Futsal
„Warum zum Teufel spielt ihr Futsal?“

Bei ihrer ersten Teilnahmen an einer Hauptrunde der EM-Qualifikation tauchte die Schweizer Futsalnationalmannschaft in eine völlig neue Welt ein.

Fabian Sanginés
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Schweizer Futsal Nationalmannschaft
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Vangelios Marcoyannakis im Zweikampf mit Spaniens Pola.
Teamfoto nach dem Spiel gegen Spanien.
Keeper und Nati-Captain Mischa Felber bleibt gegen Alex (3) und Raul Campos (14) Sieger.
Balvis behauptet den Ball gegen Ungarns Superstar.

Schweizer Futsal Nationalmannschaft

Maude Siffert

Kommunikation Grundkurs: Eine Botschaft entsteht immer beim Empfänger. Das beste Beispiel dafür hat ein Schweizer Futsal Nationalspieler nach dem Qualifikationsturnier für die Europameisterschaft 2016 in Belgrad erhalten. Auf die Nachfrage des ungarischen Nationalspielers Jànos Rábl, wie viel Geld er von seinem Schweizer Club für die Ausübung des Sports erhält, entgegnete dieser lächelnd: „Wie viel? Im Gegenteil, wir bezahlen jährlich Mitgliederbeiträge.“ Der Ungare fiel aus allen Wolken, was ihm die zentralen Fragen entlockte: „Im Ernst jetzt? Seit ihr eigentlich verrückt? Wieso zum Teufel spielt ihr dann Futsal?“

Es ist eine Frage, die durchaus arrogant klingen mag, schliesslich hat Rábl nur wenige Stunden zuvor mit seinem Team die Schweizer mit 8:2 aus der Halle gefegt - zumindest liest sich das Resultat so. Doch in diesem Fall dürfte diese Frage von tiefster Ehrlichkeit zeugen, denn erhält der 25-Jährige alleine von seinem Club Berettyóújfalu umgerechnet 1’500 Euro im Monat überwiesen - der Durchschnittslohn in Ungarn beträgt rund 750 Euro. Dazu kommen vom Verband während der dreiwöchigen Nationalmannschafts-Vorbereitung auf dieses Turnier 50 Euro pro Tag.

Jederzeit auf Augenhöhe

Dabei weiss Rábl noch gar nicht, dass jeder der SFV-Auswahl Ferientage beziehen muss. Im Jahr 2015 alleine für drei Qualifikationsturniere (EM-Vorqualifikation Januar, Hauptqualifikation März und WM-Vorqualifikation im Oktober) summieren sich vier Wochen. Klar, dass da nicht mehr viel Zeit für eine intensive Vorbereitung bleibt, im Gegensatz zur Konkurrenz aus Osteuropa.

So dürfte es auch an diesem, finanziell ungleichen Kräftemessen liegen, dass Mazedonien-Trainer Vasil Skenderovski sich im Vorfeld der Ausscheidung hinreissen liess, von einem „easy win“, also einem „leichten Sieg“ gegen die Schweizer Futsalexoten zu sprechen. Der 43-Jährige dürfte umso erstaunter gewesen sein, als sein Haufen Profikicker vor rund 3000 Zuschauern ein äusserst glückliches 7:6 über die Zeit rettete, dankbar darüber, dass diese Partie nicht noch 20 Sekunden länger dauerte.

Und auch gegen die Ungarn, wo sich zwar das Resultat mit 2:8 um einiges deutlicher liest, befanden sich die Eidgenossen nahezu über die komplette Spielzeit auf Augenhöhe mit dem haushohen Favoriten, hatten jedoch in den entscheidenden Momenten Pech. Wie beim Stand von 2:1, wo der zuvor überragende Xhemajl Likaj mit seinen 6-Meter am gegnerischen Keeper scheiterte.

Beantwortung der Zentralen Frage

Sogar im Startspiel gegen die spanische Übermacht gelang es dem Haufen Schweizer Amateure, die im Schnitt 200’000 Euro im Jahr verdienenden Weltstars mit dem 1:2-Anschlusstreffer zu ärgern. Zugegeben, das Endverdikt von 9:1 wäre mit Sicherheit höher ausgefallen, hätte Torhüter und Captain Mischa Felber zuvor nicht einen Pakt mit dem Teufel geschlossen.

Bleibt noch der Versuch, Rábls ernst gemeinte Frage zu beantworten: Wieso zum Teufel tun sich das die Schweizer Kicker, und wohl viele weitere Breitensportler dieses Landes einen solchen Aufwand an? Diverse Kadermitglieder heben die wertvollen Erfahrungen, die auf solchen Reisen gemacht werden hervor, dazu die Ehre, die Schweiz in ihrer Lieblingssportart zu vertreten.

Und weil die Botschaft auch hier beim Empfänger entsteht, überwiegt die Wehmut den Stolz, wenn „Pola“, zweifacher spanische Meister und Leistungsträger im spanischen Team, anerkennend sagt: „Wenn ihr etwas mehr investieren würdet, könntet ihr mit den ganz Grossen mithalten.“