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Traumfinal im College Football: Wenn der beste Quarterback auf den potenziellen Nachfolger trifft

Der Leckerbissen für Football-Gourmets ist angerichtet: Am Montagabend treffen im «National Championship Game» die LSU Tigers und die Clemson Tigers aufeinander. Im Mittelpunkt des College-Football-Endspiels stehen dabei die Quarterbacks Joe Burrow und Travor Lawrence, denen beiden eine grosse NFL-Karriere bevorsteht.

Nik Dömer
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Heisman-Trophy-Gewinner Joe Burrow steht derzeit im College Football allen vor der Sonne.

Heisman-Trophy-Gewinner Joe Burrow steht derzeit im College Football allen vor der Sonne.

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Es klingt schon fast ein bisschen nach Hollywood-Drehbuch: Im Endspiel der nationalen College-Meisterschaft «National Championship Game» trifft der Titelverteidiger Clemson Tigers auf die LSU Tigers. Beide Teams haben in dieser Saison alle Spiele (14-0) gewonnen.

Beim Finalspiel begegnen sich aber nicht nur die besten College-Teams, sondern auch zwei der besten College-Quarterbacks des Landes: Joe Burrow (23) und Trevor Lawrence (21). Beiden steht eine grosse NFL-Karriere bevor.

Der Superstar der Liga

Joe Burrow von der LSU ist in dieser Saison spätestens seit der Verletzung von seinem grössten Kontrahenten Tua Tagovailoa der absolute Superstar. Zugetraut hat ihm dies zuvor kaum einer: Der 1,93-Meter-Hüne spielte bis vergangene Saison kaum eine Rolle im College-Football, bei seiner alten Universität Ohio State musste er sich sogar mit der Backup-Rolle abfinden.

Doch mit dem Wechsel an die LSU im Jahr 2018 hat Burrow alles richtig gemacht. Zum ersten Mal konnte er sein Potenzial richtig ausschöpfen und setzte sich dementsprechend als Starter durch.

In der aktuellen Spielzeit versetzt Burrow alle ins Staunen. Der Quarterback wirft genau, extrem genau: 77,6 Prozent seiner Würfe landen in den Händen eines Mitspielers. Der beste Wert unter allen College-Quarterbacks. Seine 55 Touchdowns (Bestwert) sowie seine 5'208 angebrachten Yards (zweitbester Wert) sind ebenfalls bemerkenswert.

Logische Folge: Burrow wird im Dezember mit der «Heisman Trophy» als bester College-Spieler der Vereinigten Staaten ausgezeichnet. Seine Vorgänger waren zuletzt bekannte NFL-Quarterbacks wie Lamar Jackson, Baker Mayfield und Kyler Murray.

Joe Burrow – der beste College-Spieler des Landes – ist derzeit heiss begehrt.

Joe Burrow – der beste College-Spieler des Landes – ist derzeit heiss begehrt.

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Natürlich war die Auszeichnung für den Quarterback – der sich in seinem letzten College-Jahr befindet – keineswegs ein Grund, um sich zurückzulehnen und enspannt den NFL-Draft Ende April abzuwarten. Im Gegenteil. Die LSU wurde nämlich als bestes Team des Landes eingestuft und qualifizierte sich damit für die Playoffs, bei denen nur vier Teams um den Einzug ins Finalspiel spielen können.

So werden die vier Playoff-Teilnehmer ausgewählt

Ein 13-köpfiges Gremium aus ehemaligen College-Football-Grössen, Journalisten und Politiker erstellt ein Ranking der besten 25 College-Football-Teams des Landes. Berücksichtigt werden dafür die über 120 College-Teams aus der höchsten Division (Division I).

Für das Ranking sind nicht wie bei der NFL zwingend die Bilanzen oder Division-Siege entscheidend, sondern es wird auch die Schwierigkeit des Spielplans einberechnet, da die Divison-I-Teams in 10 unterschiedlichen Conferences ihre Spiele austragen.

