YB: «Klar, wollen wir Meister werden»

Hat YB ein Defensivproblem? Für Keeper Marco Wölfli eine heisse Frage, die er gerne an Vladimir Petkovic weiterreicht. Dieser ist im letzten Sommer nach Bern gekommen und macht aus seiner Zielsetzung kein Geheimnis.

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Aargauer Sport

Aufzeichnung: Markus Brütsch

Leaderfigur Marco Wölfli

Aus Deutschland war die Kunde gekommen, Aufsteiger Mainz wolle sich die Dienste des Schweizer Goalies Marco Wölfli sichern. Wölfli in den Spuren von Nationalteamkolle Diego Benaglio in die Bundesliga? Warum nicht. Der im August 27 Jahre alt werdende Solothurner hat sich enorm weiterentwickelt und ist bei den Young Boys längst zu einer Leaderfigur geworden. Aus der Verpflichtung bei Mainz ist nichts geworden, und so startet Wölfli am 14.Juli im Spiel beim FCZ in seine siebte Saison in Folge bei YB. Zuvor war er von den Bernern für zwei Spielzeiten an den FC Thun ausgeliehen worden. Seine Karriere, die mit dem Debüt im Nationalteam im November letzten Jahres gegen Finnland einen Höhepunkt erfuhr, hatte er bei Fulgor Grenchen und dem FC Solothurn lanciert. (BR)

Wir spielen mit YB einen schnellen, offensiven und attraktiven Fussball. Kritiker werfen uns aber vor, wir würden dies auf Kosten der Defensive tun und könnten auch deshalb nicht Meister werden. Was entgegnen Sie?
Vladimir Petkovic: Ich weiss, dass viele glauben, dies sei un-ser Hauptproblem. Ich persönlich sehe das überhaupt nicht so. Drei Viertel aller Gegentore haben wir nach individuellen Fehlern erhalten. Aber es ist keine Frage: Auch für meinen Geschmack haben wir zu viele Tore einkassiert. Wir versuchen deshalb, das Haus von Grund auf neu zu bauen. Die Defensivabteilung ist die Basis dafür.

Dazu zähle ich aber nicht nur den Torhüter und die Verteidiger.
Petkovic: Dafür braucht es die ganze Mannschaft, dafür müssen alle arbeiten. Die drei Stürmer sind die ersten Defensivspieler.

Ich sehe das Ganze sowieso etwas differenzierter: Wir haben am drittwenigsten Tore bekommen, also können unsere Defensivprobleme ja gar nicht so gross sein, wie uns nachgesagt wird. Das ist halt auch ein Klischee von YB.
Petkovic: In der Schweiz kennt man unser System nicht so gut, ist es nicht gewohnt, dass eine Mannschaft nur mit drei nominellen Verteidigern spielt. Deshalb behaupten die Kritiker auch, dass man mit einer Dreierkette anfälliger sei. Ich aber frage dich: Welcher Gegner ist gegen uns zu zwei oder drei klaren Chancen aus dem Spiel heraus gekommen? Keiner!

Haben Sie als Trainer noch nie mit einer Viererkette spielen lassen?
Petkovic: Natürlich habe ich das schon getan. Ob ich mit drei, vier oder fünf Verteidigern spiele, ist doch egal. Es ist alles eine Frage der Anwendung und Interpretation. Wer mit einer Viererkette spielt, spielt dann oft auch mit einer Sechserkette, weil die Aussenspieler im Mittelfeld die Räume eng machen.

Es kommt meiner Meinung nach vor allem auf die Zusammenarbeit der Spieler an. Auf die Solidarität.
Petkovic: Ja, klar, aber wenn es nicht läuft, dann diskutiert man halt sofort die Frage, ob es am System liege.

