt Geissmann.

Die Besucher der Messe scheinen jedenfalls angetan vom Gezeigten der Drohnenpiloten. Viele legen in der Halle einen Stopp ein und sehen zu, wie die Drohnen mit rasanter Geschwindigkeit durch den Parcours donnern. Sie sehen schnelle Richtungswechsel, Tunneldurchquerungen, Loopings und auch einige Crashs oder Akkubrände.

Irgendwie wirkt alles ein bisschen wie in der Formel 1. Auch eine «Boxengasse» ist vorhanden, in der beschädigte Drohnen in kürzester Zeit wieder auf Vordermann gebracht werden. Die Emotionen bei den Piloten kochen, sie verwerfen die Hände, wenn ihre Drohne crasht, jubeln euphorisch, wenn sie als Erster über die Ziellinie fliegen.

Sport oder eSport?

Alles wie im gängigen Sportgeschehen. Doch ist Drohnenfliegen ein Sport wie Formel 1 oder Fussball? Oder fällt es eher in die Kategorie, des jüngst immer stärker kritisierten eSports? «Wir würden das nichts als eSport bezeichnen, aber es hat sicher Parallelen dazu», sagt Geissmann. «Bei uns ist nicht alles digital. Es gibt sicher Leute, die aus der Gamerszene zu dem Sport finden. Aber wir sind oft auch draussen. Die Brille haben wir jeweils nur für kurze Zeit an, danach sind wir wieder in der Natur und unter Menschen. Wir sind nicht die, die stundenlang in ihrem Zimmer vor dem Bildschirm sitzen.»

Ein richtiger Sport also. Vielleicht sogar der Sport der Zukunft? «Wir sehen sicher ein grosses Potenzial», sagt Mitveranstalter Zahnd. «Wir wollen mit der Swiss Drone League die Subkultur auf eine grosse Bühne bringen. Zum Zuschauen ist es sehr attraktiv. Es laufen schon Gespräche mit Fernsehstationen und es ist realistisch, dass die Rennen ab nächstem Jahr im Fernsehen zu sehen sind.»

Man hat grosse Pläne für die Zukunft des Sports. Und die technischen Innovationen schreiten schnell voran, sagt Geissmann: «Die Ware eines Drohnen-Shops läuft schneller ab, als diejenige eines Gemüsehändlers, sage ich immer. Das geht unglaublich schnell. Was heute der neueste Schrei ist, ist in kurzer Zeit bereits wieder out.»

Dasselbe gilt für das Können der Piloten, sagt der Aargauer Pilot Haller: «Das Niveau ist im Quadrat am Steigen. Es kommen viele junge Piloten dazu, die wirklich schnell fliegen. Punkto Reaktion hinke ich denen mit meinen 35 Jahren schon etwas hinterher. Aber bislang kann ich es noch mit der Erfahrung wettmachen.»

Das packende Finale der Swiss Drone League in Lausanne im Video

Der Finallauf mit Kommentar in voller Länge

Die vier Finalisten liefern sich einen harten Kampf. Schlussendlich setzt sich Mike Myer's durch. Der Aargauer Friedrich Haller wird Dritter. 

Seine Erfahrung bringt «Käpten Balu» allerdings nicht den Sieg. Kurz vor Schluss crasht er seine Drohne und wird somit Dritter. Das dürfte ihn aber nicht allzu sehr stören, denn für ihn folgt ein weit wichtigerer Drohnenevent.

Er wird die Schweiz an der Weltmeisterschaft in Shenzhen in China vertreten. Hier in Lausanne gab es für die Gewinner ein paar Gutscheine, in China geht es dann um 200 000 Franken.