Schweizer Nationalmannschaft
Vor dem Honduras-Spiel: Das spricht für die Achtelfinal-Qualifikation der Schweiz

Heute um 20.30 Uhr wird in Bloemfontain das alles entscheidende Spiel angepfiffen. Die Schweiz braucht gegen Honduras einen Sieg mit zwei Treffern Differenz, um in jedem Fall in die Achtelfinals einzuziehen. Falls Spanien im Parallelspiel gegen Chile verliert, reicht dem Team von Ottmar Hitzfeld sogar ein Unentschieden.

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Aargauer Zeitung

François Schmid-Bechtel

Das spricht für die Schweiz:
Der Schiedsrichter: Es gibt Leute, die behaupten, Hector Baldassi habe seine Pfeife von der Street Parade 1994. Und deshalb glauben diese Leute auch, dass Baldassi identisch ist mit dem weltberühmten Techno-DJ Benny Bennassi. Dieses Missverständnis müssen wir jetzt mal aus der Welt schaffen.

Baldassi ist 44 und macht nicht den Anschein, als hätte er zu viele Amphetamine geschluckt. Ganz im Gegensatz zu Khalil Al-Ghamdi, dem blindwütigen Kartenleger aus Saudi-Arabien. Baldassi indes gilt als vernünftiger Spielleiter. Bei Holland - Japan zog er nur eine gelbe Karte. Aber Handballer mag er nicht.

Bei Serbien - Ghana zeigte er in der 84. Minute nach einem Handspiel des Ex-Baslers Zdravko Kuzmanovic auf den Penaltypunkt. Fragt sich: Ist Baldassi sogar ein Freund der Eidgenossen. Hat er Kuzmanovic deshalb bestraft, weil sich dieser für Serbien und gegen die Schweiz entschieden hat?

Die Historie: In der Schweiz hat man längst vergessen, wie es sich anfühlt, an einer WM in der Vorrunde auszuscheiden. Letztmals ist die Schweiz 1966 in der Vorrunde gescheitert. Die Gründe lagen jenseits des Rasens - in der Nacht von Sheffield. Von einer Nacht von Vanderbijlpark ist nichts bekannt.

Spricht alles dafür, dass die Serie vom Einzug in die Achtelfinals weitergeht. Auch wenn diese erst seit zwei WM-Endrunden besteht.

Ottmar Hitzfeld: Wer eine Last-Minute-Niederlage im Champions-League-Final von 1999 verkraftet, kommt auch über ein 0:1 gegen Chile hinweg. Hitzfeld unternimmt alles, die Spieler von Defensive auf Offensive umzuprogrammieren. Zugegeben: Ein schwieriges Unternehmen. Doch wem übersinnliche Kräfte attestiert werden, kann auch dieses Wunder vollbringen.

Halbfinal: Hitzfeld vergleicht das Spiel gegen Honduras mit einem Champions-League-Halbfinal. Ein gutes Omen. Denn aus dem aktuellen Kader hat noch keiner einen Champions-League-Halbfinal verloren.

Freis Langes Schweigen: Da fällt uns jetzt auch nichts dazu ein.

Valon Behrami: Da erwarten wir von unseren Gastarbeitern, dass sie sich von unten hochschuften. Doch wenn einer mal die Ellbogen ausfährt, ist es auch nicht recht. Vor Behramis Kampfkraft müssen wir uns nicht fürchten. Er fehlt wegen einer Sperre.

Multikulti: Die Schweiz muss die Achtelfinals erreichen, um den Abwanderungsstrom der talentierten Nachwuchskicker in die Heimat ihrer Eltern zu stoppen. Ausserdem muss die Nati ihre Aufgabe als politische Einheitsbewegung erfüllen. Vielleicht spielen dann die Deutschen nicht nur in unseren Krankenhäusern, sondern bald auch in der Nati eine Hauptrolle.

Hakan Machihn: Was für die Deutschen Mesut Erlözil, ist für uns Hakan Machihn. Immer wenn die Schweiz wegen ihrer spielerischen Defizite in die Sinnkrise abzudriften drohte, war Hakan Yakin der Erlöser. So 2006, als er die Schweiz im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea zum entscheidenden Sieg dirigierte. Oder auch an der Heim-EM, wo er als Einziger für die wenigen lichten Momente im Schweizer Spiel besorgt war.

