Wettingen
Taktik ist das A und O

Will das Frauenteam von Rotweiss Wettingen am Europacup vor heimischem Publikum auf der Bernau bestehen, braucht es eine gute Taktik. Diese benötigen nicht nur die Akteure, auch Andreas «Res» Müller, der Teams, Betreuer und Offizielle während sechs Tagen unterbringen muss.

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Andreas Res Müller

Andreas Res Müller

Aargauer Zeitung

Alexander Wagner

Der Europacup der Frauen erfordert viel Fingerspitzengefühl. Einerseits brauchen es die Spielerinnen auf dem Kunstrasen, anderseits benötigt es auch Res Müller: Der 46-jährige Wettinger ist für die Unterbringung der sieben Teams aus ganz Europa zuständig (die «Rotweissen» schlafen zu Hause). Müller muss aber nicht nur die Mannschaften, sondern auch Trainer, Betreuer, Schiedsrichter und Funktionäre klug auf verschiedene Standorte verteilen.

Logistische Riesenübung

Pro Mannschaft rechnet Müller (Geschäftsführer beim Elektronik-Grosshändler Medion) mit rund 25 Personen. Zu den 18 Spielerinnen kommen mehrere Trainer und Betreuer hinzu. Daneben gibt es noch den Turnierdirektor, die Schiedsrichter und andere Offizielle. Das sind zwei grosse «Posten». Zum einen ist da der finanzielle Aspekt. «Rotweiss» muss für rund 15 Funktionäre die vollen Übernachtungs-, Verpflegungs- und Shuttlekosten übernehmen. Ausserdem zahlt der Verein die kompletten Reisekosten von vier Offiziellen. Allein für diese Aufwendungen müssen die «Rotweissen» 15 000 Franken aufwerfen. Das Budget des gesamten Anlasses beträgt rund 50 000 Franken. Das Risiko geht zulasten des Vereins.

Gäste auch aus China

Anderseits ist das logistische Problem zu lösen: Fast jeder reist individuell an und ab. Im Rahmen eines internationalen Austauschs kommt über die Pfingstfeiertage auf dem neuen Kunstrasen der Bernau sogar eine chinesische Schiedsrichterin zum Einsatz. Sie reist bereits am Mittwoch an. «Sie bekommt von dem Moment an, wo wir sie am Gate im Flughafen abholen, bis zu ihrer Rückreise am Dienstag eine Rundumversorgung», sagt Müller.

Informationen

Mehr über den Landhockey-Europacup der Frauen mit Rotweiss Wettingen im Internet unter: www.rww.ch

Lange Vorbereitungszeit

Begonnen hat Müllers Job bereits vor sieben Monaten, als «Rotweiss» die Turnieraustragung zugesprochen bekam. Schwierig, den ersten Kontakt zu den Vereinen herzustellen, besonders zu Klubs aus der einstigen Sowjetunion. Die Sprachbarrieren sind aber das kleinere Problem. Das andere gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Es gilt herauszufinden, wer in welchem Verein für was zuständig ist.

Vor über einem halben Jahr musste der Ex-Spieler die ersten Hotelzimmer reservieren. Idealerweise müsste ein Turnierhotel zur Verfügung stehen, in dem man alle Spieler mit Entourage unterbringen könnte. Doch ein solches fehle leider in Wettingen. «Wir versuchen immer, das Wettinger Gewerbe zu berücksichtigen», betont Müller, dessen Bruder das Tägi leitet. Doch diesmal geht es nicht.

Neben den vielen Hotelbetten werden auch hohe Ansprüche an die Infrastruktur gestellt. «Die Wünsche der Teams sind gigantisch», weiss Müller aus Erfahrung. So gibt es vor allem beim Essen oder bei der Zimmerbelegung viele Besonderheiten zu berücksichtigen. Doch Müller ist bemüht, wenn immer möglich alles so zu richten, wie es die Mannschaften wünschen. «Wir wollen ein guter Gastgeber sein», lächelt er. So hat «Rotweiss» für jedes Team einen Betreuer, der sich in seiner Muttersprache mit den sieben Mannschaften unterhalten kann.

«Bei Sonderwünschen müssen wir kreativ sein. Es ist ein hoher Aufwand für den Verein, zeitlich und finanziell», räumt Müller ein. Zugute kommt ihm, dass er diese Knochentour mit «Rotweiss» nicht zum ersten Mal macht und so vom vorhandenen Know-how profitieren kann. Zudem verfügt der Verein über ein eingespieltes OK, das zusammenhält. «Die Kameradschaft motiviert enorm und entschädigt für vieles.»

Ruhe vor dem zweiten Sturm

Wenn alle angekommen und einquartiert sind, hat Müller eine Pause und kann ansatzweise die Spiele geniessen. Sobald es an die Abreise geht, wird es erneut turbulent. Erst wenn am Dienstag die Letzten auf der Heimreise sind, wird es auch für Res Müller wieder ruhiger.