YB
YB und der FC Basel spielen um 25 Millionen Franken

Mindestens 25 Millionen Franken liegen für YB und den FC Basel bereit. Doch im Unterschied zu Basel muss YB erst eine Panzertür sprengen, um in den Tresorraum der Champions League zu gelangen.

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François Schmid-Bechtel

Als hätte er es vorausgesehen. Am Donnerstag, einen Tag nach dem sensationellen 1:0 bei Fenerbahçe Istanbul, träumte Scott Sutter von der Affiche YB gegen Tottenham. Seine ersten 16 Lebensjahre hatte der englisch-schweizerische Doppelbürger auf der Insel verbracht. Während zweier Jahre besass er sogar eine Saisonkarte der Tottenham Hotspur.

Damals stürmte noch Jürgen Klinsmann für den Klub aus dem Norden Londons. Der heute 24-jährige Sutter war damals acht. Doch die Erlebnisse im Stadion an der White Hart Lane bleiben unvergesslich. Gestern hat es das Schicksal gut gemeint mit Sutter. YB trifft in den Playoffs, der letzten Qualifikationsrunde für die Champions League, auf die «Spurs». Am Dienstag, 17. August, gastiert Tottenham in Bern. Acht Tage später findet das Rückspiel statt.

Die Affiche YB gegen Tottenham ähnelt einem Klassenkampf. Hier die leichtgewichtigen Berner, die mit einem Budget von etwas über 20 Millionen Franken wirtschaften. Dort die Londoner, die in der von Forbes erstellten Liste der reichsten Fussballklubs der Welt die 12. Position besetzen.

Doch das viele Geld garantiert keinen Erfolg. Erst recht nicht, wenn der Wert von vier anderen englischen Klubs (ManU, Arsenal, Liverpool und Chelsea) über jenem der Spurs liegt. So erstaunt es nicht, dass sich Tottenham noch nie für die Champions League (seit 1992) qualifizieren konnte. Das Team von Harry Redknapp beendete die abgelaufene Saison im 4. Rang – die beste Platzierung seit der Gründung der Premier League im Jahr 1992.

Die lange anhaltende Erfolglosigkeit ist denn auch die offensichtlichste Parallele zwischen den beiden Klubs. Während YB nun schon seit 24 Jahren auf einen Titelgewinn wartet, dauert die Leidenszeit der Spurs-Fans bereits 49 Jahre. «Wir freuen uns auf die Herausforderung», sagte YB-Trainer Vladimir Petkovic. «Es ist nicht unbedingt ein Nachteil, dass wir zuerst zu Hause spielen müssen. Das haben wir gegen Fenerbahçe ja bewiesen.»

Die Schuhgrösse des Sheriffs

Sheriff wer? Sheriff Tiraspol. Okay, auch der Zusatz hat nur eine bedingte Aussagekraft. Und man ist geneigt, aufgrund des geringen Bekanntheitsgrads des Gegners von einem Freilos für den FC Basel zu sprechen. Doch das könnte verheerende Wirkungen haben.

Schliesslich haben die Moldawier in der letzten Qualifikationsrunde den kroatischen Meister Dinamo Zagreb eliminiert. «Wer die Playoffs zur Champions League erreicht, ist kein Kanonenfutter und kann Fussball spielen», sagt FCB-Trainer Thorsten Fink. «Wir werden verlieren, wenn wir uns nicht hundertprozentig konzentrieren. Momentan weiss ich noch fast nichts über diesen Gegner. Aber Sie können versichert sein, dass ich bis zum Anpfiff der ersten Partie alles über Sheriff Tiraspol weiss. Sogar die Schuhgrösse der Spieler.»

Der FCB spielt am Mittwoch, 18. August, zu Hause gegen Sheriff Tiraspol und tritt am darauffolgenden Dienstag in Moldawien zum Rückspiel an. Die Basler sind zwar gut beraten, den moldawischen Serienmeister nicht zu unterschätzen. Trotzdem ist das Weiterkommen Pflicht.

In diesem Fall fliessen mindestens 25 Millionen Franken auf das Konto der Bebbi. Die Uefa hat dem FC Zürich in der letzten Champions-League-Saison 16 Millionen an Prämien ausgeschüttet. Dazu kamen noch die Erträge aus den Ticketverkäufen. Im Unterschied zum FCZ der letzten Saison haben die Basler gar das Potenzial, europäisch zu überwintern. Doch erst müssen sie den moldawischen Sheriff aus dem Weg räumen.

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