Thaiboxen
Thaiboxer kämpft trotz «Fall Carlos» um den Weltmeistertitel

Der Trainer des Zürcher Straftäters kämpft um den Weltmeistertitel und um seinen Ruf. Telebasel will auf die Übertragung des Kampfs trotz Kritik nicht verzichten. Derweil geht der Thaibox-Verband auf Distanz zum zehnfachen Weltmeister.

Nicolas Drechsler
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Shemsi Beqiri ist seit einigen Tagen nicht mehr nur den Kampfsportfans in der Schweiz ein Begriff, sondern auch der breiten Öffentlichkeit.

Der zehnfache Weltmeister im Thaiboxen hat dem mittlerweile landesweit bekannten Gewalttäter «Carlos» seit mehr als einem Jahr Thaibox-Unterricht gegeben. Damit wollte die Zürcher Jugendstaatsanwaltschaft den jungen Mann auf den rechten Weg bringen.

Beqiri selbst geriet in den Sog der Aufregung, indem seine eigenen Vorstrafen zum Thema wurden. Er wurde von der Basler Staatsanwaltschaft per Strafbefehl gebüsst, weil er und sein Bruder sich mit seinem ehemaligen Trainer in der Basler Freien Strasse eine Schlägerei geliefert hatten.

Oft zu Gast im Studio

Beqiri ist seither gern gesehener Gast in den Talkshows der Privat- und Staatssender der Schweiz.

Und ein weiterer grosser Auftritt steht an: Am Samstag, 14. September, strahlt Telebasel eine Aufzeichnung der fünften «Superpro Fight Night aus, die morgen in Basel stattfindet.

Den Hauptkampf bestreitet Beqiri. Gegen den Österreicher Foad Sadeghi verteidigt er seinen Weltmeistertitel des World Fighting Council (WFC).

Die Sendung stellt Telebasel-Geschäftsführer Dominik Prétôt auch nach dem Fall «Carlos» nicht infrage: «Diese Boxnacht haben wir schon mehrfach gezeigt und damit nur gute Erfahrungen gemacht.»

Es gehe dabei nicht nur um Einschaltquoten, sondern vor allem auch darum, «den Kampfsport aus dieser Schmuddelecke herauszuholen, in die er immer wieder gestellt wird.»

Die aktuelle Diskussion ändere nichts an der guten Zusammenarbeit mit Beqiri und seinem Superpro-Sportcenter in der Baselbieter Gemeinde Reinach. «Wir haben Beqiri und sein Team immer als absolut professionell und sehr zuverlässig erlebt», charakterisiert Dominik Prétôt die Zusammenarbeit.

Heftige Kritik an Beqiri

Dass Beqiri auch bei den Zuschauern seines «Haussenders» nicht nur auf Zustimmung stösst, zeigt ein Blick ins Gästebuch von Telebasel. Dort überbieten sich die – meist anonymen – Kommentatoren geradezu in Verurteilungen von Carlos, Beqiri und dem Sender, der den «Schlägern» eine Plattform biete.

Ebenfalls auf Distanz zu Beqiri geht der schweizerische Thaibox-Verband SMTV. Er teilt mit, er werde den Ausschluss Beqiris prüfen.

Sekretär Gianfranco Manzan sagt dazu, dass erst geklärt werden müsse, ob Beqiri «vorbestraft sei oder nur eine Busse erhalten hat». Mit dem Kampf, den Telebasel ausstrahlen wird, habe der Verband nichts zu tun: «Das läuft über den holländischen Promoter ‹Superpro›, mit dem Beqiri einen Vertrag hat.»

(6.9.2013)

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