Peinlich
So redet sich Alberto Contador raus

Ein verunreinigtes Stück Fleisch, das von Spanien nach Frankreich gereist ist, soll die positive Dopingprobe beim Tour-de- France-Sieger Alberto Contador ausgelöst haben. So jedenfalls stellte es der Spanier dar.

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Der Koch des Astana-Teams, Paco Olalla, habe bei der Tour de France den Anruf eines Freundes aus Spanien erhalten, der sich auf dem Weg nach Frankreich befand. «Unser Koch bat ihn darum, für die Radsportler gutes Rindfleisch aus Spanien mitzubringen», berichtete Contador. Das im Teamhotel in Pau im Südwesten Frankreichs servierte Fleisch sei von schlechter Qualität gewesen. Der Freund des Kochs stoppte nach eigenen Angaben in der spanischen Grenzstadt Irún vor einer Metzgerei, kaufte Filetsteaks und brachte sie nach Frankreich ins Quartier von Contadors Team Astana.

«Ich musste das Fleisch in unserem Mannschaftsbus braten, weil ich die Hotelküche nicht benutzen durfte», erinnerte sich der Koch. «In den Unterlagen von Astana muss sich noch die Rechnung der spanischen Metzgerei befinden, denn wir bezahlten nie etwas ohne Quittung.»

Der dreifache Sieger der Tour de France wurde am 21. Juli, am zweiten Ruhetag der Tour, in Pau getestet. Wie der Weltverband UCI in einem Communiqué mitteilte, ist der bei Contador festgestellte Wert 400-mal geringer als die Mindestanforderung, den die Laboratorien nachweisen müssen.

Am 24. August informiert

Angesichts der geringen Konzentration ordneten die Verantwortlichen der UCI die Vornahme der B-Kontrolle an. Diese bestätigte den ersten Befund. Wie die UCI weiter mitteilte, will sie den Fall weiter wissenschaftlich verfolgen und mit Experten der Welt-Dopingagentur WADA zusammenarbeiten, um den Fall genauer zu analysieren.

Contador wurde von der UCI erst am 24. August über das Ergebnis der im Dopinglabor Köln vorgenommenen Auswertung informiert. Der Spanier wurde vom Weltverband provisorisch suspendiert. Contador hatte zu diesem Zeitpunkt seine Saison längst beendet. Nach Abschluss der Tour de France bestritt Contador keine Rennen mehr. Einer Pressemitteilung von Contadors Agent zufolge stimmen vom Radprofi konsultierte Fachleute mit der Ansicht überein, dass das positive Ergebnis angesichts der geringen nachgewiesenen Menge auf verunreinigte Lebensmittel zurückgeführt werden könne. Zudem hätten alle anderen bei Contador während der Tour de France vorgenommenen Tests ein negatives Ergebnis gezeitigt.

Ich denke, die Wahrheit kommt ans Licht

«Ich denke, die Wahrheit wird ans Tageslicht kommen», sagte Contador. Das Ganze sei zwar enttäuschend, aber er sehe der Sache erhobenen Hauptes entgegen. Es sei ein Sonderfall und habe nichts mit anderen Dopingfällen zu tun, so der Spanier.

Der an der Spitze der französischen Antidopingagentur AFDL stehende Pierre Bordry erklärte auf Anfrage, Contador sei schon seit Ende Juli wegen anormalen Werten unter Verdacht gestanden. Der Franzose schloss einen positiven Dopingbefund aufgrund verunreinigter Lebensmittel beinahe kategorisch aus.

Nach dem zweiten Ruhetag in Pau hatte Contador die letzte grosse Herausforderung der Rundfahrt bestanden und in der Bergankunft auf dem Col du Tourmalet die Angriffe von Andy Schleck abgewehrt. Der Spanier entschied seine dritte Tour de France schliesslich mit 39 Sekunden Vorsprung auf den Luxemburger für sich. für die kommende Saison hat Contador einen Vertrag für zwei Jahre mit dem Team Saxo Bank des Dänen Bjarne Riis unterschrieben.

Seit 80er Jahr als Dopingmittel bekannt

Clenbuterol ist eine aus den Achtzigerjahren bekannte Substanz, die insbesondere in der Kälbermast angewendet wird. Beim Menschen erleichtert sie im Falle von Asthma die Atmung. Zudem hat Clenbuterol einen fettabbauenden Effekt. Einen der bekanntesten Dopingfälle war 1992 derjenige der deutschen Sprinterin Katrin Krabbe.

Contador wurde nachgesagt, er habe zu den Kunden des spanischen Dopingarztes Dr. Eufemiano Fuentes gezählt. Der Name des Radprofis verschwand dann aber unter unbekannten Umständen von der Liste. Falls Contador endgültig als Dopingsünder überführt wird, ist er der zweite Radprofi nach dem Amerikaner Floyd Landis im Jahr 2006, dem der Gesamtsieg in der Tour de France aberkannt wird. Contador entschied die «grande boucle» 2007, 2009 und dieses Jahr für sich. Zudem triumphierte der Spanier vor zwei Jahren im Giro d'Italia und in der Vuelta.