David Degen

YB's David Degen: «Sollte Aarau das Wunder schaffen: Chapeau!»

David Degen, Meisterkandidat mit den Young Boys.  (Bild: Alex Spichale)

David Degen

David Degen, Meisterkandidat mit den Young Boys. (Bild: Alex Spichale)

Vermutlich wäre David Degen gegen Aarau erstmals seit seiner Pause wegen des Pfeifferschen Drüsenfiebers in der Startformation gestanden. Doch der Platzverweis in Bellinzona macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Von Markus Brütsch

David Degen ist am frühen Freitagnachmittag nicht in bester Stimmung. Er möchte im Stadionrestaurant vor dem Training noch eine Kleinigkeit essen, aber was immer ihm die Kellnerin vorschlägt, passt ihm nicht. Schliesslich bestellt er eine Portion Pasta. «Nein, ich bin wirklich nicht gut drauf», sagt der 27-jährige Offensivspieler der Young Boys, dessen Vertrag im Sommer noch ein Jahr weiter läuft, vielleicht aber demnächst vorzeitig verlängert wird. Am Vorabend, beim 3:1-Sieg in Bellinzona, wurde Degen in der Nachspielzeit vom Platz gestellt. Er fehlt somit heute gegen Aarau und ärgert sich grün und blau darüber.

David Degen, was ist in Bellinzona in der Nachspielzeit passiert?
David Degen: Ich hatte den Ball, als mich die Nummer 14 von Bellinzona mit gestrecktem Bein attackierte. Der österreichische Schiedsrichter kam herbeigeeilt, und ich sagte ihm auf Schweizerdeutsch, dass diese Aktion eine gelbe Karte wert gewesen sei. Dann diskutierte ich mit Hochstrasser und Affolter auf Französisch über diese Szene, und plötzlich verwarnte mich der Schiedsrichter. Obwohl ich gar nicht mehr mit ihm gesprochen hatte. Ich sagte dann zu ihm, er müsse doch dem Spieler die gelbe Karte geben, der das Foul gemacht hatte, und nicht mir. Und schon sah ich erneut die gelbe und danach auch noch die rote Karte. Ich habe den Schiedsrichter nicht beleidigt, nichts dergleichen. Am Schluss ist der Bellinzona-Spieler in unsere Kabine gekommen und hat sich bei mir entschuldigt.

Der Schiedsrichter hat immer Recht.
Ich weiss, und nun bin ich der Depp, der innerhalb von fünfzehn Sekunden zweimal verwarnt worden ist. Aber ich frage mich schon auch: Warum überhaupt habe ich etwas zum Schiri gesagt? Sie können sich gar nicht vorstellen, wie mich das ärgert!

Wer Meister werden will, muss Aarau auch ohne die gesperrten Degen und Regazzoni schlagen.
Darüber gibt es keine Diskussion. Ohne etwas gegen Aarau gesagt zu haben.

Sehen Sie noch eine Chance, dass Ihr früherer Klub den Ligaerhalt schafft und «unabsteigbar» bleibt?
Möglich wäre es. Die Frage ist bloss: Wann holt er die Punkte? Jetzt spielt Aarau zwei Mal gegen uns, und da ist nichts zu machen. Ich habe es in Mönchengladbach erlebt: Wer einmal hinten drin steht, hat fast keine Chance mehr, da noch rauszukommen. Sollte Aarau das Wunder schaffen: Chapeau!

Apropos Wunder: Sie haben im Februar das Pfeiffersche Drüsenfieber bekommen und spielen bereits wieder.
Die Ärzte haben gesagt, ich habe eine Grippe. Ich bin aber noch nie krank gewesen und habe gespürt: Mit meinem Körper stimmt etwas nicht. Gegen Luzern machte ich in der ersten Halbzeit einen 40-Meter-Sprint, und danach hatte ich das Gefühl, als sei meinem Körper sämtliche Energie entzogen worden. Ich hatte keinen Saft mehr. Am Dienstag wurde ich dann durchgecheckt: Pfeiffersches Drüsenfieber.

Das muss ein Schock gewesen sein. Sportler wie Roger Federer oder Olaf Bodden haben monatelang darunter gelitten oder gar ihre Karriere beenden müssen. Und der frühere GC-Teamarzt Heinz Bühlmann hat erklärt, dies könne Sie die WM und YB wegen der Ansteckungsgefahr den Titel kosten.
Davon habe ich gehört. Am Anfang war ich einfach mal froh zu wissen, was genau ich habe. Dann kam der Schock: Wir können mit YB Meister werden, und jetzt das! Warum gerade jetzt? Meine Philosophie ist: Im Leben hat alles seinen Grund. Vielleicht will mir der Körper ein Signal geben.

Haben Sie darauf schon eine Antwort bekommen?
Nein, ich vermute aber, dass mein Immunsystem am Boden war. Grossartig war unser Mannschaftsarzt Cuno Wetzel. Er sagte: David, in zwei bis vier Wochen bis du wieder zurück. Dann erwachte in mir der Kämpfer. Ich unternahm alles, sprach mit vielen Leuten. Ich ging zu zwei, drei Naturheilern. Ich habe gewisse Dinge angewendet, kann aber nicht genau sagen, was wie viel gebracht hat. Aber ich fühle mich wieder gesund, und das ist die Hauptsache. Jetzt hätte ich gegen Aarau nur zu gerne gesehen, wie hochtourig mein Motor schon wieder dreht.

Was würde Ihnen der Titel mit YB bedeuten?
Alles. Es wäre eine riesige Genugtuung. Wir hätten Geschichte geschrieben und nach 24 Jahren den Verein wieder zum Meister gemacht. Aber es wäre vor allem eine wunderbare Sache für die Stadt und für die vielen Fans.

Sie haben im November gegen Norwegen das Comeback in der Nationalmannschaft gegeben. Wie gross sind Ihre Chancen, bei der WM in Südafrika dabei zu sein?
Das weiss ich nicht. Es wäre schön, wenn ich im Kader wäre, ich will in dieses Kader. Ich werde in den verbleibenden neun Spielen Vollgas geben. Aber ich verdiene mein Geld bei YB. Nur der Titel interessiert mich. Wenn mich Herr Hitzfeld dann aber anruft und für die WM will, wäre ich der glücklichste Mensch.

Wie sehr beschäftigt Sie, dass Ihr Zwillingsbruder Philipp in Liverpool zwar einen guten Vertrag hat, aber kaum zum Einsatz kommt?
Das beschäftigt mich sehr. Er wurde durch verschiedene Dinge immer wieder zurückgeworfen. Aber Trainer Benitez gibt ihm einfach keine Chance mehr. Das macht mich sehr traurig.

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