Laufwunder: Die Schweizer können es nicht besser, aber sie können es länger. Zumindest rennen. 223,32 Kilometer haben sie bisher zurückgelegt. Im Vergleich dazu nahmen es die Honduraner (205,08 km) etwas gemütlicher.

Das spricht gegen die Schweiz:
Final: Von den 23 Spielern, die Hitzfeld nach Südafrika begleitet haben, hat noch keiner einen Final in der Champions League erreicht (siehe links Halbfinal).

Ausserdem sind Benaglio, Grichting, Ziegler, Yakin, Inler, Nkufo und Barnetta bei einer weiteren Verwarnung im nächsten Spiel gesperrt. Und wer will schon seine Teilnahme am «Champions-League-Final» riskieren. Es ist zu befürchten, dass der eine oder andere gefährdete Spieler seinen Fuss zurückzieht.

Miss Emfuleni: Die 21-jährige Psychologie-Studentin Mandisa Magwa mischt das Camp der Schweizer auf. Mandisa ist amtierende Miss Emfuleni, was uns aber nichts sagt. Egal: Also Miss Emfuleni outet sich erst als Groupie von Diego Benaglio, als sie erfährt, dass unsere Nummer 1 verheiratet ist, switcht sie rüber zu Marco Wölfli und macht ihm einen Heiratsantrag. Aber sie würde sich auch mit Hakan Yakin zufrieden geben.

Auch Valon Behrami und Gelson Fernandes würde sie nicht von der Bettkante stossen. Wir werden den Verdacht nicht los, dass Miss Emfuleni von den Spaniern angeheuert wurde, um unseren Spielern den Kopf zu verdrehen.

Benjamin Huggel: Wer wissen will, wie gross der Unterschied zwischen Super League und WM ist, dem dient Benjamin Huggel als Beispiel. Für den Kopf des Basler Spiels ist in den beiden Spielen gegen Spanien und Chile alles ein bisschen zu schnell gegangen.

Unsere Hoffnung ist, dass die Honduraner die Einsicht gewinnen, dass es keinen Spass macht, wenn der Gegner kein Gegner ist.

Torflaute: Wer in Gottes Namen soll die Tore schiessen, wenn Hakan Yakin und Eren Derdiyok bloss auf der Bank sitzen? Und wir brauchen mindestens zwei Tore, um in jedem Fall aus eigener Kraft die Qualifikation für die Achtelfinals zu schaffen. Ist es etwa Blaise Nkufo, der stürmende Traktor?

Oder Alex Frei? Der weist zwar eine fantastische Quote von 40 Länderspiel-Treffern auf, aber in den letzten Monaten ist er immer wieder durch Verletzungen aus dem Tritt geraten. Die Frage nach den potenziellen Torschützen ist jedenfalls ein Rätsel mit höchster Schwierigkeitsstufe.

Kein Binnenländer: Auch in Ländern am Meer wird Fussball gespielt. Wo Fussball gespielt wird, passieren Schiedsrichter-Fehler. Für Hitzfeld ist klar: Solche Schiedsrichter gehören an den Strand und nicht an eine WM. Leider hat auch Argentinien, die Heimat von Schiedsrichter Baldassi, einen nicht unwesentlichen Küstenstreifen. Nämlich 4989 Kilometer.

Die Statistik: Die Honduraner, erstmals seit 1982 wieder beim Konzert der Grossen, gelten bestenfalls als zweitklassiges Fussballland. Doch viel höher ist der Stellenwert des Schweizer Fussballs nicht. Und der Fussball, den die Schweizer geboten haben, ist zwar besser organisiert, aber nicht schöner anzuschauen als jener der Honduraner. Das belegt die Statistik.

Die Schweizer haben es auf 15, die Honduraner auf 16 Torschüsse gebracht. Die Quote der angekommenen Pässe der Schweizer liegt bei 56,5, jene der Honduraner bei 63,5 Prozent. Die Schweizer haben 47, die Honduraner 34 Fouls begangen.

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