Stansilas Wawrinka
Stansilas Wawrinka: «Wickeln gehört natürlich dazu»

An einem Tennisturnier der zweiten Klasse bereitet sich Stanislas Wawrinka in dieser Woche auf Wimbledon vor. Beim Challenger von Lugano will er seinen Titel verteidigen. Im Interview äussert sich der Schweizer Tennisprofi Stanislas Wawrinka über seinen Sport, seine Familie und Roger Federer.

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Stanislas Wawrinka wickelt seine Tochter gern

Stanislas Wawrinka wickelt seine Tochter gern

Keystone

Michael Wehrle, Lugano

Stanislas Wawrinka, wie gut sind Sie in Form?

Stanislas Wawrinka: Ich fühle mich gut, bin nur ein wenig müde, aber es geht.

Wieso müde?

Wawrinka: Die Saison auf Sand ist sehr lange, ich habe viele Matches gespielt. Ich spielte gute Turniere, auch in Roland Garros kam ich bis zum ersten Sonntag. Das ist die Müdigkeit, die sich nach einer gewissen Zeit in der Saison einstellt.

Sie spielen hier in Lugano ein Challenger-Turnier auf Sand. Wieso gehen Sie nicht zur Vorbereitung auf Wimbledon auf Rasen?

Wawrinka: Ich mache das nun seit zwei Jahren so, spiele keine Vorbereitungsturniere auf Rasen mehr. Ich reise eine Woche vor dem Turnier nach Wimbledon und trainiere dort. Das genügt mir. Ich fühle mich schnell wohl auf Rasen. Die ganze Rasensaison dauert ja nur drei, vier Wochen. Klar, Lugano ist nur ein Challenger, aber es ist ein Schweizer Turnier. Doch sie versuchen ein ATP-Turnier zu werden und da kann ich mit meiner Teilnahme helfen.

Sie sind verheiratet, haben ein Baby. Hat das viel verändert in Ihrem Leben?

Wawrinka: Klar, das Baby hat das ganze Leben verändert. Ich bin sehr glücklich über dieses kleine Mädchen. Das ist unglaublich, das sind für mich zauberhafte Momente. Ich habe noch nie solch intensive Gefühle empfunden. Ich verbringe mit meiner Tochter so viel Zeit wie es nur geht. Die Prioritäten haben sich verschoben. Die Motivation fürs Tennis ist noch immer dieselbe, aber neben dem Platz steht nun die Familie im Mittelpunkt.

Sind Ihre Frau und Ihre Tochter mit Ihnen in Lugano?

Wawrinka: Leider nein. Sie wollten eigentlich mitkommen. Aber meine Frau hat einiges zu erledigen, deshalb blieben sie zu Hause.

In Paris waren sie dabei?

Wawrinka: Ja, das habe ich genossen. Wir versuchen auch, dass sie nach Wimbledon mitkommen können. Das ist aber noch nicht sicher.

Sie mieten ein Haus in Wimbledon?

Wawrinka: Seit drei Jahren mache ich das. Es ist viel ruhiger und sehr angenehm.

Schlafen Sie nachts gut, trotz des Babys?

Wawrinka: Inzwischen ist das keine Sache mehr. Seit dem Turnier von Monte Carlo Mitte April schläft die Kleine durch. In Paris ging das sehr gut, sie ist immer ganz leicht eingeschlafen. Ich bin sehr zufrieden, wie das läuft.

Wickeln Sie so schnell wie Roger Federer?

Wawrinka: Das weiss ich nicht. Aber Wickeln gehört natürlich dazu. Ich möchte ja nichts verpassen. Sie wächst so schnell, entwickelt sich, das ist zauberhaft.

Was haben Sie sich für Wimbledon vorgenommen?

Wawrinka: Letztes Jahr habe ich sehr gut gespielt, ich kann das auf Rasen, mag das Spiel. Es hängt natürlich auch immer von der Auslosung ab. Das kann bei einem Grand-Slam-Turnier schon viel helfen. Ich versuche physisch, technisch und mental bereit zu sein und dann sehen wir weiter. Es ist aber möglich, dass ich in der ersten oder zweiten Runde ausscheide. Auf Rasen geht das schnell.

Ist es mental für Sie ein Problem, dass Sie noch nie den Viertelfinal eines Grand-Slam-Turniers erreicht haben?

Wawrinka: Nein nicht wirklich, beim ersten Achtelfinal gegen Juan Ignazio Chela habe ich in fünf Sätzen verloren. Letztes Jahr in Wimbledon gegen Andy Murray auch. Aber dieses Jahr spiele ich wirklich gut. Deshalb mache ich mir darüber keine grossen Gedanken.

Sie sind die Nummer 22 der Welt, aber nur die Nummer 2 der Schweiz. Ist das für Sie ein Problem?

Wawrinka: Ich bin das gewohnt. Als ich kam, war Roger halt schon da und er überstrahlt alles. Er ist der beste Spieler der Geschichte. Klar es gibt Länder, da wäre ich seit vier Jahren die klare Nummer eins. Aber in Frankreich oder Spanien wäre das auch nicht einfach. Es ist so, ich kann damit gut leben.

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