Frederic Page
Xamax: «Die Ambitionen müssen höher sein»

Frédéric Page möchte von Pierre-André Schürmann wissen, was er von ihm erwartet und warum er den Job als Verbandstrainer aufgegeben hat.

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«Die Ambitionen müssen höher sein»_2

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Jean-Pierre Guillemin

Aufgezeichnet: Ruedi Kuhn

Hallo, Trainer, warum geben Sie einen ruhigen, stressfreien Job beim Schweizerischen Fussballverband auf und setzen mit Xamax auf die Karte Risiko?
Pierre-André Schürmann: Schwie- rig zu sagen. Der Entscheid ist mir nicht leichtgefallen. Und zwar deshalb, weil ich als Auswahltrainer des Verbandes sieben schöne und erfolgreiche Jahre erleben durfte. Das Traineramt in einem Super-League-Klub ist für mich eine neue, reizvolle Herausforderung. Als mir Xamax-Präsident Sylvio Bernasconi ein Angebot machte, spürte ich, dass wir die gleiche Wellenlänge haben. Also habe ich zugesagt.
Welches ist der Unterschied zwischen einem Coach einer Talentauswahl und einem Klubtrainer?
Schürmann: Das sind zwei verschiedene Berufe. Als Klubtrainer arbeitet man täglich mit den Spielern und hat einen grossen Einfluss. Als Coach einer Auswahl wählt man die besten Talente der Schweiz aus und muss meistens mit einem Zusammenzug pro Monat auskommen.

Page als Abwehrchef

Mit Frédéric Page hat Xamax einen neuen Abwehrchef verpflichtet. Der 30-jährige Innenverteidiger unterzeichnete bei den Neuenburgern einen lukrativen Dreijahresvertrag und hinterlässt beim FC Aarau dank seiner Erfahrung eine grosse Lücke. Page spielte von 1996 bis 2003 beim Verein vom Brügglifeld und suchte sein Glück danach in Deutschland. Beim FC Union Berlin, Greuther Fürth und Unterhaching war er Stammspieler. 2007 kehrte er zu den Aarauern zurück. Page freut sich auf die neue Herausforderung und hat fürs Erste vor allem ein Ziel: Er möchte sich im Kampf gegen Stéphane Besle und Selver Hodzic einen Stammplatz sichern. (ruku)

Welcher Job ist der interessantere?
Schürmann: Beide Jobs sind interessant. Für mich spielt es keine Rolle, ob ich in der Ausbildung oder im Profibereich arbeite. Ich bin ein Trainer, der den Fussball lebt und deshalb sehr flexibel ist. Die Hauptsache ist, dass der Ball rollt.

Ist der Druck als Klubtrainer nicht viel grösser?
Schürmann: Das höre ich immer wieder. Verbandstrainer gelten vielerorts als Funktionäre oder Beamte. Das ist Unsinn. Als Trainer setze ich mich immer unter Druck. Mehr noch. Ich brauche den Druck. Ohne kann ich nicht erfolgreich arbeiten.

Varela als Attraktion Was waren das für fantastische Europacup-Auftritte Mitte und Ende der 80er-Jahre: Xamax gewann 1987 und 88 nicht nur zweimal in Folge die Meisterschaft, sondern glänzte gegen Real Madrid und Bayern München auch auf der internationalen Bühne. In den vergangenen Jahren geizten die Neuenburger allerdings mit Galafussball. Zuletzt stand stets der Kampf gegen den Abstieg im Mittelpunkt. Nun soll Neutrainer Pierre-André Schürmann frischen Wind ins Team bringen. Zudem hat Präsident Sylvio Bernasconi für die neue Saison das Budget für den Profibereich auf 16 Millionen Franken erhöht. Ein Blick auf die Spielerliste zeigt, dass Bewegung ins Kader gekommen ist. Der spektakulärste Transfer ist jener von Flügelstürmer Carlos Varela. Der pfeilschnelle Genfer soll die Offensive bereichern und dafür sorgen, dass die Fans vermehrt jubeln dürfen. (RUKU) MZ-TIPP FÜR DIE SAISON 2009/2010: RANG 6  

