Rücktritt

Thronfolger gesucht: Wer wird nach Darts-Legende Phil Taylor das neue Zugpferd der Sportart?

Die Karriere von Phil Taylor ist nach der WM-Final-Niederlage zu Ende. Die populäre Sportart befindet sich auf der Suche nach einem neuem Zugpferd. Doch wer könnte das bloss sein?

Ein paar Millimeter fehlen Phil Taylor zu einem letzten Meilenstein in seiner glorreichen Karriere, in der er insgesamt 16 WM-Titel sammelte. Es läuft der fünfte Satz des WM-Finals, den er im Alter von 57 Jahren sensationell noch einmal erreicht hat. Rob Cross heisst sein Gegner und Taylor verpasst seinen ersten WM-Neun-Darter, das perfekte Spiel in seinem Sport, hauchdünn.

Taylors Reaktion? Er lacht. Wer den sonst so ehrgeizigen Akteur aus Stoke-on-Trent kennt, sieht: Der König ist bereit, sein Zepter abzugeben.

Phil Taylor verpasst den 9-Darter im WM-Final gegen Rob Cross um Haaresbreite

Dann bricht Taylor weg, der junge Engländer Cross, seinerseits in seinem ersten WM-Final überhaupt, sichert sich dank einer epischen Leistung den Titel. 7:2 gewinnt er am Ende. Ein Final-Resultat, so deutlich wie seit 2009 nicht mehr. Damals zermarterte ein gewisser Phil Taylor seinen Gegner.

Doch irgendwie wirkt das alles surreal. Cross schafft in seinem ersten Jahr als Profi das, worauf andere Spieler ein Leben lang warten. Doch der erst 27-jährige Elektriker möchte gar nicht recht jubeln. Zu gravierend scheint ihm, der bei Taylors erstem WM-Titel noch nicht einmal geboren war, der Einschnitt, den sein Erfolg soeben in die Welt des Dartssports besiegelte.

Coldplay zum Abschied

Darum reicht er seine Trophäe sofort an Taylor weiter. «Ich fühle mich grossartig. Aber es geht hier um Phil Taylor. Es ist sein Turnier», sagt er kurz nach der Partie.

Es sind keine leeren Worte. Vielmehr ist es eine Hommage an den Mann, der den Sport prägte wie keiner zuvor. Der König, der insbesondere um die Jahrtausendwende dominierte und in der Professionalisierung des Sports mit der PDC-Verbandsgründung federführend war, tritt zu Coldplays «Viva la Vida» ab. «I used to rule the world» (deutsch: «Ich war mir gewohnt, die Welt zu regieren») tönt es da im Refrain. Passender geht es kaum.

Phil Taylor gelingen zwei 9-Darter in einem Match

«Phil Taylor hat das Niveau im Dartssport auf ein völlig neues Niveau gehoben. Was er damals spielte, war sagenhaft», erinnert sich Thomas Gerock, der Schweizer Darts-Nationaltrainer.

Eine solche Dominanz sieht er aktuell nicht mehr: «Heute gibt es zehn bis fünfzehn Top-Spieler, die dieses Niveau abrufen können. Die Weltspitze ist viel breiter als vor ein paar Jahren». Darum wird es auch keinen neuen Taylor geben. An die Stelle des einzelnen Pioniers tritt eine neue Generation. Ein Machtwechsel, der schon vor Jahren Einzug hielt. Anders ist nicht zu erklären, warum es seit Taylors letztem Titel 2013 ganze vier neue Weltmeister gab.

Darts ist heute nicht mehr Phil Taylor. Der Sport hat sich von seiner Ikone emanzipiert. Dass dies eine Gefahr sein kann, weiss auch Gerock: «Der Dartssport lebt von seinen Typen. Die Leute gingen immer schon Taylor oder Bristow schauen und nicht einfach Darts.» Droht dem Dartssport ohne Taylor ein Identitätsverlust? «Nein, denn es gibt viele Spieler auf der Tour, die diese Lücke füllen werden.»

Der Machtwechsel

Vor einem Jahr hätte niemand Cross zu diesem Kreis gezählt. Ob er sich in der Weltspitze halten kann und ob ihm dieser frühe Titel überhaupt gut tut, wird die Zukunft zeigen. Für Gerock sind es vorderhand andere, die prägend sein werden: «Viele Spieler sind sportlich gesehen glücklich, dass Taylor geht. Leider für sie bleibt Van Gerwen. Daher werden auch künftig nur die zweiten Plätze vergeben.»

Einige High-Finishes von Phil Taylor

Der Weltranglistenerste ist der naheliegendste sportliche Taylor-Nachfolger. Doch wegen seiner übertriebenen Gestik und teilweise unsportlichen Verhaltens neben der Bühne hat er nicht nur Fans. «Die beiden sind gar nicht so verschieden, wie man meint. Beide sind extrem determiniert. Auch Taylor ist für viele ein rotes Tuch, was die Sympathie betrifft», sagt Gerock.

Aber genau das scheint dieser Sport zu brauchen: Charaktere an denen man sich reiben kann.
An dieser WM sorgten aber die jungen Wilden für die Schlagzeilen. Der Halbfinalist Jamie Lewis, der junge Dimitri van den Bergh, der gar nicht wusste, wie er mit den Jubelgesängen auf seinen Namen umgehen sollte oder eben Rob Cross waren die Gesichter des Turniers. Sie werden künftig neben Grössen wie Van Gerwen das ehemalige Königreich Taylors regieren.

Phil Taylor bedankt sich

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