Lars Gansäuer, Sion

Vor dem Training am gestrigen Nachmittag fühlte man sich zurückversetzt in die turbulenten Zeiten des Essam El-Hadary beim FC Sion. So viele Journalisten, Fotografen und Kamerateams wie selten zuvor gaben sich die Ehre. Im Fokus: Geoffroy Serey Die, ivorischer Mittelfeldspieler, der im Verdacht steht, ein Spiel seines Teams manipuliert zu haben. Dessen Reaktion auf die Vorwürfe lautet folgendermassen: «Im Training am Tag nach dem Spiel gegen Luzern ergriff unser Trainer das Wort und informierte uns über den Verdacht, dass das Spiel gegen GC verschoben sein könnte und entsprechende Verdächtigungen meiner Person in den Zeitungen zu lesen waren. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch gar nichts von der ganzen Sache. Ich dachte sofort an den Penaltyentscheid und die Situation, in der ich vom Platz flog.»

Nach der roten Karte machte sich Serey Die Vorwürfe. «In der Kabine wurde mir klar, was da wieder einmal passiert war. Ganz ehrlich: Das bereitete mir schlaflose Nächte. Ich verstehe einfach nicht, warum immer mir so etwas widerfahren muss», erzählt der tiefgläubige Christ. «Ich kann mich einmal mehr nur bei meinen Mitspielern, dem Klub und den Fans entschuldigen.»

Als Serey Die darauf berichtet, dass er sich in den letzten sechs Monaten nicht sonderlich gut gefühlt habe und hierin ein Grund für seine letzten beiden Ausraster sieht, wird es richtig interessant. Der zeitliche Zusammenhang passt genau zum Kauf seines Porsches und dem Beginn des mehrfachen Wechsels seiner Rufnummer. Dazu sagte Serey Die: «Ich hatte vergessen, mein Natel mit in die Ferien zu nehmen und habe mir dort eine andere Nummer besorgt. Diese war nur für die Ferien gedacht. Anschliessend besorgte ich ein weiteres Handy in der Schweiz für meine Frau. Weil ich zu spät aus den Ferien nach Hause kam und ins Trainingslager musste, habe ich mir in aller Eile selbst auch noch eine Nummer besorgt – und diese habe ich noch heute.» Nicht wenige der Pressevertreter im Raum runzelten die Stirn bei diesen Sätzen.

Schüchtern und chaotisch

Serey Die, der keine Fragen beantwortete, berichtete weiter: «Seit ich aus den Ferien zurückgekommen bin, hatte ich nie einen Anruf von jemandem, den ich nicht kenne, erhalten. Seit ich Fussball spiele, wurde ich noch nie von der Wettmafia kontaktiert. Ich bin niemand, der betrügt. Ich bin jemand, der sich vollends der Sache hingibt. Daher kommt auch meine permanente Unruhe auf dem Platz. Die Gegenspieler nutzen das oft aus. Ich möchte dem Team nicht schaden, aber ich bin einfach so.» Serey Die ist beim FC Sion als schüchtern und teilweise auch chaotisch bekannt. Oft muss er mehrfach nach den aktuellen Trainingszeiten fragen, anstatt sich mit dem Trainingsplan vertraut zu machen. Kann man ihm solcherlei Betrügereien zutrauen?

Sein Präsident Christian Constantin tat dies sehr unverblümt. Er nannte Serey Die nie direkt einen Betrüger und sprach nur im Konjunktiv, doch seine Formulierungen liessen keinen Zweifel aufkommen – und rief damit auch die Spielergewerkschaft auf den Plan. Deren Präsident Lucien Valloni setzt sich gegen die Einflussnahme Dritter ein. «Die von Vereinen oder Medien vorgenommenen Vorverurteilungen lehnen wir entschieden ab», so Valloni.

Serey Die meint zum Vorwurf von Constantin: «Die drei roten Karten in dieser Saison dürfen niemals dazu führen, dass ein Spieler von seinem Präsidenten derart beschuldigt wird. Das ist eine Schande und tut mir sehr weh. » Was bleibt, ist einmal mehr eine Walliser Provinzposse mit offenem Ausgang.