Basel
Wenn hinten der Tennis-Star sitzt

Wie sie am schnellsten vom Hotel zur St. Jakobshalle kommen, müssen die Tennisspieler gar nicht wissen. Für den Transport – und nicht nur für das – sind nämlich Massimiliano Iuliano und sein Team verantwortlich.

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Taxi

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Loris Vernarelli

«Wer holt Djokovic ab?» Massimiliano Iuliano muss nicht lange auf eine Antwort warten. «Ich!» ruft Heidi, greift zu einem Autoschlüssel und verlässt den Container, in dem der Transport-Dienst untergebracht ist. Kaum ist die Türe geschlossen, klingelt das Telefon erneut. Diesmal will der Kroate Ivan Ljubicic samt Ehefrau und zwei Kindern vom Hotel abgeholt werden. Auch der Wunsch nach einem Kindersitz erfüllt ihm die «Einsatzzentrale» ohne zu murren.

«So läuft das fast den ganzen Tag», erzählt Iuliano. Der Ressortleiter des Transport-Service sieht aber alles andere als gestresst aus, sondern eher freudig aufgeregt. Obwohl er die verantwortungsvolle Aufgabe in seiner Freizeit verrichtet und deshalb als Mitarbeiter einer Sportevent-Firma Ferien beziehen muss, macht ihm der zehntägige Nebenjob sichtlich Spass. Dasselbe gilt auch für Kurt Spörri und Nicole Meyer, die zusammen mit dem 34-jährigen Ettinger für die Organisation des turniereigenen Dienstes verantwortlich sind. Die Flotte besteht aus topmodernen 19 Fahrzeugen, gefahren werden sie von 24 Fahrerinnen und Fahrern. Keiner von ihnen ist professioneller Chauffeur, fast alle sind Studenten.

Wer jetzt glaubt, der Job sei bei Uni-Absolventen des Geldes wegen so beliebt, irrt gewaltig. «Wir beziehen eine Art Obolus, reich werden wir in dieser Woche nicht», stellt Iuliano klar. Wer während der Swiss Indoors als Chauffeur arbeite, tue dies keineswegs aus finanziellen Gründen. Die Nähe zu den Tennis-Stars und das Fahren eines neuen BMW seien Motivation genug.

Boris Becker und seine Gepäckstücke

Genau deshalb hat sich der Italiener vor 15 Jahren um die temporäre Anstellung als Fahrer beworben. «Ich liebe Tennis genauso wie schöne Autos. Der Job war wie für mich geschaffen.» Ein Jahrzehnt lang kurvte er danach mit bekannten und weniger bekannten Spielern durch Basel. Kein Wunder verbindet Massimiliano Iuliano mit dieser Zeit viele Erinnerungen. Boris Becker beispielsweise musste er noch direkt auf dem Rollfeld abholen. «Verblüffend war für mich die riesige Anzahl an Gepäckstücken, die der Deutsche dabei hatte. Nicht nur Koffer, sondern auch ein Massagetisch und Bespannungsmaschinen», erinnert er sich. Unvergesslich bleibt für Iuliano auch eine Anekdote mit Mark Philippoussis aus dem Jahr 1997: Nach dem verlorenen Endspiel gegen den Briten Greg Rusedski war der australische Sonnyboy derart frustriert, dass er einige Fahrer bat, ihn in eine Disco zu begleiten. Die Wahl fiel auf Sissach, doch das dürfte Philippoussis kaum mehr wissen. «Wir hatten es lustig und er mehr als nur ein Bier», lässt sich Iuliano entlocken.

Es gäbe noch viel mehr Geschichten zu erzählen, die alle eines verdeutlichen: Die Leute des Transport-Dienstes sind für die Spieler mehr als nur namenlose Chauffeure. «Meistens sind wir die ersten Personen, die sie nach der Ankunft in Basel sehen. Da kann es schon vorkommen, dass man ins Gespräch kommt», sagt Iuliano. Doch Kontaktpflege sei nebensächlich: Viel mehr ins Gewicht würden ein freundliches Auftreten, ein gepflegtes Aussehen und Zuverlässigkeit fallen, denn «schliesslich sind wir das Gesicht der Swiss Indoors».