Vasilije Mustur

Die Sponsoren drohen mit dem Ausstieg, Verwaltungsrat Fritz Bösch will dem Verein den Rücken kehren und mit vielen Nebengeräuschen wurde der ehemalige Sportchef Stefan Niedermeier aus dem Amt gejagt.

Bei den Berner Young Boys brennt kurz vor der Partie heute Abend gegen Tottenham Hotspurs in der Champions League Qualifikation der Baum - und zwar lichterloh.

In dieser Verfassung ist es somit schwer vorstellbar, wie YB den Briten im Spiel des Jahres Paroli bieten und tatsächlich den Sprung in die europäische Königsklasse schaffen kann. Jetzt zeigt «a-z.ch», was YB tun muss, um gegen diesen scheinbar übermächtigen Gegner bestehen zu können:

Ruhe:
Die Unruhe und Polemik um die Absetzung des Sportchefs und die unzufriedenen Sponsoren kommen für den Verein zum schlechtesten Zeitpunkt. Hierbei ist YB-Trainer Vladimir Petkovic gefragt. Der gebürtige Kroate muss die Mannschaft vor dem «Millionenspiel» gegen Tottenham vor Medien und Sponsoren abschotten, damit die Unruhe nicht auf die Mannschaft abfärbt.

Torwart:
Wir schreiben die letzte Spielminute im Champions League Qualifikations-Rückspiel Fenerbahce Istanbul gegen YB. Die Berner führen mit 1:0 und stehen kurz vor dem Einzug in die nächste Qualifikationsrunde. Doch Fenerbahce gibt sich noch nicht geschlagen und lanciert den letzten Angriff - und siehe da: Nach einem herrlichen Doppelpass kommt Sentürk allein vor YB-Torwart Marco Wölfli zum Abschluss.

Die Zuschauer im Sükrü-Saracoglu-Stadion jubeln bereits. Doch Wölfli verlässt im letzten Moment seinen Kasten, verkürzt geschickt den Winkel und lenkt den Schuss mirakulös zur Ecke. Mit dieser Weltklasse-Parade rettet der Keeper seinem Team den Einzug in die nächste Runde.

Das Problem: Im Hinblick auf die Partie gegen Tottenham wird Wölfli noch mehr Arbeit zu verrichten haben. Eine Durchschnittsleistung wird gegen die Torjäger aus England nicht ausreichen. Kurz: Marco Wöfli muss YB mit einer Weltklasse-Leistung zum Sieg tragen.

Chancenauswertung und Wettkampfglück:
Die Berner überzeugen sowohl in Meisterschaft wie international mit Schnelligkeit, Eleganz und technischer Finesse. Auf diese Weise kommt die Mannschaft von Trainer Petkovic jeweils bis 20 Meter vor das gegnerische Tor. Danach macht YB den Eindruck in Schönheit sterben zu wollen.

Dieser Schönwetter-Fussball wurde YB im Hinspiel gegen Fenerbahce denn auch beinahe zum Verhängnis. So vergaben Doubay, Costanzo, Lulic und Sutter eine Chance nach der Anderen.

Neben den vergebenen Grosschancen war YB im Hinspiel auch noch vom Pech verfolgt, als der Ball drei Mal am Pfosten oder der Latte landete. Darüber hinaus übersah der Unparteiische ein klares Handspiel des türkischen Verteidigers.

Fazit: Will YB international erfolgreich sein, muss die Mannschaft effizient und kaltschnäuzig mit ihren wenigen Tormöglichkeiten umgehen. Der Grund: Je mehr Chancen ungenutzt bleiben, desto grösseren Aufwand muss YB bis zum erlösenden Treffer betreiben und diese Kraft könnte den Bernern im Rückspiel in den entscheidenden Situationen fehlen. Ausserdem: Auf internationalem Niveau ist es nicht wichtig, wie die Tore fallen - Hauptsache ist, dass sie fallen.

Führungspersönlichkeiten:
In wichtigen Partien zeigt sich, welche Spieler Führungsqualitäten besitzen. YB wird das hohe Tempo nicht zweimal 90 Minuten durchhalten können. Ein Christoph Spycher, Mario Raimondi, Marco Wölfli oder Alberto Regazzoni müssen hier Verantwortung übernehmen, das Spieldiktat an sich reissen und das Tempo verschleppen oder verschärfen.

Rhythmus und Selbstvertrauen:
YB hat bereits fünf Meisterschaftsspiele und zwei Champions League Qualifikationsspiele in den Beinen. Die Mannschaft ist damit eingespielt und im Rhythmus. Darüber hinaus können die Berner auf internationalem Parkett mit geschwellter Brust antreten - schliesslich trotzte YB zuhause nach langem Kampf Fenerbahce Istanbul ein Unentschieden ab und besiegte die Türken sogar vor heimischen Publikum mit 1:0.