Die Schweizer Abfahrer stehen erstmals seit 18 Jahren wieder zu zweit auf dem WM-Podest. 1991 in Saalbach war Franz Heinzer Weltmeister und Daniel Mahrer Dritter geworden. Bis sie ihrer Medaillen sicher sein konnten, mussten Cuche und Janka zusammen mit Kucera aber über Gebühr lange warten. Für Spannung bis ganz am Schluss des Rennens sorgte ungewollt Michael Walchhofer. Der Champion von 2003 durfte oder musste zweimal starten - und tat dies als Zweitletzter. Bei seinem ersten Versuch wurde der Salzburger, der nach dem Kraftakt Zwölfter wurde, vom Startrichter auf die Piste geschickt, obwohl die Jury wegen Nebels in einem Streckenteil den Startstopp verfügt hatte.

"Ich bin überglücklich. Super, dass es wiederum aufgegangen ist", sagte Cuche, der nun einen kompletten Satz an WM-Medaillen sein Eigen nennen darf. Auf dem letzten Pistenabschnitt war Cuche wie Janka klar schneller als Kucera, doch die oben eingehandelte Hypothek, unter anderem zurückzuführen auf weniger gute (Sicht-)Verhältnisse, liess sich nicht mehr ganz wettmachen.

Janka, dem 17 Hundertstel zum ganz grossen Wurf fehlten, krönte mit der Bronzemedaille seine ohnehin schon wunderbare Saison. Der Bündner hatte zu Beginn des Winters in der Abfahrt in Lake Louise ein erstes Mal verblüfft, als er mit der Nummer 65 Zweiter wurde. Jenem Exploit liess der Bündner die ebenso unerwarteten Triumphe im Riesenslalom in Val d'Isère und in der Super-Kombination in Wengen folgen.

Didier Défago, der nach seinen Siegen in Wengen und Kitzbühel zu den ersten Titelanwärtern gezählt hatte, stürzte nach einer Minute Fahrzeit. Bis zu jenem Zeitpunkt war der Walliser vollends auf Kurs gewesen; bei den Zwischenzeiten hatte er vor Kucera gelegen. Défago musste wegen einer temporären Nebelbank lange auf seinen Start warten, hätte dann aber perfekte Verhältnisse vorgefunden.

Ambrosi Hoffmann fand sich auf der Piste Bellevarde erneut nicht zurecht. Der Bündner, der im Super-G schon im obersten Streckenteil ausgeschieden war und auch in den Abfahrtstrainings stets deutlich hinter den Besten zurückgeblieben war, büsste über drei Sekunden auf Kucera ein.

Kucera, der bei seiner Fahrt im Vergleich zu den meisten Favoriten bessere (Sicht-)Bedingungen vorfand, fuhr sozusagen aus dem Nichts zum Titel. Im Weltcup weist der Kanadier den 7. Platz vom November 2007 in Lake Louise als Bestergebnis in der Abfahrt aus. Gleichenorts errang der 24-Jährige aus Calgary ein Jahr zuvor im Super-G auch seinen bislang einzigen Weltcup-Sieg. Kucera ist der erste Abfahrts-Weltmeister seines Landes. Die Ausbeute der kanadischen Abfahrer war mit zweimal Edelmetall bisher erstaunlich bescheiden -- trotz der Zeiten der "Crazy Canucks". Jan Hudec hatte vor zwei Jahren in Are Silber geholt, Steve Podborski 1980 in Lake Placid, als in den olympischen Rennen letztmals auch WM-Medaillen vergeben wurden, Bronze.

Zu den Geschlagenen gehören auch deutlich höher kotierte Fahrer. Bode Miller kam nicht über den 8. Platz hinaus. Der Titelverteidiger Aksel Lund Svindal musste sich unmittelbar hinter dem Italiener Christof Innerhofer, der ebenfalls zum engsten Favoritenkreis gezählt hatte, mit Rang 11 bescheiden. Bester Österreicher war Hermann Maier als Sechster.

WM-Abfahrt der Männer in Val d'Isère.

1. John Kucera (Ka) 2:07,01. 2. Didier Cuche (Sz) 0,04 zurück. 3.Carlo Janka (Sz) 0,17. 4. Marco Büchel (Lie) 0,52. 5. Adrien Théaux(Fr) 0,94. 6. Hermann Maier (Ö) 1,18. 7. Werner Heel (It) 1,20. 8. Bode Miller (USA) 1,37. 9. Klaus Kröll (Ö) 1,60. 10. Christof Innerhofer (It) 1,61. 11. Aksel Lund Svindal (No) 1,70. 12. Michael Walchhofer (Ö) 1,43. 13. Andrej Jerman (Sln) 1,97. 14. Peter Fill (It) 2,12. 15. Stephan Keppler (De) 2,30. Ferner: 17. Ambrosi Hoffmann (Sz) 3,11.

Ausgeschieden u.a.: Didier Défago (Sz), Christoph Gruber (Ö), Jan Hudec (Ka), Manuel Osborne-Paradis (Ka), Erik Guay (Ka).