Jüeg Gohl

Herr Regierungsrat Eymann, können Sie sich persönlich auf die Indoors-Woche freuen, die Ihnen wohl viele zusätzliche Termine in Ihrer Agenda einträgt?
Christoph Eymann: Ja, ich freue mich. Ich werde aber nicht oft in der St. Jakobshalle sein, vielleicht zwei oder drei Mal. Weil die St. Jakobshalle zum Erziehungsdepartement gehört, ist es mir wichtig, während eines grossen Anlasses direkte Eindrücke zu gewinnen. Selbstverständlich fasziniert auch der Tennissport auf diesem Niveau.

Wie verstehen Sie sich mit Roger Brennwald, der sich oft zu wenig unterstützt fühlt?
Eymann: Aus meiner Sicht haben wir ein ausgezeichnetes Zusammenarbeitsverhältnis. Ich versuche - soweit dies vertretbar und möglich ist -, seine Wünsche hinsichtlich Infrastruktur und Mitwirkung des Kantons umzusetzen.

Das kostet, doch als Regierungsrat müsste Ihnen der Breitensport mehr am Herzen liegen als ein Weltklasse-Turnier, das sich ja problemlos selber finanzieren kann?
Eymann: Es gibt eine Wechselwirkung zwischen Breiten- und Spitzensport. Es ist unser Auftrag, den Breitensport zu fördern. Wenn wir die Davidoff Swiss Indoors fördern, dann nicht wegen des Spitzensports, sondern wegen der starken Ausstrahlung des Turniers in die ganze Welt.

Oft wird die Wirkung des Spitzen- auf den Breitensport hervorgehoben, um Investitionen zu rechtfertigen. Tatsache ist aber, dass wir trotz Roger Federer in der Schweiz keinen eigentlichen Tennisboom erleben. Wie erklären Sie sich das?
Eymann: Mit Blick auf Tennis stimmt dies, mindestens teilweise. Tatsache ist, dass der TC Old Boys dank der Mitgliedschaft von Roger Federer und auch einer ausgezeichneten Jugendarbeit gegenwärtig einen wahren Boom erleben kann. Wir, der Kanton, haben aus diesem Grund den Old Boys zusätzliche Plätze ermöglicht. Besser passt diese Aussage zum Fussball. Nach Erfolgen der Nationalmannschaft erleben wir in unserem Kanton, und übrigens auch im Baselbiet, einen Zustrom von Kindern und Jugendlichen. Wir geraten dadurch in eine schwierige Situation hinsichtlich der Infrastruktur. Auch deshalb haben wir vor einigen Jahren damit begonnen, vermehrt Kunstrasenplätze zu bauen, die pro Woche deutlich mehr Trainingsstunden zulassen als Naturrasenplätze.

Sie sagen es: Renner bei den Jungen ist der Fussball, andere Sportarten darben. Sie haben kürzlich vorsichtig die Idee geäussert, hier ausgleichend einzugreifen. Darf das der Staat?
Eymann: Als staatlich Verantwortliche ist es unser Auftrag, ganz junge und auch Menschen in fortgeschrittenerem Alter für Sport und Bewegung zu begeistern. Wenn wir mit Ratschlägen mithelfen können, dass ein junger Mensch zum Beispiel in der Leichtathletik erfolgreicher sein kann als im Fussball, dann erfüllen wir dieses Ziel. Das Erfolgserlebnis wird in diesem Fall grösser sein, entsprechend auch die Freude an der Bewegung und die Motivation, weiter Sport zu treiben. Ganz klar darf aber nicht staatlich verfügt werden, wer welche Sportart betreiben darf und wer nicht. Über die Qualität eines Ratschlags hinaus darf das staatliche Handeln nicht gehen.

Genug der Sportpolitik. Freuen Sie sich auf den ersten Auftritt von Roger Federer?
Eymann: Ich freue mich für diesen sympathischen Sportler, seine Familie und für das Turnier, dass er hier dabei ist. Persönlich werde ich bei seinem ersten Auftritt nicht dabei sein können. Zusammen mit sehr vielen anderen und Roger Brennwald würde mir der Turniersieg von Roger Federer grosse Freude bereiten.