Spycher

Wegen Spycher steht ganz Oberscherli Kopf

Der 32-Jährige Christoph Spycher soll bei den Young Boys eine zentrale Rolle übernehmen und die Defensive stärken.

Neuer Patron

Der 32-Jährige Christoph Spycher soll bei den Young Boys eine zentrale Rolle übernehmen und die Defensive stärken.

Vorne fix und hinten nix? Für Tore und Offensivspektakel ist YB immer gut. Die Verteidiger allerdings schlagen hin und wieder Luftlöcher der gröberen Sorte. Christoph Spycher soll nun für mehr Stabilität in der Defensive sorgen.

Ruedi Kuhn, Bern

Haben Sie gewusst, dass die Gemeinde Köniz aus 23 kleinen Dörfern besteht? Mit dabei sind Waberen Ost, Waberen West, Spiegel, Gasel, Niederwangen, Oberwangen und Oberscherli. Oberscherli hat 521 Einwohner, bildet zusammen mit Niederscherli einen Postkreis und ist mit der Postautolinie 631 in den öffentlichen Verkehr eingebunden. Die Fahrt ins Zentrum von Köniz dauert exakt acht Minuten. In Oberscherli aufgewachsen ist Christoph Spycher, der Sohn von Werner Spycher, der im Bundesamt für Landwirtschaft arbeitet und im April nächsten Jahres pensioniert wird.

Noch nicht pensioniert wird Christoph Spycher. Im Gegenteil. Der 32-jährige Linksverteidiger ist motiviert und voll im Saft. Nach fünf Jahren erfolgreichem Wirken bei Eintracht Frankfurt versüsst ihm YB mit einem gut dotierten Vierjahresvertrag die Karriere. Nach drei Saisons wird Spycher seine aktive Laufbahn aller Voraussicht nach beenden, bei den Bernern aber mindestens ein weiteres Jahr in einer noch zu bestimmenden Funktion tätig sein.

Spycher plagen Sorgen

Mit dem Transfer zu den Young Boys schliesst sich für Spycher der Kreis. Er sagt: «Dass ich bei YB meine Laufbahn beenden darf, ist wunderschön. Für mich geht ein Bubentraum in Erfüllung. Schliesslich bin und bleibe ich ein Berner Giel.» Was als Kicker in Sternenberg, Bümpliz und Münsingen begonnen hat, als Profi in Luzern, bei den Grasshoppers und Frankfurt die Fortsetzung fand, endet nun mit dem Heimspiel bei seinem Lieblingsverein.

Einige Tage vor dem Saisonstart mit dem Derby in Thun sitzt Spycher im Restaurant Eleven im Stade de Suisse. Der 47-fache Internationale lächelt zwar, aber es ist weder ein herzhaftes noch ein befreiendes Lächeln. Verständlich. Spycher ist noch nicht fit. Erst spricht er von einer Innenbandverletzung im rechten Knie, die er sich Mitte Juni zugezogen hat. Auf Nachfrage präzisiert er den Grad der Verletzung. Und plötzlich steht fest: Der Anriss des vorderen Innenbandes bereitet ihm Sorgen. Grosse Sorgen?

Spychers Einsatz in Thun ist jedenfalls gefährdet. «Die Meisterschaft rückt immer näher», so Spycher. «Langsam, aber sicher wird das Ganze zu einem Kampf mit der Zeit. Die Hoffnung aber stirbt wie immer zuletzt.» Sollte er im Spiel gegen den Aufsteiger pausieren müssen, könnte der Kampf um einen Stammplatz trotz seines Leistungsausweises zu einer Geduldsprobe werden. Nervös wird der Neue allerdings nicht. «Es braucht sehr viel», sagt Spycher, «um mich aus der Fassung zu bringen.» YBs neuer Patron bleibt cool. Er weiss genau, dass seine Stunde bei YB früher oder später schlagen wird. Als Allrounder kann er sowohl auf der Position des Linksverteidigers als auch im zentralen, defensiven Mittelfeld eingesetzt werden.

Was das Titelrennen betrifft, spricht Spycher von einer «never ending story». Von einer Geschichte also, die nie zu Ende geht. 1986 gabs in Bern zuletzt eine Meisterfeier. 2011 sollen die Champagnerkorken endlich wieder knallen. Wie schwer aber wiegt der Verlust von Goalgetter Seydou Doumbia? Der Abgang des antrittsschnellen Dribbelkünstlers hat nach Ansicht Spychers nicht nur Nachteile. «Der Star ist zwar weg», sagt er, «das aber bietet andern Spielern die Möglichkeit, aus dem Schatten Doumbias zu treten und aufzublühen.»

Spycher selbst kann wegen der Knieverletzung noch nicht voll durchstarten. Sportlich sind ihm die Hände gebunden. Privat läufts rund. So wird er zusammen mit Frau Barbara und Söhnchen Dominic (2) schon bald in ein schmuckes Häuschen in Muri einziehen. Und sich dort im Kreis der Familie vom Stress auf der Fussballbühne erholen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1