Skispringen
Simon Ammann: «Ich werde diese Tournee gewinnen»

Der Doppel-Olympiasieger geht Skispringen bei der Vierschanzentournee aufs Ganze. Es ist der einzige Titel, der Ammann noch fehlt.

Simon Steiner, Oberstdorf
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Simon Ammann
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Simon Ammann Freude, wie sie ungetrübter nicht zum Ausdruck hätte kommen können.
Simon Ammann Umarmung mit Ski: Simon Ammann und Adam Malysz gratulieren sich.
Simon Ammann Der erste Gumpf nach dem Sieg in die Arme und Knie von Teamkollege Andreas Küttel.
Simon Ammann Die drei Sieger: Adam Malysz aus Polen (links) und Greogr Schlierenzauer (Österreicher) umringen Simon Ammann.

Simon Ammann

Keystone

Auf der Tribüne im grossen Saal sitzen drei Österreicher und zwei Finnen vor den Mikrofonen. Im Scheinwerferlicht äussern sie sich an der offiziellen Medienkonferenz der Vierschanzentournee zu ihrer Gemütslage. Zur selben Zeit befindet sich Simon Ammann in einem schummrigen Hinterzimmer des Gasthofs nebenan. Ein Mikrofon braucht er nicht, als er einer Handvoll Schweizer Journalisten Auskunft gibt.

Es behagt Ammann sichtlich, dass der Fokus nicht auf ihn gerichtet ist. Den grossen Auftritt plant er auf der Schanze. «Ich werde diese Tournee gewinnen», sagt der Doppel-Olympiasieger – ganz unbescheiden, aber mit grosser Selbstverständlichkeit. Der Sieg beim prestigeträchtigen Traditionsanlass ist der einzige grosse Titel, der dem 29-Jährigen in seinem Palmarès als Skispringer noch fehlt.

Es ist eine freche Kampfansage, die Ammann vor seinem 13. Tourneestart wagt. Vor allem, nachdem die Hauptprobe vor Weihnachten in Engelberg nicht nach Wunsch glückte. Daraus will sich der Toggenburger nicht aus der Ruhe bringen lassen. «Ich bin mit mir im Reinen.» In Engelberg habe ihm nach dem anstrengenden Programm mit dem Warten auf die schliesslich abgesagten Wettkämpfe in Harrachov und der Sportlergala, bei der er zum «Schweizer Sportler des Jahres» gewählt wurde, die nötige Energie für den perfekten Absprung gefehlt.

Über-Ausruhe ist Pflicht

Entsprechend legte er den Schwerpunkt über die Weihnachtstage auf die Regeneration. Neben lockerem Training standen Massagen und Akupunkturbehandlungen auf dem Programm. Gestern Morgen absolvierte er in Oberstdorf ein leichtes Konditionstraining, weil die Schanze noch nicht bereit war für die geplanten Trainingssprünge. Am Nachmittag war Wellness angesagt. «Vor der Tournee kann man fast nicht genügend ausgeruht sein», sagt er.

Er weiss, wovon er spricht: Schon mehrmals hatten ihm müde Beine einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bereits zweimal war Ammann als Weltcupleader zur Tournee gereist und hatte den Gesamtsieg verpasst. Vor einem Jahr trat er zusammen mit Gregor Schlierenzauer erneut als Topfavorit an und landete am Ende sogar nur auf Rang 5.

Zwei Österreicher in der Favoritenrolle

Diesmal gehört die Favoritenrolle zwei Österreichern: Thomas Morgenstern und Andreas Kofler waren in dieser Saison klar die stärksten Athleten. Die Geschichte des Anlasses lehrt aber, dass der Weg zum Sieg auch für sie noch weit ist. So hängt für die Eigendynamik des Tourneeverlaufs nur schon viel davon ab, wie das Auftaktspringen morgen in Oberstdorf gelingt.

Simon Ammann, der die Tournee erstmals überhaupt als einziger Schweizer in Angriff nimmt, kann zumindest einmal mit guten Erinnerungen an Oberstdorf antreten. «Bei meinem ersten Start hier habe ich 1997 mit dem 15. Rang die Selektion für die Olympischen Spiele in Nagano geschafft», erinnert er sich. Vor zwei Jahren feierte er auf der Schattenbergschanze gar einen Sieg.

Ob sich die Prophezeiung seines ersten Gesamtsieges erfüllt, wird sich zeigen. Spätestens am Dreikönigstag, wenn die Tournee in Bischofshofen zu Ende geht. Es wäre nicht sein erster Coup als Wahrsager in eigener Sache: Im Januar hatte Ammann behauptet, wer beim letzten Weltcupspringen vor Vancouver an den Start gehe, werde nicht Olympiasieger. Er selber verzichtete darauf und sollte recht bekommen.