Startschuss zur Europameisterschaft der Leichtathletik

Der fiktive Medaillenspiegel für Barcelona aufgrund der Leistungen an den Weltmeisterschaften 2009 in Berlin ergibt ein klares Bild. Russland und England werden die Leichtathletik-Europameisterschaften dominieren.

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Startschuss zu EM

Startschuss zu EM

Hans Leuenberger, Barcelona

Je 11 der insgesamt 47 Goldmedaillen würden die zwei grossen Nationen mit den Resultaten von Berlin abholen, Deutschland (5), Spanien (4) und Frankreich (3) hätten das Nachsehen. Doch in Barcelona werden die Karten neu gemischt. Die Gastgeber haben insbesondere im Mittel- und Langstreckenbereich mit Jesus España, Marta Dominguez, Natalia Rodriguez, Reyes Estevez sowie den starken Marathon-Teams ihre Trümpfe in der Hand.

Frankreich besticht mit einer Handvoll Top-Athleten. Mit Stab-Artist Renaud Lavillenie (5,94) und Dreispringer Teddy Tamgho (17,98) gehen zwei Nummern 1 der Jahresweltbestenliste an den Start. Auch Deutschland ist in den technischen Disziplinen eine Macht, angeführt von Diskus-Weltmeister Robert Harting.

Den ersten Höhepunkt bildet traditionsgemäss der 100-m-Final. Seit der Franzose Christophe Lemaitre als erster weisser Sprinter die 100 Meter unter zehn
Sekunden (9,98) durchmass, ist der Herausforderer von Dwain Chambers bekannt. Der 32-jährige Brite hatte bereits 2002 in München aufgetrumpft, seine Medaillen musste er jedoch wegen Dopings wieder zurückgeben. Es wäre der erste grosse Titel für den Hallenweltmeister.

Ohne die Sprintstars aus der Karibik und den USA sowie den Langstrecklern aus Afrika werden in erster Linie die technischen Disziplinen auf Weltklasse-Niveau ausgetragen. Spannung verspricht der Hochsprung der Frauen. Die zweifache Weltmeisterin Blanka Vlasic (Kro) will gegen Ariane Friedrich (De) und Olympiasiegerin Tia Hellebaut (Be) ihre erste EM-Medaille gleich in Form von Gold gewinnen. Im Speerwurf der Männer tritt der Norweger Andreas Thorkildsen an, derzeit Inhaber der drei grossen Titel. Und im Hochsprung der Männer ist der Jahresbeste Ivan Uchow der Favorit. Der Russe wird es besser machen als 2008 in Lausanne. Damals trat er (aus Liebeskummer) betrunken zur Athletissima an und scheiterte auf der Anfangshöhe von 2,17 m. Im Dreisprung will Newcomer Tamgho gegen Weltmeister Phillips Idowu (Gb) Gold holen.

Auch der Kampf um die Nachfolge von Jelena Isinbajewa, die eine schöpferische Pause einlegt, ist offen. Die besten Karten hält Weltmeisterin Anna Rogowska (Pol) in der Hand. Auf höherem Niveau wird es im Stabhochsprung der Männer zu- und hergehen. Der Jahresbeste Lavillenie wird von den Deutschen Malte Mohr und Raphael Holzdeppe herausgefordert. Im Diskus der Männer gibt es ein Gigantentreffen. Gerd Kanter (Est) und Piotr Malachowski (Pol) liegen in der Jahresbestenliste vor Weltmeister Harting.

Von den 14 europäischen Weltmeistern von Berlin treten deren elf an. Es sind dies Idowu, Harting, Thorkildsen, Valeri Borchin (Russ/20 km Gehen) und Sergei Kirdjapkin (50 km Gehen) sowie Marta Dominguez (3000 m Steeple), Blanka Vlasic, Anna Rogowska (Pol/Stab), Anita Wlodarczyk (Pol/Hammer), Jessica Ennis (Gb/Siebenkampf) und Olga Kaniskina (Russ/Gehen). Es fehlen die zurückgetretene Speerwerferin Steffi Nerius (De), Russlands Hochspringer Jaroslaw Ribakow und Sloweniens Hammerwerfer Primoz Kozmus.

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