Südafrika
WM-Südafrika: Die Fussball-Arenen sind bereit

Südafrika steckt in der ersten Rezession seit 17 Jahren. Trotzdem investierte die Republik über 3,8 Milliarden in den Bau neuer Fussballstadien. Was die Architekturkritiker und Fussballfans freut, ist eine grosse Belastung für die Bevölkerung.

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Die Architektur der Weltmeisterschaft
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Die Architektur der Weltmeisterschaft

Keystone

Sven Zaugg

Die meisten Schweizer werden die Weltmeisterschaft in Südafrika daheim vor den Bildschirmen verfolgen. Die Angst vor Kriminalität und die überrissenen Flugpreisen locken nur wenige Europäer an die Südspitze Afrikas. Schade eigentlich, denn die imposante Architektur der neu erbauten Stadien lädt geradezu ein, die Weltbesten ihres Fachs in gediegenem Ambiente zu bestaunen. War im Vorfeld noch über die rechtzeitige Fertigstellung spekuliert worden, verrichten die Arbeiter auf den Megabaustellen nun die letzten Arbeiten. Südafrika ist bereit - knapp zwei Monate vor dem Eröffnungspiel gegen Mexiko.

Das 94 700 Zuschauer fassende City Soccer-Stadion in Johannesburg soll während der WM 2010 Austragungsort von Eröffnungs- und Endspiel sein. Zu diesem Zweck wurde das grösste Stadion des Landes einem Neubau nahekommenden Umbau unterzogen. Neben verschiedenen Massnahmen, das Stadion auf den technisch neuesten Stand zu bringen und Zuschauerränge sowie sanitäre Einrichtungen zu modernisieren, ist die Errichtung eines neuen Daches zentraler Bestandteil der Bauarbeiten. Kostenpunkt: 470 Millionen Franken.

Stadien kosten 2 Milliarden Franken

Architekturkritiker sprechen denn auch von einem Stadion, das zum Wahrzeichen der Spiele werde und damit der Stadt Johannesburg neuen Schub verleihe. Südafrika gab allein für Stadien rund zwei Milliarden Franken aus, wobei das «Soccer City» und das «Green Point» je rund 500 und das «Moses Mabhinda» an die 250 Millionen Franken kosteten.

Bei all dem Glamour und den euphorischen Architekturkritiken sind auch die Schattenseiten, welche solche Grossanläss zwangsläufig mit sich bringen, zu erwähnen: Gemässe der Frankfurter Allgemeine (FAZ) liegt «nach offizieller Lesart» das Gesamtbudget für die Stadien inzwischen bei umgerechnet 3,8 Milliarden Franken.

Hinzu kommen Infrastrukturmassnahmen wie etwa die neuen Zugverbindung «Gautrain» in der Provinz Gauteng, dem Ausbau der Flughäfen von Johannesburg und Kapstadt und dem Neubau des Flughafens von Durban. Zwar generierte die Bautätigkeit temporär rund 160 000 Arbeitsplätze, bei einer Arbeitslosenquote von über 25 Prozent ist dies jedoch ein Tropfen auf den heissen Stein. Und: Südafrika steckt in der ersten Rezession seit 17 Jahren und könnte das Geld besser für die versprochenen Programme zu Armutsbekämpfung gebrauchen.

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