Tottenham

Tottenham eine Nummer zu gross

Peter Crouch war die überragende Figur bei Tottenham.

Peter Crouch war die überragende Figur bei Tottenham.

Nach dem 3:2-Heimsieg verlieren die Young Boys das Rückspiel an der White Hart Lane diskussionslos 0:4 und werden mit dem Gesamtskore von 3:6 in die Europa League verwiesen. YB erhielt eine Lehrstunde internationalen Fussballs.

Markus Brütsch, London

Die Champions-League-Träume der Young Boys sind im Bindfadenregen von London brutal weggespühlt worden. Mit einer guten Leistung erspielte sich Tottenham einen verdienten 4:0-Sieg und zog mit dem Gesamtskore von 6:3 erstmals in seiner Vereinsgeschichte in die Champions League ein. Als es vor 48 Jahren letztmals in der Königsklasse dabei war und bis in den Halbfinal vorstiess, hiess der Wettbewerb noch Meistercup.

Kein erneutes Unterschätzen

Die Engländer liessen von Beginn an erkennen, dass sie die Schweizer Hoffnungen auf ein erneutes Unterschätzen nicht erfüllen würden. Im selben Stil, in dem sie zehn Tage zuvor in der Premier League Manchester City während einer halben Stunde an deren Strafraum festgenagelt hatten, setzten sie die Gäste unter Druck.

Und sie liessen auch kaum nach, als sie nach einer halben Stunde eine beruhigende 2:0-Führung herausgeschossen hatten und nach einer Stunde gar das 3:0 durch einen Kopfball von Peter Crouch. Dass der schlaksige Nationalspieler schliesslich auch noch das 4:0 (77.) per Foulelfmeter schoss, war nur noch bitter für die Gäste. Tottenham aber hatte wissen lassen, weshalb es in dieser prickelnden lauten Atmosphäre von 63 Europacupspielen zu Hause erst drei Partien verloren hat und in der Neuzeit seit Dezember 2009 an der White Harte Lane ungeschlagen ist.

Überragender Peter Crouch

Es ist mit dieser Deutlichkeit festzuhalten: Die Young Boys waren an diesem Abend für Tottenham eine Nummer zu klein. Sie waren zu keinem Zeitpunkt fähig, ihr sonst so gepflegtes Kombinationsspiel aufzubauen. Die fehlende Erfahrung war fast immer und überall zu spüren. Die physische Präsenz der Heimmannschaft war allgegenwärtig.

Im Abwehrzentrum hatten die Nationalspieler Michael Dawson und der im Vergleich zum Hinspiel zurückgekehrte Ledley King alles im Griff und auch im Mittelfeld waren Tom Huddlestone und Wilson Palacios diesmal dem Dreiergremium der Berner mit Moreno Costanzo, Thierry Doubai und Xavier Hochstrasser überlegen. Das Prunkstück aber war der Angriff mit Peter Crouch - auch er hatte in Bern gefehlt - und Jermain Defoe.

Defoe wird nun operiert

Letzerer hatte angekündigt, Tottenham werde diesmal von Beginn weg Vollgas geben. Blabla? Verbales Geplänkel im Vorfeld? Mitnichten! Tottenham begann so stürmisch wie YB acht Tage zuvor im Stade de Suisse. Der vielgerühmte Waliser Gareth Bale flankte und Mittelstürmer Peter Crouch traf mit dem Kopf nach fünf Minuten zum 1:0. Dass YB-Verteidiger Ammar Jemal sich im dümmsten Moment vom Torschützen wegbegeben hatte, wird noch Teil der Spielaufarbeitung durch YB-Trainer Vladimir Petkovic sein.

Das 2:0 nach 32 Minuten war dann bereits so etwas wie die Vorentscheidung im Regen von London. Wieder war der starke Bale der Vorbereiter, diesmal für Defoe. Obwohl der Torschütze den Ball mit der Hand mitgenommen hatte, zählte das Tor und Defoe kann sich nun in den nächsten Tagen beruhigt einer Leistenoperation unterziehen. Immerhin wird er damit Fabio Capello im EM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz fehlen.

Dies war die einzige gute Nachricht an diesem Abend aus Schweizer Sicht.

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