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Tennis Europe fristet in Basel ein Schattendasein

Marcos Baghdatis of Cyprus returns the ball to David Ferrer of Spain during their Madrid Open tennis match May 12, 2010. REUTERS/Andrea Comas (SPAIN - Tags: SPORT TENNIS)

Das gute Gewissen des Tennis

Marcos Baghdatis of Cyprus returns the ball to David Ferrer of Spain during their Madrid Open tennis match May 12, 2010. REUTERS/Andrea Comas (SPAIN - Tags: SPORT TENNIS)

Seit 35 Jahren hat Tennis Europe seinen Hauptsitz in Basel – und kaum einer weiss es. Tennis Europe ist vergleichbar mit der Uefa im Fussball. Doch im internationalen Rampenlicht stehen die Spielerorganisationen ATP und WTA. Zu Unrecht, denn der Verband tut viel für die Tennisförderung und den Nachwuchs.

Fabian Kern

In dem Wohnhaus unterhalb des Bruderholzes in Basel würde wohl niemand den Hauptsitz eines internationalen Sportverbands vermuten. Nur ein kleines Schild neben dem Eingang verrät, dass sich in dem Mehrfamilienhaus Tennis Europe niedergelassen hat. «Uns ist sehr wohl in Basel», sagt CEO Olli Mäenpää. Der Finne, der einem zwölfköpfigen Team vorsteht, befindet sich in der anstrengendsten Zeit des Jahres.

Entwicklungshilfe für Tennis

«In Paris und Wimbledon sind alle wichtigen Verhandlungspartner an einem Ort. So kann ich Zeit und Reisen sparen», sagt Mäenpää. Verhandlungspartner, das sind die CEOs der nationalen europäischen Verbände, die Vertreter der Tennisindustrie, der Managementagenturen, der Spielerorganisationen ATP, WTA, dem Weltverband ITF sowie Sponsoren.

Die Kernaufgabe von Tennis Europe ist das, was man in der Wirtschaft «Entwicklungshilfe» nennen würde. «Wir versuchen, Tennis in allen Ländern bekannt zu machen», sagt Mäenpää. Als Paradebeispiel nennt der 45-jährige Marcos Baghdatis. Der Zypriote, ehemaliger Top-Ten-Spieler und Publikumsliebling an den Swiss Indoors, wurde von Tennis Europe ab seinem 12. Lebensjahr unterstützt.

Dadurch hat Baghdatis den Durchbruch an die Weltspitze geschafft und wurde zum Volkshelden in seiner Heimat. Und Tennis Europe hat auch etwas davon. «Dank ihm spielen mehr Leute in Zypern Tennis und das Interesse an den TV-Übertragungen ist stark gestiegen», erklärt Mäenpää. Ähnliche Projekte laufen zurzeit in Osteuropa.

Über sieben Millionen investiert

Die Unterstützung, welche Länder oder einzelne Spieler erhalten, besteht aber nicht aus Geld. «Wir bieten den Ländern Know-how», sagt Mäenpää. Dieses reicht von Ideenaustausch über Trainerausbildungen und Marketingkampagnen bis zu Ausrüstung. In diese Hilfe zur Selbsthilfe hat Tennis Europe in den vergangenen zehn Jahren über sieben Millionen Franken investiert.

Ausgaben, die auch wieder hereingeholt werden müssen, auch wenn Tennis Europe ein Non-Profit-Unternehmen ist. Dies geschieht zu einem grossen Teil über die Teilnahmegebühren an den von Tennis Europe organisierten Turnieren.

1100 Anlässe pro Jahr

1100 Events pro Jahr werden von Basel aus koordiniert, die Hälfte davon Profi-Turniere der untersten Stufe, dem «Entry Level». Hinzu kommen 300 Juniorenturniere, das beste davon die Tennis Europe Junior Masters, deren Siegerlisten Namen wie Ivan Lendl, Steffi Graf, Boris Becker, Martina Hingis, Justine Henin oder Rafael Nadal aufführen. Gewährleistet sind die Einnahmen dank der grossen Zahl an Tennisspielern, die jährlich noch grösser wird. «Wir sind nicht auf der riskanten Seite des Sports», sagt Mäenpää. Doch um den Status zu halten, muss der Finne viel Arbeit investieren – wie gegenwärtig in Paris: «Es ist paradox, ich bin täglich etwa 12 Stunden an den French Open, aber Tennis sehe ich kaum.»

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