Wie krank ist Roger?

Tennisprofi Roger Federer fällt wegen einer Lungeninfektion etwa zwei Wochen aus. Der Weltranglisten-Erste musste wegen der Erkrankung seine Teilnahme am ATP-Turnier in Dubai absagen, teilte die ATP am Sonntag auf ihrer Internetseite mit. Der Australian-Open-Sieger, der seit seinem Erfolg in Melbourne kein Spiel mehr bestritt, zog sich die Infektion in der vergangenen Woche zu. Die Ärzte verordnen ihm zwei Wochen lang totales Sportverbot.

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Roger Federer

Roger Federer

Keystone

Jörg Allmeroth, Dubai

Roger Federer, Sie verpassen zum zweiten Mal hintereinander das Turnier in Ihrer Wahlheimat.

Roger Federer: Das schmerzt mich schon sehr. Ich bin gerne in Dubai, mag die Menschen, die
Atmosphäre, das Turnier, das in den letzten Jahren ja immer
grösser geworden ist. Als ich jetzt wieder krank wurde, habe ich unweigerlich an Basel denken müssen, an meine Heimat. An mein Heimturnier, bei dem ich auch so eine jahrelange Pechsträhne hatte. Aber ich kann auf gar keinen Fall etwas erzwingen. Ich muss diese Erkrankung, diese Lungenentzündung, sehr ernst nehmen.

Wann haben Sie gemerkt, es stimmt etwas nicht, ich bin nicht gesund?

Federer: Ich habe es nach dem Australian Open ziemlich entspannt genommen. Es ging mir darum, wieder zu Kräften zu kommen und die Strapazen wegzustecken. Also: Von einer Überanstrengung kann keine Rede sein. Am letzten Dienstag habe ich noch trainiert, danach ging es recht schnell kräftig bergab. Ich bekam Schüttelfrost, Fieber, extreme Rippenschmerzen. Plötzlich konnte ich nicht mehr normal atmen.

Sie wirken erkältet und müde.

Federer: Alles geht ein wenig langsamer, so ein bisschen in Zeitlupe. Die Müdigkeit ist schon noch da, auch wenn es langsam besser wird, insgesamt. Ich hoffe, dass ich das alles dann doch schnell wegstecken kann.

Die Pause könnte Ihren Rhythmus stören und den Verlauf der nächsten Monate ungünstig beeinflussen.

Federer: Nein, das glaube ich nicht. Das hat nicht den Charakter des Pfeiffer’schen Drüsenfiebers vor zwei Jahren, das mir wirklich sehr lange Zeit nachgehangen hat. Und bei dem die Ungewissheit sehr gross war. Ich denke doch, dass ich zum Masters in Indian Wells wieder am Start bin. Wenn ich starte, dann bin ich auch gesund und fit.

Was haben die Ärzte Ihnen genau verordnet oder empfohlen?

Federer: Die Ansage ist schon ziemlich klar: Zwei Wochen totales Sportverbot. Mit einer Lungenentzündung ist nun mal nicht zu spassen. Anschliessend werde ich mich, ohne es zu überspannen, seriös auf Indian Wells vorbereiten. Aber, wie gesagt: Dort kommt ein Start nur infrage, wenn körperlich alle Ampeln auf Grün stehen. Die Worst-Case-Prognose ist ja eine Pause von sechs Wochen. Das muss man zumindest einkalkulieren.

Sie haben das Australian Open emotional und sportlich auf einem extremen Hoch beendet, mit einer der besten Leistungen Ihrer Karriere. Den Schwung hätten Sie sicher gerne in die nächsten Turniere mitgenommen – oder?

Federer: Ganz klar. Es tut einfach weh, nicht rausgehen zu können zum Training, zu den Matches. Melbourne war ein beeindruckendes Turnier für mich, eine grosse Freude, auf diesem Niveau in den entscheidenden Momenten spielen zu können. Das Beste aus sich herauszuholen dann, wenn es zählt. Aber man muss die Verletzungen und Erkrankungen akzeptieren als Berufssportler. Das gehört dazu. Und ich bin bisher eher auf der Sonnenseite gewesen. Ich habe mich nicht wie andere jahrelang mit allen möglichen Blessuren herumschlagen müssen.

Nach dem starken Start begleitet Sie die Frage: Ist der Gewinn des Grand Slam möglich, also Siege bei allen vier Majors?

Federer: Ich habe hohe Ziele, das ist selbstverständlich. Das muss der Anspruch einer Nummer eins sein. Aber man kann sich nicht wirklich vornehmen, den Grand Slam zu holen. Man muss bei der hohen Wettbewerbsdichte im Männertennis immer nur turnierweise denken. Ich kann mich auf das jeweilige Major konzentrieren mit aller Kraft, aber ich kann nicht in Paris daran denken, wie es wäre, alle vier Topturniere zu gewinnen.

Zumal die Konkurrenz eher noch grösser als kleiner geworden ist.

Federer: Allerdings. Man muss bei einem Grand Slam oder bei einem Masters schon mit einem Dutzend Spieler rechnen. Ich
habe nicht vergessen, wie schwierig die Siege in Paris und Wimbledon letztes Jahr waren, diese Siege waren alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Da war keine grosse Dominanz da, da ging es am Ende nur noch darum, den einen oder anderen Big Point mehr zu machen als der Gegner. Gerade in Wimbledon, im Thriller gegen Andy Roddick. Das Wort Dominator ist leicht dahergesagt, ich spüre das auf dem Centre-Court jedenfalls nicht so.

Ist der Benefiz-Schaukampf in Indian Wells in Gefahr, das Match, bei dem Sie mit Pete Sampras gegen Andre Agassi und Rafael Nadal für die Erdbebenopfer in Haiti antreten?

Federer: Nein, das steht weiter auf dem Programm. Ich werde alles tun, damit wir das über die Bühne bringen. Die Menschen dort brauchen unsere Hilfe ja ganz dringend.