Nationalmannschaft

«Wenn Hitzfeld mich braucht, bin ich da»

Alex Frei erklärt sich

Alex Frei

Alex Frei erklärt sich

Alex Frei zum Rückritt im Sommer 2011 und vielleicht letzten Länderspiel in der Schweiz Fussball.

Er hat eisern geschwiegen. Nichts mehr gesagt zum Thema, das die Schweizer Fussballwelt in den Tagen und Wochen nach dem Spiel gegen Wales so bewegt hat. In einem Communiqué des Verbandes und des FC Basel hatte der Captain der Nationalmannschaft auf Ende der Saison, nach den Partien gegen die Ukraine, auf Malta, in Bulgarien und England, seinen Rücktritt angekündigt. Und in weiten Kreisen für Unverständnis gesorgt, weil der Abgang mitten in die EM-Qualifikation fällt. Ein Entscheid, weder Fisch noch Vogel, lautete der Tenor.

«Wie ich mich auch entschied, allen konnte ich es eh nicht recht machen», sagte Alex Frei am Dienstag, vor der Partie gegen die Ukraine
als er erstmals verbal zu seinem Beschluss Stellung nahm. «Die Pfiffe in Basel haben das Fass zum Überlaufen gebracht, diese letzten Tropfen hatte es noch gebraucht», sagte Frei. Schon seit einiger Zeit habe er sich mit den Gedanken, sich aus der Nationalmannschaft zu verabschieden, auseinandergesetzt, sagte Frei. Bereits am 3.September war er in St.Gallen nach einem verschossenen Penalty beim 0:0 gegen Australien heftig ausgepfiffen worden. Dass ihm dasselbe nun selbst in seiner Heimat Basel widerfahren würde, ohne dass ihm ein Strafstoss missglückt war oder er sonst etwas verbrochen hatte, hätte er wohl selbst nicht für möglich gehalten.

«Ich wollte sofort aufhören»

Seine Geste in jenem Moment des 7.Oktober, als die Schweiz im EM-Ausscheidungsspiel gegen Wales 2:1 führte und er nach 78 Minuten von Ottmar Hitzfeld ausgewechselt wurde, liess eigentlich keine Zweifel offen: Das wars mit der Nationalmannschaft! «Ich wollte tatsächlich sofort aufhören», sagte Frei. Er sei sich zwar bewusst gewesen, nicht immer gut gespielt zu haben, doch verstanden habe er die Pfiffe nicht.

Immerhin war es danach seinem Umfeld gelungen, ihn davon abzubringen, als Captain das trotz des 4:1 noch immer schlingernde Nati-Schiff Hals über Kopf zu verlassen. «Darüber bin ich sehr froh», sagte Ottmar Hitzfeld. «Es hätte ja sein können, dass er den Bettel sofort hinwirft.» Der Schweizer Coach gab indes offen zu, dass er in einem persönlichen Gespräch vergeblich versucht hatte, den Schweizer Rekordtorschützen von dessen Vorhaben abzubringen. «Es gab keine Chance, ihn umzustimmen», sagte Hitzfeld. Er hoffe nun einfach, dass Frei sich dereinst an seine Zusage erinnere, bei Bedarf zu helfen, sagte Hitzfeld. Diesbezüglich braucht sich der Lörracher indes keine Sorgen zu machen. «Wenn Hitzfeld mich braucht, weil es zu viele verletzte Stürmer gibt, dann bin ich da», sagte Frei.

Keine Angst vor Pfiffen

So gesehen ist noch nicht in Stein gemeisselt, dass Frei im 82.Länderspiel heute Abend in Genf gegen die Ukraine zum letzten Mal auf Schweizer Boden im Nationaltrikot zu sehen ist. Gedanken darüber macht er sich ohnehin nicht viele. Und Angst, ein weiteres Mal ausgepfiffen zu werden, habe er auch keine, sagt Frei. Vielmehr scheint es ihm wichtig, die Partie gegen die Ukraine zu gewinnen; verbunden mit der Hoffnung, mehr als ein Jahr nach seinem vierzigsten Länderspieltor endlich das einundvierzigste folgen zu lassen.

Es wäre keine schlechte Moralspritze für die Cuppartie drei Tage später mit Basel im selben Stadion gegen Servette sowie die nachfolgenden Meisterschaft- und Champions-League-Spiele. «Unter dem Tannenbaum aber werde ich zwei Krücken haben», sagt Frei. Nach dem letzten Spiel am 12.Dezember gegen GC muss sich der 31-Jährige einer Arthroskopie am rechten Fuss unterziehen. Sie wird ihn an die missratene WM und generell an ein Jahr mit Höhen (Doublegewinn mit dem FCB), aber auch einigen Tiefen erinnern.

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