Michael Wehrle

Novak Djokovic, haben Sie schon etwas von der Stadt gesehen?
Novak Djokovic: Fast noch nichts, ich war fünf Tage bei meiner Familie in Genf, ich liebe diese Stadt und habe mich dort ein bisschen erholt. Für Basel hatte ich noch keine Zeit, ich hoffe das ändert sich.


Sie spielen zum ersten Mal hier?
Djokovic: Im Hauptfeld, ja, 2004 in der Qualifikation habe ich aber kein Match gewonnen. Das soll sich nun ändern.


Was halten Sie von einem Final gegen Roger Federer?
Djokovic: Das wäre natürlich toll, für alle: Organisatoren, Fernsehen und Fans. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg.


Sie haben keine schlechte Saison hinter sich, aber auch keine überragende. Drei Siege bei kleineren Turnieren entspricht nicht Ihren Ansprüchen.
Djokovic: Das ist richtig. Ich habe viele Finals verloren. Ich spielte auf Sand bis zu den French Open sehr gut, dann gabs einen Bruch. Ganz klar ist: Bei den Grand-Slam-Turnieren habe ich keinen guten Job gemacht. Aber das ist Tennis, ich hoffe, das wird nächstes Jahr besser. Seit Cincinnati läufts auch wieder, ich brauche Selbstvertrauen.


Warum liefs nicht nach Wunsch?
Djokovic: Zunächst wechselte ich vor der Saison das Racket, beschäftigte mich zu viel mit solchen Sachen. Aber du lernst immer wieder aus diesen Dingen. Dann erwartete ich zu viel von mir, setzte mich selbst zu sehr unter Druck. Da habe ich auch dem Platz das Momentum verloren. Aber grundsätzlich bin ich von dem Jahr nicht enttäuscht, ich spielte doch ziemlich konstant. Dominiert haben wieder einmal Rafael Nadal und Federer.


Sie haben aber Ihr Heimturnier in Belgrad gewonnen, wo Sie selbst als Organisator beteiligt sind.
Djokovic: Dieser Titel war für mich ein Traum. Das war nicht der grösste Titel, den ich bisher gewonnen habe, aber der emotionalste. Es war das erste Tennisturnier in der Geschichte unseres jungen Landes und ich wollte ein guter Organisator sein. Als ich hörte, dass alles gut ist, war ich sehr zufrieden. Die Geschichte dieses Turniers geht weiter, wenn ich gesund bleibe, möchte ich dort noch oft spielen. Das Turnier kann sich entwickeln.


Sie sind in Serbien ein Superstar. Können Sie ungestört auf die Strasse?
Djokovic: Ja, das geht schon, doch ich errege schon die Aufmerksamkeit der Leute. Sie beobachten einen auf der Strasse, im Café. Und ich stehe nicht so gern im Mittelpunkt.


Sind Sie deshalb öfter in Monte Carlo?
Djokovic: Genau, da kann ich viel besser entspannen.


Sie sind die Nummer drei der Welt. Führt kein Weg an Nadal und Federer vorbei?
Djokovic: Die beiden dominieren seit vier Jahren. Und ihre Rivalität ist eine der grössten im Sport überhaupt. Aber ich denke, es wird noch interessanter für die Fans, wenn nun Spieler wie ich, Andy Murray oder Juan Martin del Potro die beiden bedrängen. Fürs Tennis ist das gut, dass weitere Spieler kommen, das macht es interessanter.


Zuletzt waren viele Spieler verletzt, muss man den Kalender ändern?
Djokovic: Das ist heikel, da steckt ja viel Geld drin. Aber das Wichtigste sind die Spieler. Jeder, Fan, Organisator oder Sponsor, will die besten Spieler sehen. Ich glaube schon, dass wir etwas ändern müssen. Mit Roger und Rafa werde ich das nächste Woche in Paris diskutieren, wie sitzen ja alle drei im Spielerrat. Wir müssen einen Kompromiss finden.


Sie sitzen mit Ihren grössten Rivalen im Spielerrat, gibts eigentlich richtige Freundschaften?
Djokovic: Kaum, wir sind dann doch wieder Rivalen auf dem Feld. Den engsten Kontakt habe ich mit den Spielern aus Kroatien und Serbien, beispielsweise Marin Cilic, Ivan Ljubicic, Janko Tipsarevic, wir sprechen die gleiche Sprache.


Ihr Vater wollte, dass Sie Ski- oder Fussballprofi werden, Sie nicht?
Djokovic: Ich habe mit fünf Jahren meine Liebe zum Tennis entdeckt, das hat er akzeptiert, gedrängt hat er mich nicht. Aber ich fahre sehr gerne Ski und spiele ebenso gerne Fussball. Und ich freue ich mich auf die Skiferien in Serbien, nachdem ich vor einem Jahr in Österreich war.


Sie haben viel Talent als Imitator, auch Ihrer Berufskollegen, das zuletzt aber selten gezeigt.
Djokovic: Ich mache das noch immer, manche mögen es, manche nicht. Aber ich wähle nun die Momente ganz bewusst aus.


Werden Sie nach Ihrer Tenniskarriere Entertainer?
Djokovic: Warum eigentlich nicht? Möglich wäre das schon. Aber wahrscheinlicher ist doch, dass ich mich dann dem Golf zuwende.