Weltklasse-Motocrosser düsen durch den Staub

Viel Lärm hinter dem Schloss Hilflikon: Zwei Tage lang dröhnte es rund um die eigens fürs Rennen angelegten Motocross-Bahn. Am sonnigen Wochenende fand das 55. Motocross Wohlen statt.

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Weltklasse-Motocrosser düsen durch den Staub
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Motocross Wohlen 2010
Motocross Wohlen 2010
Motocross Wohlen 2010

Weltklasse-Motocrosser düsen durch den Staub

Thomas Bucher

Während es bei den meisten Renn-Disziplinen am Motocross Wohlen um den Sieg ging, stand beim aussergewöhnlichen Drag Race vor allem die Show im Vordergrund. Die Eigenkonstruktionen sind an Lärm kaum zu übertreffen.

Jeweils zwei Fahrzeuge stehen nebeneinander und beschleunigen auf 80 Metern, so schnell sie können. «In der Schweiz sind keine Schrauben in den Pneus erlaubt», weiss Daniel Kronenberg, selbst ein Drag Racer. Kronenberg fährt auch leidenschaftlich gerne Hillclimbing: Dort gehe es nicht ohne Schrauben, ist er überzeugt.

Die Zuschauer strömten zu Tausenden herbei: Das Publikum reichte von Familien mit Kindern, die den Gehörschutz verschrieben bekamen, über tätowierte Altrocker bis hin zu Teenagern, die sich die Langeweile am Sonntagnachmittag vertrieben.

Behinderten-Stiftung eingeladen

Zum ersten Mal beim Motocross dabei war die Behinderten-Wohngruppe «Jura» aus Wohlen. Die Stiftung Integra hatte vom Organisationskomitee 30 Gratiseintritte inklusive Verpflegung erhalten: «Ich finde das eine tolle Geste. Es ist mal eine Abwechslung zu einem Zoobesuch», sagt ihr Betreuer, Jan
Righetti.

Seine Gruppe genoss den Event am Samstagnachmittag offensichtlich. So erging es zum Beispiel Martin, der den Motorsport vorwiegend vom Fernsehen kannte: «Ich finde das faszinierend. Es ist alles so laut, vor allem beim Start, wenn sie lospreschen.» Angela hingegen kommt jedes Jahr hierher: «Mein Bruder fährt hier mit wie ein Weltmeister», erzählt sie. Es sei mal etwas anderes, als immer nur in den eigenen vier Wänden zu hocken.

OK-Präsident Ueli Hilfiker durfte sich nicht nur über das sommerliche Wetter freuen: «Der Anlass verlief nebst ein paar kleinen Unfällen reibungslos.» Hilfiker waltete schon das achte Mal seines Amtes: «Das ist für mich ein Jahresjob. Ich arbeite nach dem Motto ‹Nach dem Rennen ist vor dem Rennen›.» Hilfiker war früher selbst aktiver Motocrosser, woraus sich sein Engagement herleitet: «Als ich noch selbst fuhr, musste immer jemand für uns Fahrer die Rennen organisieren. Ich dachte mir, dass man auch einmal etwas zurückgeben sollte.»

Eine Disziplin gabs schweizweit in Wohlen zum ersten Mal zu sehen, fast eher als zu hören. Die surrenden Motoren der Elektro-Bikes klingen unscheinbar, bringen jedoch erstaunlich viel Power auf die Pneus. Trotzdem glaubt Hilfiker nicht, dass sich die Sportart durchsetzen wird. Jedenfalls nicht, solange es noch Benzin gebe.

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