Varela als Attraktion Was waren das für fantastische Europacup-Auftritte Mitte und Ende der 80er-Jahre: Xamax gewann 1987 und 88 nicht nur zweimal in Folge die Meisterschaft, sondern glänzte gegen Real Madrid und Bayern München auch auf der internationalen Bühne. In den vergangenen Jahren geizten die Neuenburger allerdings mit Galafussball. Zuletzt stand stets der Kampf gegen den Abstieg im Mittelpunkt. Nun soll Neutrainer Pierre-André Schürmann frischen Wind ins Team bringen. Zudem hat Präsident Sylvio Bernasconi für die neue Saison das Budget für den Profibereich auf 16 Millionen Franken erhöht. Ein Blick auf die Spielerliste zeigt, dass Bewegung ins Kader gekommen ist. Der spektakulärste Transfer ist jener von Flügelstürmer Carlos Varela. Der pfeilschnelle Genfer soll die Offensive bereichern und dafür sorgen, dass die Fans vermehrt jubeln dürfen. (RUKU) MZ-TIPP FÜR DIE SAISON 2009/2010: RANG 6  

Welche Prioritäten muss ein Trainer setzen, wenn er neu zu einem Klub kommt?
Schürmann: Ein Trainer muss eine Linie haben. Eine Linie, die er konsequent durchzieht. Erste Priorität bei Xamax hatte für mich das Kennenlernen der Spieler. Ich will die Spieler spüren. Nur so kann ich erkennen, ob sie charakterstark sind oder nicht. Wichtig ist zudem, dass ein Trainer einen Plan, eine Strategie und eine Philosophie hat. Im Fussball ists wie bei einem Puzzle. Einzelne Teilchen ergeben ein Ganzes.

Welches ist der Unterschied zwischen Deutschschweizer Spielern und Akteuren aus der Romandie?
Schürmann: Für mich gibts keine grossen Unterschiede. Vielleicht sind die Deutschschweizer etwas willensstärker als die Romands. Die Romands legen etwas mehr Wert auf mehr Spielkultur. Wichtig ist, dass die Mischung stimmt.

Und was erwarten Sie von mir?
Schürmann: Na ja, ich erwarte von Ihnen, dass Sie Ihrer Rolle als Leaderfigur gerecht werden. Dank der Routine und Erfahrung können Sie der Mannschaft sehr viel geben. Als Innenverteidiger sind Sie ein Teil der Achse. Und die Achse ist nun mal das Herz einer Mannschaft.

Ich bin 30 Jahre alt. Können Sie mich als Fussballprofi trotzdem noch weiterbringen?
Schürmann: Das ist mein Ziel. Jeder Spieler kann Fortschritte machen. Das ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage der Einstellung und des Willens.

Mit Carlos Varela hat Xamax einen spektakulären Transfer gelandet: Was erwarten Sie von ihm?
Schürmann: Sehr viel. Varela ist ein Winnertyp, hat eine grosse Ausstrahlung und ein riesiges Kämpferherz. Er ist ein Spieler, der für den Erfolg durchs Feuer geht. Varela kommt bei den Fans vor allem gut an, weil er bis ans Limit geht, ja sogar die Schmerzgrenze überschreiten kann. Klar ist aber auch, dass ich von ihm Respekt vor den Gegenspielern verlange. Disziplin ist wichtig. Das werde ich nicht nur ihm, sondern allen Spielern in Einzelgesprächen deutlich machen.

Mit Xamax und YB spielen zwei von zehn Super-League-Klubs auf Kunstrasen? Ihre Meinung zu dieser Unterlage?
Schürmann: Für die Ausbildung von Spielern ist der Kunstrasen ein gutes Produkt. Allerdings werden auf dieser Unterlage die Gelenke und der Rückenbereich stark strapaziert. Leider haben wir in der Schweiz nur wenige Klubs mit Kunstrasen als Trainingsmöglichkeiten. Als Trainer von Xamax ist für mich etwas anderes entscheidend: Ich muss versuchen, den Vorteil des Kunstrasens zu nützen. Im Gegensatz zu YB hat Xamax das in der letzten Saison nicht geschafft.

Warum nicht?
Schürmann: Ich weiss es nicht und versuche es mit Analysen verschiedenster Art herauszufinden. Klar ist, dass man den Kunstrasen als wichtiges Kriterium in die Transferpolitik einbeziehen muss. Spieler wie Varela sind geradezu prädestiniert für den Kunstrasen.

Was kann Xamax in der Saison 2009/10 erreichen?
Schürmann: Xamax hat in den vergangenen zwei, drei Jahren gegen den Abstieg gespielt. Das muss sich ändern. Wir müssen einfach höhere Ambitionen haben. Mein Ehrgeiz ist gross. Ich hasse Niederlagen. Das werden die Spieler in den nächsten Wochen spüren. Wir müssen nicht nur erfolgreich sein, sondern den Zuschauern Unterhaltung, ja sogar Spektakel bieten. Nur so können wir die Gunst der Fans zurückerobern.

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