Markus Brütsch

Wie sich doch selbst ganz spezielle Dinge wiederholen können! Nachdem der FC Basel vor vier Jahren nach 59 Partien im St.-Jakob-Park ohne Niederlage ausgerechnet in der Finalissima gegen den FC Zürich erstmals wieder verloren und den Titelgewinn verspielt hatte, so traf es diesmal die Young Boys.

31 Mal hatten die Berner seit Ende August 2008 auf ihrem Kunstrasen kein Meisterschaftsspiel mehr verloren. Gestern aber, als es für sie um alles ging – sprich: um den ersten ersehnten Titelgewinn im Championnat seit 24 Jahren – , waren sie völlig von der Rolle und dem überzeugenden FC Basel in keiner Beziehung gewachsen.

Der 2:0-Sieg des neuen Schweizer Meisters im Stade de Suisse widerspielgelte deutlich das Bild, das die beiden Mannschaften seit der Winterpause abgaben.

Hier die Basler, die trotz der zum Teil langandauernden Ausfälle ihrer Spitzenstürmer Alex Frei und Marco Streller mit kontinuierlich guten Leistungen Stück um Stück den noch zur Winterpause bestehenden Siebenpunkterückstand reduziert hatten. Da die Young Boys, welchen die Achse Ghezal-Yapi-Marco Schneuwly abhanden gekommen war.

Petkovic' schlechte Personalpolitik

Im Fall des im Sommer zu Basel wechselnden Gilles Yapi war es indes kaum nachvollziehbar, dass dessen Qualitäten in den letzten Monaten nicht mehr vollumfänglich für die Young Boys genützt wurden. Gestern gar hatte Trainer Vladimir Petkovic ganz auf den Yvorer verzichtet und damit offensichtlich nach den Fehlentscheiden von Emmenbrücke drei Tage zuvor (er hatte dort auf die Leistungsträger Emiliano Dudar und Henri Bienvenu wegen möglicher Sperren verzichtet) ein zweites Mal schlechte Personalpolitik betrieben.

Die beiden Youngsters im zentralen Mittelfeld, Xavier Hochstrasser und Thierry Doubai, waren gegen die routinierten Basler überfordert und nie in der Lage, dem YB-Spiel eine Struktur zu geben.

Ja, an diesem letzten Spieltag der Super League blieb nach dem Abpfiff des untadeligen Schiedsrichters Jerôme Laperrière zu sagen, dass der FC Basel gar um eine Klasse besser als YB gewesen war. Bei den Bernern hatte einzig Goalie Marco Wölfli eine genügende Leistung abgeliefert.

Es hatte bis unmittelbar vor der Pause gedauert, ehe die Berner durch Alberto Regazzoni zu ihrer ersten Chance gekommen waren. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Gast bereits 1:0 geführt, nachdem Valentin Stocker einen Konter über Antonio Da Silva und Carlitos erfolgreich abgeschlossen hatte.

YB war verunsichert

Auch in der zweiten Halbzeit vermochte YB die Verunsicherung nicht abzulegen, die nach dem 1:5 gegen Luzern das Team erfasst hatte. Basel war weiter die stilsicherere Mannschaft und sorgte nach einer Stunde für die Vorentscheidung, als Scott Chipperfield eine Flanke von Stocker mit dem Kopf zum 2:0 verwertete. Hochstrasser verlor die Nerven, sah nach einer Attacke gegen Beg Ferati die Rote Karte, sich wie ein paar wenige andere Berner auch sich als schlechter Verlierer entpuppend.

Anders als Trainer Vladimir Petkovic. «Basel war heute besser, Basel war in der ganzen Rückrunde besser», sagte der YB-Trainer. Der Basler Thorsten Fink konnte derweil sagen: «Ich bin stolz auf mein Team, wir hatten die besseren Nerven und die erfahreneren Spieler.» Ohne das Sturmduo Alex Frei und Marco Streller und auf Kunstrasen hatte sich der FCB souverän durchgesetzt – Kompliment.