Das Gremium bestimmt ausserdem auch die Setzliste der vier Playoff-Kandidaten. In den Halbfinals spielt das auf Nummer 1 gesetzte Team gegen die Nummer 4 und die an Nummer 2 und 3 gesetzten Mannschaften treffen aufeinander.

Wie schwierig und heikel solche Entscheidungen sein können, zeigt das aktuelle Beispiel aus den vergangenen Playoff-Halbfinals auf: Ohio State, LSU und Clemson hatten allesamt eine Bilanz von 13-0.

Burrow traf darauf Ende Dezember mit den LSU Tigers auf die Oklahoma Sooners und zerlegte dabei den Gegner praktisch im Alleingang. 7 Passing-Touchdowns, 1 Rushing-Touchdown und 493 Yards – Burrow präsentierte den Zuschauer eine Show, wie sie es noch selten gesehen haben.

Dass er nach der Partie vor den Medien noch erklärte, dass dies nicht sein genaustes Spiel gewesen sei, kann nur als Kampfansage verstanden werden.

Den Kritikern das Maul gestopft

Burrows Ansage geht ganz klar in Richtung Clemson Tigers und deren 20-jährigen Quarterback Trevor Lawrence. Während die LSU bereits seit 12 Jahren auf einen nationalen Titel wartet, stand Lawrence und seine Tigers bereits in der vergangenen Saison allen vor der Sonne.

Lawrence ist wie Burrow ein absolutes Ausnahmetalent mit hoher Pass-Genauigkeit und guter Übersicht. Einziger Unterschied: Der 1,98 Meter grosse Clemson-QB hat bereits einen nationalen Titel im Sack. Lawrence krönte die vergangene Saison im Endspiel mit einem 44:16-Sieg gegen Alabama. Dies gelang zuvor seit 33 Jahren keinem Freshman mehr.

Der Hype um das junge Supertalent war gigantisch, ebenso wie die Erwartungshaltung vor der aktuellen Spielzeit. Der Druck bereitete Lawrence zu Beginn etwas Mühe, in den ersten drei Partien warf er gleich viele Touchdowns wie Interceptions. Doch der Youngster steigerte sich daraufhin schnell, stopfte den Kritikern das Maul und führte sein Team erneut ins grosse Finale.

Lawrence ist nicht nur für seinen guten Wurfarm bekannt, sondern auch für seine Haarpracht.

Lawrence ist nicht nur für seinen guten Wurfarm bekannt, sondern auch für seine Haarpracht.

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Seine Statistiken sind in dieser Saison zwar nicht so überragend wie die von Burrow, wenn man allerdings bedenkt, dass Lawrence noch kein College-Spiel in seiner Karriere verloren hat und bereits in seinem zweiten Jahr erneut im «Championship Game» steht, muss man ihm diese Konstanz hoch anrechnen.

Denn der Weg ins zweite Endspiel war alles andere als leicht. Gegen die Ohio State Buckeyes wurde den Clemson Tigers im Playoff-Halbfinal alles abverlangt. Lawrence kassierte beim Stand von 0:16 für die Buckeyes einen sehr bösen Hit. Für kurze Zeit sah es sogar danach aus, als ob er nicht mehr weiterspielen würde.

Lawrence kassierte beim Stand von 0:16 für die Buckeyes einen sehr bösen Hit. Für kurze Zeit sah es sogar danach aus, als ob er nicht mehr weiterspielen würde. Doch der QB kehrte zurück, erlief selber einen Touchdown und drehte mit seinem Team die Partie.

Nun treffen im Mercedes-Benz-Superdome (dem Stadion der New Orleans Saints) also zwei absolute Top-Quarterbacks aufeinander. Für College-Football-Fans ist es ein absoluter Traumfinal. Nicht nur, weil «Heisman Trophy»-Sieger Burrow auf seinen potenziellen Nachfolger trifft, sondern weil Clemson mit der wohl stärksten Defense des Landes auf die LSU mit der stärksten Offense spielt.

Eines ist bei dieser Affiche schon jetzt praktisch sicher: Für Lawrence und Burrow wird es nicht der letzte Besuch auf dem Feld im Superdome bleiben.

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