FC Basel

YB vor FCB: Darf das sein?

Ob Meister oder nicht: Stets kamen in den vergangenen Saisons mehr als 20 000 Fans im Jahresdurchschnitt an die FCB-Heimspiele. Doch die Young Boys haben mächtig aufgeholt.

Von Bojan Stula

Ob 13.-Mai-Krawall, verpasste Meistertitel oder Gross-Abgang: Irgendwie liessen sich all diese Rückschläge verkraften. Selbst wenn die sportlichen Dämme brachen, blieb dem FCB zumindest eine Gewissheit: Er hat nicht nur die besten Fans, sondern auch die treusten - und vor allem die zahlreichsten.

Seit dem Ende des Schützenmatte-Exils und dem Bezug des neuen «Joggeli»-Stadions im Jahr 2001 ist der FCB zumindest in einer Kategorie unschlagbar geblieben: bei den Zuschauerzahlen. In der Regel wollten in den vergangenen zehn Saisons im Jahresdurchschnitt sogar doppelt so viele Fussballfans die Basler Heimspiele besuchen wie jene des amtierenden Champions - sofern der FCB den Titel nicht selbst holte. 21 043 waren es in der verkorksten letzten Saison unter Trainer Christian Gross; gerade mal 9829 beim Meister FC Zürich. Das ist der Stoff, aus dem die echten Basler Fussball-Legenden sind.

Doch die Vormachtstellung des FCB wankt. «Young Boys auf dem Weg zum Zuschauerkrösus» titelte die Berner Tageszeitung «Der Bund» zu Beginn dieser Woche und rechnete vor: Sollte am 29. November beim Schlagerspiel gegen den FCB das Berner Wankdorf erstmals seit seiner Umwandlung ins «Stade de Suisse» in einem Meisterschaftsspiel mit 32 000 Zuschauern ausverkauft sein, und sollten ferner zum YB-«Santichlaus»-Heimspiel vom 6. Dezember gegen Xamax mehr als 25 000 Fans erscheinen, dürften die Berner den FCB zur Liga-Halbzeit bei den Zuschauerzahlen überholt haben. Mit einem Schnitt von 21 934 in den bisherigen sieben Heimspielen stehen die Berner nur noch 1097 Eintritte hinter dem FCB (23 021) auf Rang zwei. Und die Basler haben bei ihren letzten beiden Heimspielen in diesem Jahr erst noch mit dem Handicap eines Wochentagsspiels (morgen Montag gegen Neuenburg Xamax) und dem unattraktiven Gegner Bellinzona zur diesjährigen Joggeli-Dernière zu kämpfen. YB vor dem FCB, nicht nur in der sportlichen Tabelle, sondern auch bei den Zuschauerzahlen - ein veritabler Albtraum.

Beim FCB gibt man sich indes gelassen. Zumindest gegen aussen hin. «YB hat sich diesen Erfolg dank seriöser Arbeit verdient», sagt FCB-Pressechef Josef Zindel. Nicht zuletzt sei der Berner Zuschauerboom ein Ausdruck dessen, wie attraktiv der Schweizer Fussball momentan sei. Die Erfolge der Nationalmannschaft und der nationalen Vereine im Europacup lassen grüssen. FCB-Vizepräsident Bernhard Heusler weist zudem darauf hin, dass bei den offiziellen Zuschauerzahlen der Super League meistens Äpfel mit Birnen verglichen werden: Während alle übrigen Vereine die Anzahl verkaufter Tickets als offizielle Zuschauerzahl angeben, werden beim FCB nur die effektiv im Stadion anwesenden Personen gezählt und in die Zuschauerstatistik übernommen.
«Wir haben es geschafft, seit fast zehn Jahren die Nummer eins zu sein und unsere Besucherinnen und Besucher zufrieden zu stellen», ergänzt Zindel, «von kurzfristigen Schwankungen lassen wir uns nicht ins Bockshorn jagen». Aktionen mit halbierten Ticketpreisen wie zuletzt in der Europa-League-Qualifikation seien deshalb nicht geplant, um im Fernduell mit YB zum Jahresabschluss zusätzliche FCB-Fans ins Joggeli zu locken. Und noch etwas stellt Zindel klar: Worauf es bei den Besucherzahlen wirklich ankomme, der Anzahl verkaufter Jahreskarten, sei der FCB unerreichte Spitze. 23 000 FCB-Fans mit Jahres-Abos stehen bloss 13 100 YB-Dauerkartenbesitzer gegenüber.

Kenner der Berner Szene bestätigen, dass die Berner Fussballkonsumenten in der Regel extrem resultatorientiert sind. Nach zwei, drei Niederlagen sacken die Zuschauerzahlen im Wankdorf für gewöhnlich in den Keller. Mehr als ein allfälliger sportlicher Meistertitel würde es die Schweizer Fussballszene überraschen, wenn die Berner Young Boys nach der Saison 2009/2010 auch in der Zuschauerstatistik vor dem FCB stünden.

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