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Titel an Uchimura - Gisi überzeugt

Roman Gisi zeigte einen soliden Mehrkampf-Final

Roman Gisi zeigte einen soliden Mehrkampf-Final

Roman Gisi war an den Kunstturn-Weltmeisterschaften in London auch im Final der bessere Schweizer Mehrkämpfer und belegte den sehr guten 13. Platz.

Die Goldmedaille holte sich hoch überlegen der erst 20-jährige Japaner Kohei Uchimura.

Roman Gisi hat die interne Hierarchie in London auf den Kopf gestellt und Niki Böschenstein auch im Final in die Schranken gewiesen - um 0,3 Punkte. Der 24-jährige Baselbieter konnte seine sehr gute Qualifikationsleistung nicht nur bestätigen, sondern sich sogar noch um zwei Positionen verbessern. Für Gisi, der erstmals an einer grossen Meisterschaft alle sechs Geräte turnte, ist das gleichbedeutend mit dem bei weitem wertvollsten Resultat seiner Karriere. Doch wie es seiner selbstkritischen Art entspricht, war Gisi auch mit diesem Wettkampf nicht restlos zufrieden.

Niki Böschenstein konnte seine Möglichkeiten in der O2-Arena auch im Final nicht ausschöpfen. An fünf von sechs Geräten turnte er zwar gut und die Zielvorgabe von Cheftrainer Bernhard Fluck erreichte er auf den Rang genau. Selber hatte Böschenstein aber mit den Top Ten geliebäugelt. Nach vier Geräten hatte er noch den 5. Zwischenrang belegt. Dann trat er zu seiner Sorgendisziplin an. Am Pauschenpferd war nach den zwei Stürzen in der Qualifikation Wiedergutmachung angesagt. Das Vorhaben gelang nur halbwegs. Böschenstein turnte mit einem Ausgangswert von 4,3 Punkten die einfachste Übung aller Mehrkampf-Finalisten. Als er vom Podium stieg, glaubte er, wenigstens ohne grossen Fehler durchgekommen zu sein - bis er feststellen musste, dass ihm das Kampfgericht in einem umstrittenen Entscheid den Abgang nicht angerechnet hatte. Böschenstein wurde gleich um 15 Positionen zurückgeworfen. Im Vergleich zu 2005, als er in Melbourne den 13. Platz erreichte, büsste er in der Endabrechnung drei Positionen ein.

Nach dem Rücktritt von Yang Wei wurde in London ein neuer Turnkönig gesucht. Der Chinese hatte in den letzten drei grossen Kräftemessen stets die Oberhand behalten. 2006 in Aarhus und 2007 in Stuttgart gewann Wei WM-Gold. Zum perfekten Abschluss seiner Karriere wurde er letztes Jahr in Peking dann auch noch Olympiasieger. Dass der Nachfolger nicht aus dem eigenen Lager kommen würde, war schon vorher klar. Die Turnnation Nummer 1 delegierte nur Gerätespezialisten nach London.

So war der Weg frei für Kohei Uchimura. Als Olympia-Zweiter ist der 20-jährige Japaner quasi der logische Thronfolger. Nachdem Uchimura die Qualifikation mit fast 1,6 Punkten Vorsprung für sich entschieden hatte, distanzierte er den Rest der Konkurrenz nun sogar um mehr als 2,5 Punkte. Silber holte zur Freude des Publikums in der nur etwa zur Hälfte gefüllten O2-Arena Daniel Keatings. Der Brite hatte schon an den Europameisterschaften in Mailand den 2. Platz belegt.

London. Einzel-WM. Männer. Mehrkampf-Final: 1. Kohei Uchimura (Jap) 91,500 (Boden 15,625; Pauschenpferd 14,900; Ringe 15,225; Sprung 16,050; Barren 14,725; Reck 14,975). 2. Daniel Keatings (Gb) 88,925. 3. Juri Ryasanow (Russ) 88,400. 4. Kazuhito Tanaka (Jap) 88,300. 5. Maxim Dewjatowski (Russ) 87,475. 6. Kristian Thomas (Gb) 87,350. 7. Timothy McNeill (USA) 87,150. 8. Benoit Caranobe (Fr) 86,175. 9. Mikola Kuksenkow (Ukr) 86,125. 10. Enrico Pozzo (It) 86,100. Ferner: 13. Roman Gisi 85,075 (14,225; 13,875; 14,175; 15,125; 13,525; 14,150). 16. Niki Böschenstein 84,775 (14,425; 11,775; 14,250; 15,600; 14,625; 14,100). - 24 klassiert.

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