Und vergessen sollte man bitte nicht: Wir haben am meisten Tore geschossen. Das macht YB doch so attraktiv!
Petkovic: Seit ich hier in Bern als Trainer angefangen habe, ist es meine Aufgabe und mein Ziel gewesen, jedes Spiel zu gewinnen. Klar, wollen wir Meister werden. Als ich vor einem Jahr hierherkam, habe ich dies bereits zum Ausdruck gebracht. Dieses Ziel habe aber nicht nur ich. Die Mannschaft, der Klub, die ganze Stadt und der Kanton wollen einen Titel. Alle warten seit 23 Jahren auf diesen Moment. Wir versuchen alles, um diesen Wunsch zu erfüllen. Aber mein erstes Ziel ist es immer, die Mannschaft gut vorzubereiten und Schritt für Schritt, Rang für Rang vorwärtszubringen.

Die Young Boys verstärken die Abwehr

Nach zwei Vizemeistertiteln in Folge kann das Ziel der Berner Young Boys nur sein, es dem FC Zürich gleichzutun und zum zwölften Mal den Meisterkübel zu holen. Nach dem verpassten Cupsieg warten die Berner seit 23 Jahren auf einen Titel.

Viel hängt bei YB davon ab, welche Transfers noch gelingen. Mit den Zuzügen von Sutter (GC), Schneuwly (Rückkehr von Biel) und den Nachwuchsspielern De Pierro und Pasche aus der Romandie sind die Abgänge von Portillo, Schwegler, Häberli und Varela noch längst nicht kompensiert.

Schon morgen wird YB aber den Transfer von Emiliano Ariel Dudar von Bellinzona bekannt geben, was zweifellos einer markanten Verstärkung der Abwehr gleichkommt. Aus Tunesien kommt überdies die Meldung, dass sich der 28-jährige Abwehr- und Nationalspieler Issam Merdassi von CS Sfaxien zu medizinischen Checks nach Bern begeben habe. Und schliesslich soll auch der Zuzug des starken früheren Xamax-Stürmers Matar Coly (Al Wahda, VAE) auf gutem Wege sein. (br)

TIPP FÜR DIE SAISON 2009/2010: RANG 2

Es ist Transferzeit und man hört und liest, dass auch wir uns verstärken. Welches sind für Sie die Kriterien bei der Wahl eines neuen Spielers? Wie wichtig ist seine Mentalität?
Petkovic: Ganz wesentlich ist, dass ein neuer Spieler in die Gruppe passt. Bei YB haben wir eine sehr positive Energie in der Mannschaft, also muss ein neuer Spieler auch ein positiver Mensch sein, darf keine Probleme machen und muss alles für die Mannschaft geben. Im spielerischen Bereich muss er sicher über unserem Niveau liegen, damit er für uns - wie du es sagst - auch tatsächlich eine Verstärkung ist. Ich hoffe, dass die neuen Spieler (siehe Artikel rechts oben; die Red.) uns zu noch mehr Selbstvertrauen, Elan und positiver Energie verhelfen und uns damit weiterbringen.

Was sind denn die grössten Unterschiede zwischen YB und Bellinzona?
Petkovic: Bei YB ist alles sehr viel professioneller. Vergleiche nur mal die beiden Stadien miteinander! Allerdings: Auf dem Rasen selbst ist die Arbeit in Bern und Bellinzona genau die gleiche, da sehe ich überhaupt keinen Unterschied.

Ist es ein Ziel von Ihnen, mal im Ausland eine Mannschaft zu trainieren?
Petkovic: Nein, so etwas muss allenfalls das Produkt einer Arbeit werden. Wie auch der Schritt zu YB das Produkt meiner Arbeit bei Malcantone Agno, Lugano und Bellinzona gewesen ist. Mein Ziel aber ist es immer, mich selber zu verbessern und in der Karriere weiterzukommen.

Vermissen Sie eigentlich Ihre kroatische Heimat?
Petkovic: Nein, dafür bin ich schon viel zu lange, mein halbes Leben, in der Schweiz. Ich bin ja auch Doppelbürger und fühle mich hier super. Manchmal wünsche ich mir allerdings, dass die Schweizer auch etwas von der Lockerheit der Menschen in Kroatien hätten.

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