Spritzensport

Viele Ideen, wenig Bewegung

Diese Kolumne beschäftigt sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen.

Diese Kolumne beschäftigt sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen.

Der Kampf gegen Doping im Sport tritt an der Stelle. Zwar werden die Anstrengungen seit Jahren hochgefahren, die Quote der erwischten Athleten verharrt trotz Hightech und intelligentem Kontrollsystem bei rund zwei Prozent.

In der freien Marktwirtschaft hätte man eine Firma wie die Welt-Antidoping-Agentur Wada mit einer solch bescheidenen «Output»-Menge längst saniert. Im geschlossenen System Sport gibt man sich mit dieser bescheidenen Erfolgsbilanz offensichtlich zufrieden. Oder entsprechen die zwei Prozent Betrüger gar der Realität? Bei anonymen Umfragen unter Athleten liegen die Werte jener, die schon betrogen haben, deutlich im zweistelligen Bereich.

Ist das Milliarden-Business Sport allenfalls gar nicht daran interessiert, dass ihm die Stars durch Sperren abhandenkommen? Dieser Vorwurf wird immer wieder mal erhoben. In den nordamerikanischen Profiligen steht man gar zu dieser These, indem man Dopingsünder mit lächerlichen Strafen möglichst schnell wieder aufs Spielfeld zurückbeordert.

Eine Organisation, die sich selbst kontrolliert, bleibt so oder so suspekt. Deshalb gibt es im Kampf gegen Doping zwar viele Ideen für Reformen, die allesamt auf mehr Unabhängigkeit abzielen.

Doch die wenigsten Kritiker finden mit ihren Ansätzen bei der IOC-gesteuerten Wada Gehör. Auch die Vorschläge des Schweizers Matthias Kamber, seit Jahrzehnten ein Kämpfer gegen Doping, prallten bei der Wada ab wie Kugeln eines Katapults an der Schlossmauer. Im schlimmsten Fall kriegen die Kritiker von der Antidoping-Burg noch einen Topf heisses Öl übers Haupt geleert.

Kambers Vorschläge zielten darauf, die Rollen der verschiedenen Player zu entflechten und die Aufgaben klar zuzuteilen. So soll die Verantwortung für Sanktionen konsequent von den Sportverbänden an den Sportgerichtshof Cas in Lausanne und jene für Dopingtests zur neuen Internationalen Test Agentur (ITA) verschoben werden.

Die nationalen Antidoping-Agenturen würden die ITA darin unterstützen. Die Wada ihrerseits soll sich auf die Rolle des Regulators konzentrieren und in ihren Strukturen unabhängiger werden. Kamber tut sich schwer damit, dass der Sport unter der Last von immer mehr Reglementen und Vorschriften der Wada zu ersticken droht.

Der Schweizer Antidoping-Pionier ist jedoch kein Schwarzmaler, was die Möglichkeiten im Kampf gegen Betrüger betrifft. Er sagt, es gebe genügend gute Instrumente dafür. Nur sei im aktuellen Modell der Reibungsverlust zu gross und die Glaubwürdigkeit zu klein.

Letztlich ist bei den grossen Playern zu viel Politik und zu wenig Expertise im Spiel. Und mit Querdenkern tut man sich ohnehin schwer.

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