Für den einen oder anderen "Bösen" dürfte die Passerelle, die aus dem riesigen Broye-Stadion ins Athletendorf führt, zur Seufzerbrücke geworden sein. Der Schwingerkönig von 2010, der Berner Oberländer Kilian Wenger, auf jeden Fall musste schon früh seine Hoffnungen praktisch abschreiben.

Auch der amtierende Schwingerkönig, Matthias Sempach, musste zunächst "beissen". Dann aber fand der Berner in den Wettkampf zurück und bodigte im vierten Gang den bis dahin dominierenden Bündner Jungspund Orlik.

Ein weiterer Mitfavorit, der wuchtige Seeländer Christian Stucki, siegte nach seinem Fehlstart genau wie Sempach dreimal in Folge. Keiner der Schwinger überstand den ersten Wettkampftag ungeschoren und so bleibt die Ausgangslage für Sonntag bleibt also spannend.

Die Hitze setzte am Samstag auch den gestandenen Schwingern zu. Die meisten scherten sich um die drei in der Arena aufgestellten Holzbrunnen, um sich etwas Kühlung zu verschaffen.

Schwitzen, schwitzen, schwitzen

Auch das Publikum schwitzte kräftig. "Es ist sehr heiss, trinken Sie regelmässig und schützen Sie sich vor der Sonne", lautete die wohl meistgehörte Lautsprecherdurchsage auf dem Festgelände.

Hitzeschlacht am Eidgenössischen Schwingfest

Hitzeschlacht am Eidgenössischen Schwingfest

Sonne pur bei 32 Grad: Beim Eidgenössischen Schwingfest in Estavayer kämpften die Besucher vor allem mit der Hitze. Der ausgelassenen Stimmung auf dem Festgelände rund um die Arena de la Broye tat das aber keinen Abbruch.

Unter die Zuschauer mischte sich am Samstag auch Prominenz. So stattete etwa Bundesrat Guy Parmelin dem Schwingfest einen Besuch ab. Und auch Rad-Olympiasieger Fabian Cancellara machte den "Bösen" eine Aufwartung.

Die Schwingfestbesucher ertrugen Hitze und lange Warteschlangen am Mittag vor den Essensständen mit Geduld und Humor. Jeder noch so kleine Schattenplatz unter Zelten, Schirmen, ja sogar unter Festbänken, war begehrt.

Quiz: Eidgenössisches Schwingfest 2016

Fachsimpeln

Wer kein Ticket in der über 52'000-plätzigen Arena ergattert hatte, verfolgte das Geschehen in den Public Viewing Zonen auf dem Festgelände. Dort wie in der Arena wurde heftig gefachsimpelt - auf Deutsch und Welsch oder beides durcheinander.

Nebst den Schwingern waren auch die Steinstösser und die Hornusser am Werk. Die Zuschauertribüne bei den Steinstössern war stets gut gefüllt. Der Final mit dem 83,5 Kilogramm schweren Unspunnenstein wird am Sonntag in der grossen Broye-Arena ausgetragen.

Muni und Co.

Einmal am Morgen und am Nachmittag drehten die sogenannten Lebendpreise eine Runde in der Broye-Arena. Lebendpreise sind Tiere, die die siegreichen Schwinger gewinnen. Traditionsgemäss erhält der Schwingerkönig jeweils einen schönen Stier. Der diesjährige "Siegermuni" heisst "Mazot de Cremo". In seinem Gefolge stolzierten Freiberger-Fohlen und Rinder durch die Arena, eines schöner als das andere.

Cards: Das müssen Sie übers Schwingen wissen

Im Gabentempel warten auf die siegreichen Athleten als Preise nicht nur Glocken und Trögli, sondern Fahrzeuge, landwirtschaftliche Gerätschaften, Einrichtungen oder Werkzeuge. Auch im Gabentempel wird ersichtlich, dass Schwingen mittlerweile auch "Big Business" ist. Davon zeugt auch die Sponsorenliste des "Eidgenössischen".

Dieses verfügt über eine Budget von rund 29 Mio. Franken und ist mittlerweile der grösste Sportanlass des Landes mit breiter Medienabdeckung. In der Schwingergemeinde gibt es seit Jahren auch kritische Stimmen, die vor drohendem Gigantismus warnen.

Ausserhalb der Arena lockt ein grosses Unterhaltungsprogramm mit Konzerten und Festzelten. Schlager- und Popstars ziehen massenweise Publikum an. Und so strömen denn gegen Abend nochmals tausende Besucher auf das Festgelände, um Party zu machen.

Swissness im Grossformat

Das Motto des diesjährigen "Eidgenössischen" lautet Emotionen und Leidenschaft. Und mit Gefühlen werden die Zuschauer in der Arena gut bedient. Alphornklänge und Jodelgesang umrahmen das Geschehen in den Sägemehlringen. Kaum ein Jodelklassiker wird ausgelassen.

Schon bei der Eröffnungsfeier am Freitag zogen die Veranstalter alle Register und liessen Freiburger Traditionen hochleben. Ertönt in der Arena der Kuhreihen "Ranz des vaches" singt das Publikum jeweils aus voller Kehle mit.

Das "Eidgenössische": das sind nicht nur drei Tage sportliche Leistung, sondern auch drei Tage durchprofessionalisiertes und wohlkommerzialisiertes Heimatgefühl.