YB
YB will künftig härter durchgreifen

Pro Jahr geben die Young Boys 2 Millionen Franken für die Sicherheit aus. Mit verstärkten Eingangskontrollen, baulichen Massnahmen und einem Fanbeauftragten will der Club noch schärfer vorgehen.

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Stade de Suisse

Stade de Suisse

Johannes Reichen

Es hat ihnen gefallen am Konzert von Bruce Springsteen. Sowohl der Trainer der Young Boys, Vladimir Petkovic, wie auch Stefan Niedermaier, CEO von YB und des Stade de Suisse, waren angetan vom US-Rocker, der am Dienstag seinen Auftritt im Stade de Suisse hatte.

32 Verbote im Stadion

Derzeit sind 61 Anhänger der Young Boys mit einem Stadionverbot belegt, davon kamen 13 in der vergangenen Saison dazu. In der letzten Saison wurden wegen Vergehen im Stade de Suisse 32 Stadionverbote ausgesprochen, darunter 8 wegen Gewalt ums Stadion, 5 wegen Werfens von Gegenständen, je 2 wegen Gewalt sowie Vandalismus im Stadion und 1 wegen Betretens des Spielfelds. Für die meisten Stadionverbote sorgt jedoch das Abrennen von Feuerwerkskörpern (13). «Wir wollen keine Pyrotechnik im Stadion», sagte Stefan Niedermaier, CEO von YB und Stade de Suisse. Aus Sicht der Fanarbeit, die von YB mit jährlich 50 000 Franken unterstützt wird, klingt es ein bisschen anders. «Wir sehen uns als Anwälte der Fans», sagte Clemens Friedli, Co-Präsident der Fanarbeit Bern, auf Anfrage. Für bestimmte Fangruppen sei Feuerwerk ein Teil der Fankultur. «Pyro ist nicht gleich Gewalt», sagte Friedli, und vor wenigen Jahren habe sich keiner daran gestört. So wäre es für ihn etwa denkbar, dass es für das Abbrennen kein Verbot gibt, womit sich die Fans nicht vermummen würden. «So könnte man es viel besser unter Kontrolle halten.» Ebenfalls unter Kontrolle sei derzeit die Willkür in Sachen Stadionverbot. «Dank der Fanarbeit haben die Fans ein Anhörungsrecht», sagt Friedli. Das Projekt «2. Chance» der Fanarbeit erlaubt es zudem Fans mit Stadionverboten, unter Begleitung wieder Spiele zu besuchen. (joh)

Nun ist der Spass vorbei und die Sommerpause bald auch. Darum blickte der Berner Fussballclub gestern nicht nur voraus in die neue Saison, sondern stellte auch neue Massnahmen zur Sicherheit vor. Zu oft war YB zuletzt in den Schlagzeilen wegen der Gewalt im und ums Stadion. Nun werde «deutlicher durchgegriffen», so Niedermaier.

Kontrolle und Fanarbeit

Mit mehreren repressiven und präventiven Massnahmen will YB die Sicherheit bei den Fussballspielen erhöhen:

Dank verstärkten Eingangskontrollen will der Club künftig besser verhindern, dass Feuerwerkskörper und Wurfgegenstände ins Stadion gelangen. Um 20 Prozent wird der Bestand aufgestockt. «Aber natürlich ist es uns nicht möglich, in jede Tasche zu schauen», sagte Niedermaier. Auch die Präsenz im YB--Fansektor soll erhöht werden.

Künftig will YB einen festangestellten Fanbeauftragten beschäftigen.

Mit baulichen Massnahmen im Gästesektor für mehr als 100 000 Franken sollen die Fangruppen besser voneinander getrennt werden. Zudem wird künftig vom Stadion bis zum Bahnhof Wankdorf ein mobiler Zaun aufgestellt.

Wie bisher wird das Stade de Suisse jeweils mit 50 Videokameras überwacht. Eine neue Software erlaube es nun, so Niedermaier, die Bilder besser auszuwerten.

Ausserdem gibt es im Gästesektor ab jetzt nur noch Leicht-Bier, je nach Situation auch in anderen Teilen des Stadions.

260 Personen pro Spiel

Diese neuen Massnahmen seien nicht die letzte Weisheit, sagte Niedermaier. «Denn Repression bedeutet auch Machtlosigkeit.» Sicherheit sei aber allen geschuldet, die ein friedliches Fussballspiel sehen wollten. «Und das sind 98 oder 99 Prozent.»

Niedermaier wollte gestern auch mal klarstellen, was alles für die Sicherheit unternommen wird. «Wir machen viel, wenn auch nicht immer das Richtige.» Auf jeden Fall werde viel Arbeit in die Sicherheit gesteckt.

Pro Spiel stehen 260 Personen im Einsatz, die sich um die Sicherheit kümmern. Diese Zahl bezieht sich auf eine Zuschauerzahl von 18 000, wie sie in der letzten Spielzeit im Schnitt erreicht wurde. Ist der Aufmarsch höher, steigt auch das Sicherheitsaufgebot. Es wird je zur Hälfte vom Club sowie von privaten Diensten gestellt. 250 Stellenprozente im Club stehen für Sicherheit zur Verfügung.

2 Millionen Franken pro Jahr

Das kostet: Rund 2 Millionen Franken pro Jahr respektive 90 000 Franken pro Spiel gibt YB für die Sicherheit aus. Davon sind über eine Million Franken Fixkosten, auch der Beitrag von 50 000 Franken an die Fanarbeit.
Besonders schmerzen Niedermaier die Bussen, die YB an den Schweizerischen Fussballverband und die Swiss Football League zu zahlen hat. 150 000 Franken waren es in der letzten Saison.

YB und Stade de Suisse engagieren sich zudem in den Sicherheitskommissionen der Swiss Football League und Swiss Olympic. «Wir führen dauernd Gespräche», so Niedermaier. Die Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Sanität, öffentlichem Verkehr, aber auch Verband und Liga sei «hervorragend».

Trotz den Anstrengungen, die «Machtlosigkeit» wird weiter bestehen bleiben. Die Probleme mit den Fans seien ein gesellschaftliches Problem, sagte Stefan Niedermaier. «Und auf die Kinderzimmer haben wir keinen Einfluss.»

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