Fussball
«Wir bleiben Freunde»

Mit dem 41-jährigen Jeff Saibene ist beim FC Aarau die Trainernachfolge von Ryszard Komornicki «logisch» geregelt worden. «Es ist ein schwieriger, aber reizvoller Job», sagt Saibene.

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Jeff Saibene und Ryszard Komornicki

Jeff Saibene und Ryszard Komornicki

Aargauer Zeitung

Felix Bingesser

Nur Verlierer Kommentar von Felix Bingesser Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Nun geht der Krug nicht mehr zum Brunnen, Aarau- Trainer Ryszard Komornicki hat von seinem Arbeitgeber die Kündigung erhalten. Sein Assistent Jeff Saibene wird neuer Cheftrainer. Rochaden auf der Trainerposition sind im Spitzenfussball tägliches Brot, Sentimentalitäten kennt dieses Geschäft nicht. Verdammt zum Erfolg sind sie alle. Und in den gut dotierten Verträgen von Fussballtrainern ist ein «Schmerzensgeld » inbegriffen. Die Entlassung von Komornicki ist aber speziell und entspricht nicht den branchenüblichen Gesetzmässigkeiten. Denn Komornicki hat in den zwei letzten Jahren einen sehr guten Job gemacht. Wer mit den beschränkten Ressourcen des FC Aarau in der Super League zweimal den fünften Platz erreicht, kann ein vorzügliches Zeugnis vorlegen. Trotzdem wird die Zusammenarbeit beendet. Die Führungskultur und der rustikale Stil von Sportchef Fritz Hächler haben Komornicki zermürbt, und er hat sich ins Schneckenhaus verkrochen. Eine gemeinsame Basis gibt es nicht mehr, die Trennung ist konsequent und logisch. Gewinner gibt es bei diesem Zerwürfnis keine. Aber man kann gewisse Lehren daraus ziehen. «Wir haben Arbeiter gerufen, und es sind Menschen gekommen», hat Max Frisch einst gesagt. Der FC Aarau ruft Trainer und Fussballer. Da geht es in erster Linie um Vertragsdauer und Gehälter. Und doch haben auch diese «Zeitarbeiter» Anrecht auf eine respektvolle Behandlung. Und vielleicht sogar einmal auf ein gutes Wort, Herr Hächler. felix.bingesser@azag.ch

Nur Verlierer Kommentar von Felix Bingesser Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Nun geht der Krug nicht mehr zum Brunnen, Aarau- Trainer Ryszard Komornicki hat von seinem Arbeitgeber die Kündigung erhalten. Sein Assistent Jeff Saibene wird neuer Cheftrainer. Rochaden auf der Trainerposition sind im Spitzenfussball tägliches Brot, Sentimentalitäten kennt dieses Geschäft nicht. Verdammt zum Erfolg sind sie alle. Und in den gut dotierten Verträgen von Fussballtrainern ist ein «Schmerzensgeld » inbegriffen. Die Entlassung von Komornicki ist aber speziell und entspricht nicht den branchenüblichen Gesetzmässigkeiten. Denn Komornicki hat in den zwei letzten Jahren einen sehr guten Job gemacht. Wer mit den beschränkten Ressourcen des FC Aarau in der Super League zweimal den fünften Platz erreicht, kann ein vorzügliches Zeugnis vorlegen. Trotzdem wird die Zusammenarbeit beendet. Die Führungskultur und der rustikale Stil von Sportchef Fritz Hächler haben Komornicki zermürbt, und er hat sich ins Schneckenhaus verkrochen. Eine gemeinsame Basis gibt es nicht mehr, die Trennung ist konsequent und logisch. Gewinner gibt es bei diesem Zerwürfnis keine. Aber man kann gewisse Lehren daraus ziehen. «Wir haben Arbeiter gerufen, und es sind Menschen gekommen», hat Max Frisch einst gesagt. Der FC Aarau ruft Trainer und Fussballer. Da geht es in erster Linie um Vertragsdauer und Gehälter. Und doch haben auch diese «Zeitarbeiter» Anrecht auf eine respektvolle Behandlung. Und vielleicht sogar einmal auf ein gutes Wort, Herr Hächler. felix.bingesser@azag.ch

Aargauer Zeitung

Einst haben sie beide im Mittelfeld des FC Aarau Seite an Seite gespielt, die letzten zwei Jahren bildeten sie ein harmonisches Trainergespann, das dem FC Aarau für dessen Verhältnisse grosse sportliche Erfolg beschert hat. Nun trennen sich ihre Wege, und Jeff Saibene wird Nachfolger von Ryszard Komornicki. «Natürlich habe ich gespürt, dass es zwischen Komornicki und der Vereinsführung nicht mehr gestimmt hat. Aber ich habe in dieser Sache keine Rolle gespielt und bin immer loyal zu Komornicki gewesen», sagt Saibene. Und betont: «Wenn Komornicki geblieben wäre, dann wäre ich auch als Assistent geblieben und hätte alle anderweitigen Angebote ausgeschlagen.»

Nun bietet sich ihm in Aarau die Chance, nach seinem kurzen Gastspiel als Cheftrainer beim FC Thun in der Super League endgültig Fuss zu fassen. Er hat einen Einjahresvertrag mit Op-tion zur Verlängerung unterschrieben und ist damit besser gestellt, als es Komornicki in seiner zweijährigen Amtszeit je war.

Saibene weiss aber auch um die Tücken und Schwierigkeiten, die auf ihn zukommen. Mit Captain Frédéric Page und Paulo Menezes, aber auch mit Christian Ianun und Kristian Nushi verlassen absolute Leistungsträger das Brügglifeld. Das Kader muss weiter ergänzt und verstärkt werden. In den nächsten Tagen sollen zwei neue Stürmer aus dem Osten sowie ein offensiver Mittelfeldspieler und ein Innenverteidiger verpflichtet werden.

Die Transfers, und damit muss auch Saibene leben, werden in erster Linie von Sportchef Fritz Hächler getätigt. In den letzten beiden Jahren kamen Spieler auf Initiative von Hächler, aber auch auf Initiative von Komornicki, und insgesamt hat der Verein diesbezüglich eine (meist) glückliche Hand gehabt. Dies wird auch jetzt nötig sein, denn die Ansprüche in der Liga sind mit der Relegation von Vaduz und dem Aufstieg von St. Gallen gestiegen.

Klar ist: Saibene kennt die Verhältnisse in Aarau. Er weiss genau, worauf er sich einlässt. «Ich habe mit Fritz Hächler ein konstruktives und gutes Gespräch geführt und ich habe meine Vorstellungen deponiert», sagt Saibene. Allein die Bestätigung der letzten beiden Jahre ist eine Herkulesaufgabe. Und da haben Zwistigkeiten, wie sie zuletzt aufgetreten sind, keinen Platz.

Unter erhöhtem Druck steht aber auch die Vereinsführung, die seit ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren neben einigen Unzulänglichkeiten auch vieles richtig gemacht hat. Die Zusammenarbeit mit einem erfolgreichen Trainer hat man beendet. Das birgt gewisse Risiken und wird da und dort auf Unverständnis stossen. Verstummen werden diese Stimmen nur, wenn es sportlich so gut läuft wie in den letzten zwei Jahren.