Skispringen
Simon Ammann: Der Tourneesieg ist schon fast weg

Simon Ammann landet auf Rang 4, doch Thomas Morgenstern liegt bereits weit voraus. Nur durch ein Wunder kann Ammann sein Saisonziel des Tourneesiegs noch erreichen.

Simon Steiner, Oberstdorf
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Thomas Morgenstern zeigt der Konkurrenz den Rücken, der Vorsprung auf Simon Ammann etwa beträgt bereits 17 Meter. PETER KNEFFEL/epa

Thomas Morgenstern zeigt der Konkurrenz den Rücken, der Vorsprung auf Simon Ammann etwa beträgt bereits 17 Meter. PETER KNEFFEL/epa

Der Ausdruck in Simon Ammanns Gesicht sprach Bände. Ungläubig blickte der Doppel-Olympiasieger nach seinem ersten Sprung zum Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf zur Resultatstafel. «Das Herz ist mir für einen Moment in die Hose gerutscht, als ich meine Punktzahl eingeblendet sah», sagte er hinterher. Der Grund für Ammanns kleinen Schock: In einem einzigen Durchgang hatte er bereits 20 Punkte Rückstand auf seinen härtesten Gegner Thomas Morgenstern eingefangen, im Finaldurchgang sollte die Differenz schliesslich gar auf 30 Punkte oder umgerechnet rund 17 Meter anwachsen.

Widrige äussere Bedingungen

Das Unheil hatte sich angekündigt, als nach den erstgestarteten Athleten Nebel aufzog und der Wind so zu drehen begann, dass die Springer mit Rückenwind antreten mussten – was deren Aufgabe in der Regel deutlich stärker erschwert, als dies durch die entsprechenden Kompensationspunkte wieder wettgemacht wird. «Ich habe im Flug nur ein schwaches Luftkissen gespürt», sagte Ammann.

Seinen Rückstand den äusseren Bedingungen zuzuschreiben, wäre allerdings zu einfach. So sprangen die Österreicher Thomas Morgenstern (131,5 m) und Andreas Kofler (128,5 m) im ersten Durchgang deutlich weiter als Ammann (123 m), obwohl sie noch stärkeren Rückenwind hatten als der Schweizer. Weil sie daher auch mehr Kompensationspunkte gutgeschrieben erhielten, vergrösserte sich die Punktedifferenz entsprechend. «In solchen Momenten beginnt man an der Windregel zu zweifeln», meinte Ammann lakonisch.

Tatsache war, dass der Toggenburger beim Absprung einen technischen Fehler begangen hatte. «Der Körperschwerpunkt in der Anlaufspur war zu tief», sagte Trainer Martin Künzle. «Deshalb war Simon beim Absprung etwas zu spät dran und hat Geschwindigkeit verloren.» Ein Missgeschick, das sich unter den erschwerten äusseren Bedingungen besonders stark auswirken sollte.

Souveräner Morgenstern

Im zweiten Durchgang drehte Ammann mit der drittgrössten Weite (134,5 m) auf und verbesserte sich vom 9. Zwischenrang noch auf Platz 4 vor. Einzig Thomas Morgenstern (138,5 m) und Matti Hautamäki (137,5 m) sprangen noch weiter und setzten sich damit auch an die Spitze des Tages- und Tourneeklassements.

Der angestrebte Tourneesieg ist für Simon Ammann damit bereits in weite Ferne gerückt. Mit exakt 30 Punkten ist der Rückstand auf Leader Morgenstern sogar noch ein wenig grösser als jener vor einem Jahr auf Oberstdorf-Sieger Kofler. Als Fünfter hatte der Schweizer damals 28,6 Punkte auf den Österreicher eingebüsst, der die Gesamtwertung in der Folge auch gewinnen sollte.

Umso schwieriger wird Ammanns Aufgabe, als Morgenstern sich einmal mehr in blendender Verfassung präsentierte. «Für mich hat sich mit diesem Sieg nichts verändert», sagte der 24-jährige Kärntner. «Ich gehe ohne Erwartungen von Sprung zu Sprung.» Die Nerven müssten ihm schon einen üblen Streich spielen, sollte er den Tourneesieg noch aus der Hand geben.