Fabian Kern

Gross waren die Fussstapfen gewesen, die Christian Gross nach zehn Jahren und acht Titeln beim FCBasel hinterlassen hatte. Zu gross für einen derart unerfahrenen Trainer wie Thorsten Fink, dachten viele. Als dann der ehemalige Bayern-Profi auch noch attraktiven Angriffsfussball versprach, sahen sich die Skeptiker endgültig bestätigt. Doch die selbstbewussten, «typisch deutschen» Aussagen des Blondschopfs sollten sich nicht als leere Worte erweisen. Fink sagte aber auch: «Es wird seine Zeit brauchen, bis die Spieler das neue System verinnerlicht haben.» Es wurde für den FCB eine Saison mit vielen Erfolgen, aber auch einigen Rückschlägen. Ein Blick zurück.

Die Hoffnung

Nach einem 0:2-Fehlstart in St.Gallen präsentiert der FCB am 19. Juli 2009 vor dem Heimspiel gegen Aarau den spektakulärsten Zuzug in der Schweiz in diesem Jahrhundert. Nationalstürmer Alex Frei sollte dem FCB jene Durchschlagskraft verleihen, die er bis dahin hatte vermissen lassen. Frei kündigte bei seiner Präsentation an, es sei Zeit, dass die «beiden Kübel» wieder nach Basel kämen. Danach zeigt der 30-Jährige Qualitäten als Glücksbringer. In der Nachspielzeit gelingt Marco Streller der Siegtreffer gegen Aarau. Die Hoffnung lebt.

Der Tiefpunkt

Am 30. August scheinen alle Meisterträume der Basler ausgeträumt. Im eigenen Stadion unterliegt der FCB den Young Boys nach einer Führung noch 1:2. Der Rückstand auf den souveränen Leader wächst auf 13 Punkte an. Kritik an Finks System wird laut. Ist sein Offensivfussball brotlose Kunst?

Die Wende

Am 13.September kehrt Abwehrchef David Abraham nach langer Verletzungspause in die Mannschaft zurück und soll die Löcher in der Verteidigung stopfen. Sein Einstand beim mühsamen 3:2-Erfolg in Bellinzona gelingt zumindest resultatmässig. Dieser Erfolg bildet den Auftakt zu einer Serie von acht Spielen ohne Niederlage. Der Knackpunkt liegt aber in der Europa League. Mit dem sensationellen 2:0-Erfolg gegen die AS Roma am 17. September hat das Team das Vertrauen ins System gefunden.

Das Zeichen

Als Spiel der letzten Chance gilt das Auftaktspiel nach der Winterpause. Der FCB überfährt den Leader YB am 7.Februar 2010 im eigenen Stadion gleich mit 4:0. Es ist der erste Sieg des FCB ge-
gen den Berner Rivalen in dieser Saison und gleichzeitig der Start zu einer beeindruckenden Rückrunde. Der Rückstand beträgt nur noch vier Zähler, das Meisterduell ist endgültig lanciert.

Der Rückschlag

Nur eine Woche nach der 5:0-Gala gegen Luzern und der erstmaligen Eroberung der Tabellenspitze erleidet der FCB einen empfindlichen Rückschlag. Am 25.April zeigen die Basler im Zürcher Letzigrund eine ganz schwache Leistung und gehen gegen die Grasshoppers 0:4 unter. Es ist bereits die dritte Saisonniederlage gegen das Team von Ciriaco Sforza. «Lieber einmal 0:4 als viermal 0:1», sagt Marco Streller. Durchhalteparolen?

Der Meistertitel

Nachdem YB an Auffahrt Nerven gezeigt hat und gegen Luzern auswärts 1:5 eingegangen ist, läuft der ständige Verfolger FCB am 16. Mai überraschend als Leader ins restlos ausverkaufte Stade de Suisse ein. In einer packenden Partie erweist sich der Gast aus Basel als die reifere und abgeklärtere Mannschaft und gewinnt dank Toren von Valentin Stocker und Scott Chipperfield diskussionslos 2:0. Es ist der 13. Meistertitel und das vierte Double für den FC Basel.