Gross
Stolperte Gross über Fritz Schmid?

Die Zeit drängt. Schon in drei Wochen soll das Training wieder aufgenommen werden. Wer den FC Basel in der neuen Saison betreut, ist noch offen.

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FCB-Assistenztrainer Fritz Schmid

FCB-Assistenztrainer Fritz Schmid

Keystone

François Schmid-Bechtel und Fabian Kern, Basel

Eine Rückkehr zu GC schliesst Gross aus. Was nicht bedeutet, dass er zwingend ein Engagement im Ausland anstrebt. Doch YB hat seinen Trainer, der FCZ ebenfalls. Dass ein anderer Klub infrage kommt, ist eher unwahrscheinlich. Klar ist aber, dass Gross irgendwann mal Nationaltrainer werden will. Schaltet er ein Sabbatical ein, um 2010 Ottmar Hitzfeld abzulösen, falls dieser dann wirklich aufhört?

Oder versucht sich Gross doch noch im Ausland? England, wo er 1997 ein glückloses, von der Öffentlichkeit von Beginn weg als absurde Idee abgestempeltes Gastspiel gegeben hat, wäre ein hartes Pflaster. In Deutschland war er immer wieder mal ein Thema, hat aber stets einen Rückzieher gemacht. Ausserdem hat er nicht das Standing, das es ihm erlauben würde, Machtansprüche zu stellen. Beim Hamburger SV, der auf Trainersuche ist, müsste er sich mit einem etablierten Sportchef (Beiersdorfer), einem mächtigen Präsidenten (Hoffmann) und mit einer gut vernetzten Frau (Katja Kraus) arrangieren. Es gibt etliche FCB-Fans, die gestern aufgeatmet haben, als sie von der Entlassung des 54- jährigen Zürchers gehört haben.

Die grosse Befreiung Kommentar von François Schmid-Bechtel 2006 hat der FCB keinen Titel gewonnen, trotzdem hielt man an Christian Gross als Trainer fest. Was ist heute anders? Gross und der FCB haben sich in der Zwischenzeit auseinandergelebt. Zwar wird als Trennungsgrund der fehlende Titelgewinn aufgeführt, doch das ist längst nicht die ganze Wahrheit.  Wer den Feind umarmt, macht ihn bewegungsunfähig. Doch Gross hat genau das Gegenteil gemacht. Im Januar schasste er seinen Assistenten Fritz Schmid, der bei den Spielern beliebt ist und von Präsidentin Oeri geschätzt wird. Es war eine unüberlegte Machtdemonstration.  Zwischen Oeri und Gross hat es nicht erst seit der Affäre Schmid geknistert. Oeri proklamiert den lukrativen Weg der Jugendförderung, Gross trauert dem Verlust des Routiniers Daniel Majstorovic nach. Oeri will Titel und Transfererlöse, Gross will nur Titel. Oeri will schönen und erfolgreichen Fussball, Gross will nur erfolgreichen. Oeri will Macht, Gross auch. Der FCB steckte in einer Sackgasse.  Trotz der Disharmonie haftet der Trennung etwas Absurdes an. Denn noch im Dezember hatte man den Vertrag mit Gross um zwei Jahre verlängert. Dabei war man sich schon damals bewusst, dass aus Gross nicht über Nacht ein ausgewiesener Philanthrop würde. Der Verdacht liegt nahe, dass damals eine Klausel ausgehandelt wurde, die es dem FCB erlaubt, bei Misserfolg den Vertrag zu relativ kostengünstigen Konditionen aufzulösen. Jedes andere Vorgehen wäre unglaublich dilettantisch.  francois.schmid@azag.ch

Die grosse Befreiung Kommentar von François Schmid-Bechtel 2006 hat der FCB keinen Titel gewonnen, trotzdem hielt man an Christian Gross als Trainer fest. Was ist heute anders? Gross und der FCB haben sich in der Zwischenzeit auseinandergelebt. Zwar wird als Trennungsgrund der fehlende Titelgewinn aufgeführt, doch das ist längst nicht die ganze Wahrheit. Wer den Feind umarmt, macht ihn bewegungsunfähig. Doch Gross hat genau das Gegenteil gemacht. Im Januar schasste er seinen Assistenten Fritz Schmid, der bei den Spielern beliebt ist und von Präsidentin Oeri geschätzt wird. Es war eine unüberlegte Machtdemonstration. Zwischen Oeri und Gross hat es nicht erst seit der Affäre Schmid geknistert. Oeri proklamiert den lukrativen Weg der Jugendförderung, Gross trauert dem Verlust des Routiniers Daniel Majstorovic nach. Oeri will Titel und Transfererlöse, Gross will nur Titel. Oeri will schönen und erfolgreichen Fussball, Gross will nur erfolgreichen. Oeri will Macht, Gross auch. Der FCB steckte in einer Sackgasse. Trotz der Disharmonie haftet der Trennung etwas Absurdes an. Denn noch im Dezember hatte man den Vertrag mit Gross um zwei Jahre verlängert. Dabei war man sich schon damals bewusst, dass aus Gross nicht über Nacht ein ausgewiesener Philanthrop würde. Der Verdacht liegt nahe, dass damals eine Klausel ausgehandelt wurde, die es dem FCB erlaubt, bei Misserfolg den Vertrag zu relativ kostengünstigen Konditionen aufzulösen. Jedes andere Vorgehen wäre unglaublich dilettantisch. francois.schmid@azag.ch

Aargauer Zeitung

Vielleicht wird sich diese Erleichterung schon bald in Ratlosigkeit verwandeln. Insbesondere, wenn sie sich mit den Namen auseinandersetzen, die gerüchteweise kursieren. Immerhin ist Gross der erfolgreichste Schweizer Klubtrainer. Umso schwieriger ist es, ein solches Schwergewicht zu ersetzen - eine unvollständige Kandidatenliste:

FRITZ SCHMID Kurz nachdem Gross seinen Vertrag verlängert hatte, trennte er sich von seinem langjährigen Assistenten Fritz Schmid. Über die Gründe wurde viel spekuliert. Die Spieler sollen den Wunsch geäussert haben, Schmid solle Gross ersetzen. Oder es hiess, Gross wolle sich Gigi Oeris Spion entledigen. Logisch, dass die Präsidentin über die Machtdemonstration von Gross verärgert war. Schmid wird nun wieder zum Thema.

CIRIACO SFORZA Der rhetorische Seiltänzer hat nach einer ansprechenden Saison den FC Luzern mit seinem konzeptionslosen Wirken an den Abgrund geführt. Sforza wird vielleicht mal ein grosser Trainer, aber er ist es noch nicht.

MARCEL KOLLER Er weiss, wie man Titel gewinnt. Doch seine Verpflichtung wäre teuer. Kollers Gehaltsvorstellungen dürften sich von jenen von Gross nicht unterscheiden. Zudem müsste man ihn in Bochum aus einem laufenden Vertrag auslösen. Fraglich, ob er der Richtige ist, um junge Spieler zu fördern.

HEINZ HERMANN Gigi Oeri schwärmt von seiner Arbeit, die er als FCB-Nachwuchstrainer geleistet hat. Hermann ist nach seiner Entlassung in Vaduz wieder auf dem Markt.

CARLOS BERNEGGER Seit 2008 Ausbildungs-Chef beim FCB. Der argentinisch-schweizerische Doppelbürger kennt den Klub, ist ein hervorragender Ausbildner, hat Charisma und gilt als Teamplayer. Seine Intermezzi als GC-Cheftrainer waren stets von Erfolg begleitet. Die beste Wahl als Nachfolger von Gross.

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